Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 1087 - 1088 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2584006-2584018-2603841--12446-2603950- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1087 B. Saphra: Ludwig Philippson. 1088 die Verbesserung' ihrer Lage und dio Hebung ihrer Kultur, überall, wo es not tat. Die guten Jahre während der ersten Regi nungszeit Alexanders II. verdankten die russischen Juden im wesentlichen Philippsons Verwenden. Was Montefiores persönlichem Einfluss nicht gelungen war, das erreichte der Publizist und Gelehrte •durch einen ebenso kühnen wie offenen Schachzug. Die Juden im Orient und besonders in Jerusalem fühlten nicht minder seine schützende Hand. Wie einst Manasse ben Israel den Juden die Pforten Englands wieder zu erschliessen bemüht war, so unternahm Philippson einen Feldzug, um ihnen den Wiedereintritt in Spanien zu erkämpfen. Viel zu früh, denn erst in den 80er Jahren und neuerdings in unserer Zeit, bestrebte sich die spanische Regierung, die Spaniolen heimzurufen. Philippson war es, der in dem denkwürdigen Fall Mortara, wie bei vielen anderen Anlässen, das öffentliche Gewissen aufpeitschte. Dabei hatte der Nimmermüde stets gegen'innere Feinde zu kämpfen, gegen ein verächt- liebes, denunziatorisches Ueberlauf ertum, ■das damals wie heutzutage, zum Gaudium der Feinde, den um Aufklärung und Recht Kämpfenden feig und tückisch i in die Flanke fiel. — Philippson, i ein geborener Führer jund Organisator, legte in alle seine Schöpfungen den energischen Willen und die fruchtbare Kraft seiner ernsten Natur, und das verlieh ihnen Dauer. Wo er seiner Zeit vorausgeeilt war, wurden seine Gedanken und Anregungen später verwirklicht. Die von ihm j ÜLIE WOLFTHORN.; gegründete Abend in der \V0Chen- (Zum Artikel: „Julie Wolfthorn" von schrift existiert heute noch, wenn auch nicht in seinem Geiste fortgeführt. Der' Deutsch-Israelitische Gemeindebund, dessen Mitschöpfer er war, ist heute eine der segenvollsten Organisationen Deutschlands; - das von ihm gegründete jüdisch-literarische Institut hat seine Nachfolgerin in der Gesellschaft zur Förderung d m' Wissenschaft des Judentums; sein Plan, die orientalischen Juden durch einheimische, in Europa ausgebildete Lehrer zur Kultur zu erziehen, wurde später von der Alliance Israelite Universelle, deren Centn?Icomite er angehörte, in grossem Massstabe verwirklicht; seiner Anregung, Lehrstätten für die Wissenschaft des Judentums zu gründen, entsprechen heute 10 solcher Anstalten in Europa und 2 in Amerika. Sein Plan, die russischen Juden in grossen Massen in ferne, noch nicht übervölkerte Länder zu vorpflanzen, wurde Jahrzehnte später I vom Baron Rothschild und Baron Hirsch in Angriff genommen. Die Liste Hesse sich noch fortsetzen. Eine unverwüstliche Kraft war in kihm, die weder persönliches Missgeschick, noch der Verlust des Augenlichts, nicht einmal der Tod teuerster Wesen zu brechen vermochte. Als seine Lieblingstochter starb, betäubte erden wühlenden Schmerz, indem er sich andieUebersetzung des Gebetbuchs machte. Ein Sohn des alten Stammes, verkörperte er in sich dessen unversiegbareJugendkraft. Und an seinem Ehrentage wird in der ganzen Judenheit der Wunsch wiederholt werden: Villa Borghese. "»I10- '2T Georg Hermann auf Seite 10S9/1000.) 7N"^"2 BERLIN.