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Ost und West · 1913-01-01 · Heft 1 (Januar 1913) · p. Seite 11 - 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 1 (Januar 1913)
Article
Der Drang nach Osten
Date
1913-01-01
Page
Seite 11 - 12 (sequence 2)
Language
German
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11 Binjamin Segel: Der Drang nach Osten. 12 sonders am ObeiThein im 13. und 14. Jahrhundert gesprochen wurde. Sie bii'gt viel kostbares, mittelhochdeutsches Sprachgut, welches aus den anderen deutschen Mundarten schon zum Teil oder ganz verschwunden ist. Auch die psychologischen und phonetischen Gesetze der Entwicklung dieser Sprache im Siawenlande und die Regeln, nach welchen sie slawisches und hebräisches Sprachmaterial und -Formen aufnahm und verarbeitete, wären vielleicht der Beachtung wert. Dass diese Sprache den heutigen Berlinern fremdartig und unverständlich klingt, ist natürlich. Auch die Sprache ihrer eigenen historischen Dokumente aus dem 14. Jahrhundert sind die Berliner gemeiniglich nicht ohne weiteres zu lesen imstande. Und wenn ein Ob erb ayer nach Schleswig kommt, glaubt er, sich im fremden Lande zu befinden. Im Jahre 1905 fand in Wien ein deutscher Historikertag statt; beim Bankett beantwortete der damalige Bürgermeistervon Wien, der grosse Teutsche Dr. Lueger, den Trinkspruch eines norddeutschen Professors in launiger Urwiener Art folgendermassen: ,,Ich nahe zwar kein Wort von der Rede des Herrn Professors verstanden, aber er hat es gewiss gut gemeint, darum rufen wir: Hoch!" Das Schlagwort vom Mauscheln mag gebildeten Commis-voyageurs und ästhetischen Ladenschwengeln genügen. Ernste Männer sollten die Frage von einer andern Seite anfassen. Es ist übrigens bekannt, dass viele dieser mauschelnden russischen Juden nach kurzem Aufenthalt in Deutschland die deutsche Sprache so tadellos beherrschen, dass manch wackerer deutscher Spiesser, der in Bezirksvereinen und Wahlversammlungen Reden hält, sich an ihnen ein Beispiel nehmen könnte. Indessen ist das Mauscheln des russischen Juden nur dann so hässlich, wenn er hungrig und frierend, von einem Pogrom aufgescheucht, durch Deutschlands Gaue arbeitsuchend irrt. Aber er mauschelt gar reizend, gar lieblich schön, wenn er in den grossen Fabriken und Geschäftshäusern reiche Bestellungen macht. Er ist abstossend, hässlich, wenn er mit den Händen spricht, aber er ist unwiderstehlich, wenn er mit knisternden Banknoten spricht, wenn der zarte Klang von Goldrubeln seine Rede begleitet. Dann ist manche wackere deutsche Hausfrau gern bereit, ihm sogar ihr flachsblondes Töchterlein aufzuhalsen. Der russische Jude ist ein lästiger Ausländer, wenn er Arbeit und Verdienst sucht, aber er wird leidenschaftlich begehrt", wenn er seine Gelder in deutschen Banken deponiert und den Zinsfuss vermindern hilft. Den Herren Literaten klingt sein ,,Mauscheln" verletzend in den Ohren und „der gebildete deutsche Jude soll fast nichts mehr gemein" mit ihm haben. Nun denn, sollte der Wunsch Sombarts und der anderen, namentlich der „abendländischen Juden und der abendländischen Antisemiten" (Mauthner), dass eine „Sperrung der Grenzen" Deutschlands vor den russischen Juden durchzuführen sei, verwirklicht werden, so müsste man, logisch und konsequent, diese Sperrung auch streng durchführen und sie auf alle jene russischen Juden ausdehnen, die als Geschäftsreisende und Kommissionäre den ungeheuren Millionenexport Deutschlands nach Russland besorgen. Ferner müsste man alle in deutschen Banken von reichen russischen Juden deponierten Gelder über die Grenze schaffen. Auch müsste man den russischen Juden verbieten, die deutschen Kurorte zu besuchen, die deutschen Hotels und Kaffeehäuser zu bevölkern und deutsche Schiffe zur Ueberfahrt nach Amerika zu benutzen. Die deutschen Literaten wären zufrieden, ihr zartes Gehör bliebe von dem entsetzlichen Mauscheln verschont und ihre germanischen „Seelen würden keinen Schaden nehmen an ihrer Eigenart." W;as aber die deutschen Fabrikanten, die königlichen und minder königlichen Kaufleute, was die Bankiers und die Gastwirte aller Grade, was die Bürger in den Kurorten und die Bauern der Umgegenden, denen die Sommergäste das Gemüse und das Brot und die Eier und die Hühner zu fetten Preisen wegkaufen, was diese dazu sagen würden, das wäre erst abzuwarten. Allein, die Sache hat noch eine andere Seite. Die Millionen deutschredender Juden ausserhalb Deutschlands waren allzeit, ob sie es wollten oder nicht, Träger der deutschen Kultur und des deutschen Einflusses. Im ausgehenden Mittelalter wirkten die aus Deutschland fortgehetzten Juden in Oberitalien noeb Generationen hindurch geradezu als Germanisatoren (Güdemann). Anfangs des 17. Jahrhunderts schrieb R. Meir Konen (Vater des Sabbathai), der aus Ansbach nach Litauen gekommen war, dort gäbe es Juden, deren Umgangssprache Weissrussisch ist, doch mit der Zeit, wenn die Bildung zunehmen würde, würden gewiss alle nur Deutsch sprechen. Nach der Teilung Polens konfiszierte die österreichische Regierung die Juden in den ihr zugefallenen Provinzen einfach für das Deutschtum, sie erklärte sie schlechtweg für Deutsche, und es war selbstverständlich, dass sie im Verkehr mit der Behörde und in der inneren Verwaltung der Gemeinden, sowie in ihren Schulen sich der deutschen Sprache zu bedienen hatten. Und all das nur auf Grund dieses hässlichen, widerwärtigen, verächtlichen Mauscheins. (Dabei wurden die Juden von eben dieser Regierung bis zum Beginn der konstitutionellen Aera ununterbrochen „gesetzlich" gebrandschatzt, ausgeplündert, ausgesogen, beraubt und unterdrückt, ganz wie im tiefsten Mittelalter oder in Palästina durch die römischen Landpfleger). Die unstreitige Vorherrschaft der deutschen Sprache und auch des deutschen wirtschaftlichen Einflusses in ganz Osteuropa bis zur Wolga und zum Schwarzen und zum Aegäischen Meer ist zu einem sehr, sehr beträchtlichen Teil das Werk eben dieses verachteten, mauschelnden russischen Juden. Sobald dieser im 18. Jahrhundert zur Kultur erwachte, griff er zuerst nach dem deutschen Buch. Und wenn er einmal seine Maiischelei ganz verlernt haben wird, wird das der deutsche Buchhandel seh]*, sehr kräftig zu verspüren bekommen. Wie ehemals das Christentum sich von seinem Ursitz aus zunächst dort ausbreitete, wo es jüdische Siedlungen und Gemeinden gab, und dann, als es erstarkte, sich gegen das Judentum kehrte, so geschah es mit dem Deutschtum ausserhalb Deutschlands. Der deutsche Kaufmann , Handwerker oder Arbeiter suchte und fand zunächst überall in der Fremde Anschluss an den Juden, mit dem er sich leicht verständigen konnte und den er als eine Art Landsmann betrachtete. Sobald er festen Fuss gefasst hatte, wandelte sich seine Gesinnung sofort und er stand gar häufig an der Spitze der blutigsten Judenverfolger. (Man denke z. B. an den berühmten Leutnant Schmidt, dessen Heldentaten mit dem Blut der russischen Juden in der Geschichte der Jahre 1905/06 verzeichnet sind, der aber jetzt schon einen urslawischen Namen trügt). So oft sich in den slawischen Ländern, der Nationalismus regt, wendet er sich mit grosser Heftigkeit gegen die Juden als Träger und Stützen des Deutschtums. Die Deutschen in Oesterreich beginnen langsam einzusehen, dass sie durch ihre blödsinnige antisemitische Hetze ihrer eigenen Position den Slawen gegenüber geschadet haben. Vor 2 Jahren, gelegentlich der allgemeinen Volkszählung in Oesterreich brachte die Zeitschrift des Vereins zur Erhaltung des Deutschtums

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