Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 1075 - 1076 (sequence 3)
- Language
- German
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1075 Illustrationen zu Russlands Judenpolilik in den letzten Monaten. 107& Der Vorstand der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Russland" wollte in Wilna pädagogische Kurse für weibliche Personen einrichten. Das entsprechende Gesuch wurde aber abgelehnt. * * * In Taraschtochc wurde dem Zaren Alexander IL ein Denkmal gesetzt. Es war auch eine jüdische Deputation da. Aber die jüdischen Schulkinder durften unter den anderen nicht erscheinen. So wollte es der Inspektor der städtischen Schulen. *; " * * In der letzten Sitzung der Schulleitung des Akermancr Gymnasiums wurde beschlossen, mittellosen jüdischen Schülern keine Befreiung vom Unterrichtsgelde zu gewähren. Begründung: Es gibt genug jüdische Eltern, die jede Summe werden zahlen wollen, wenn man nur ihre Kinder in die Gymnasien aufnimmt. Das Mitglied des neuen Kanewer Scmst\voamtes7 Snosko-Borowsky, besuchte eine Schule des Semstwo. Seine erste Frage war: Wo sind denn da die Zydi? (In Russland beleidigender Ausdruck für Juden, die sonst „Jewrei" genannt werden.) Die jüdischen Kinder waren so erschrocken, dass sie die Fragen der Lehrer nicht beantworten konnten. Snosko-Boroswrsky befahl, eine Liste der jüdischen Schüler und Schülerinnen zusammenzustellen, und alle aus der Schule auszusch Hessen. * * * Der Direktor des sechsten Kiewer Gymnasiums ordnete an, dass sich die jüdischen Schüler in die rückwärtigen Bänke zu setzen haben. Auch die Kurzsichtigen wurden von dieser pädagogischen Massrcgcl nicht ausgeschlossen. Huf bem beuiferjen Blliancetag am ö.Hovember i|"t aud) „Oft unb Wejt" in öie Debatte l)ineingesogen werben. (Dan r;at jid) 3\var über bie Rebigierung unferes Blattes fel)r lobenb ausgefproerjen, allein einer ber Rebner glaubte rjervor* heben 3U muffen, baß biefes „ven öer BUiance fubventionierte Blatt" ftd) in einem S'a\)\= waffer bewege, in bem itym ein großer Heil ber beutferjen Juben nid)t folgen hönne unb wolle. Dun finb wir fd)on einigermaßen an folerje Reklamationen gewöhnt. Seit jeher waren es balb bie Ciberalen, balb bie Ortrjoboxen, bie uns irgenb etwas verübelten, was nad) ihrer (Deinung für bie entfprechjenbe Gegenfeite 31t freunblid) war. Ja, als wir einmal einen überaus maßunb taktvollen Artikel 3U gunften einer mittlerenCinie in unferem :Blatt veröffentlichten, wanbfen fid) beibe Parteien mit gel)arnifd)ten proteften an bie Ceitung ber Ronferensgemeinfcrjaft, ber fie irrtümlich eine Verantwortung für ben Inhalt von „Oft unb Weft" 3ufcr;rieben. natürlich mußten wir bei aller Haftung frember (Dehnungen allen biefen Befd)werben gegenüber in ber ßaltung verharren, bie wir von Anbeginn als bie für uns maßgebliche bestimmt fjaben. Wir blieben babei, uns von Parteimeinungen nid)t beirren 3U laffen, fonbern von einem fyötyeren 6efid)tspunkt aus berl Sad)e ber jübiferjen 6efamtr;eit, eines kräftigen unb felbftbewußten Jubentums, bes jübiferjen Geiftes 3U bienen. Unb nid)t anbers wollen wir es aud) in 3ukunft galten. \A7ir finb feft entfd)loffen, uns unter keiner Bebingung in kleinliches Gruppenge3änke verwickeln 3U laffen. Oben wollen wir bleiben, — auf ber F5ör;e ber jübifd)en Ibee. Unb wir finb aud) über3eugt, baß bie jübifd)e Bllgemeinheit wie bisher aud) weiter ]n eigener 5ad)e. nod,brud, „erbote„. unfereBbftcf)ten verfielen unb vollauf würbigen wirb. — Ruf bie Be3eid)nung unferes Blattes als eines von ber BUiance „fubven Monierten" 3urüd*= kommenb ferjen wir uns genötigt - 5umal biefe Buffaffung aud) in ber Preffe Eingang fanb — l)ier ausbrückltd) ifjre Unrichtigkeit bar3utun. Unfer Verhältnis 3U ber BUiance ift, abgefel)en von ben ibeellenBe3iel)ungenbes gleichen Wirkungskreifes, ein rein gefcrjäitlid)svertragsmäßiges. Unb überbies inb bie Beftimmungen bes Vertrages, ber für mehrere Jahre abgefcrjloffen ift, für uns nid)ts weniger als. günftig. Denn bie BUiance, bie foviet €xemplare be^lel)U als fie (Ditglieber l)at, be^arjlt pro Cxemplar unb Jal)r fo wenig, baß ber Gefamtbetrag il)rer 3al)lung nid)t metjr als ein Drittel ber löerftellungskoften er* r e i d) t. Im Gegenfatf basu barf wol)l ber nu^en, ben fie aus bem Verfragsverl)ältnis 3ief)t> ein beträd)tlid)er genannt werben, ba fie, wie aus ben Sitjungsprotokollen ber ßonferen3gemeinfd)aft hervorgeht, feit Beginn bes Vertragsverl)ältniffes mit uns ca. 6000 neue (Ditglieber in Deutfd)lanb erworben \)ai. Unb h^bei ift nod) gar nid)t berückfid)tigt, baß aud) bie früheren (Ditglieber „Oft unb Weft" erhalten unb h)ierburcf> in ihrer (Ditgliebfd)aft gefeftigt werben. "Wir glauben, baß bei fold)er Sachlage benn bod) nid)t von „Subvention" gefprod)en werben kann. Wir hQiten übrigens niemals bie internen Be3iel)ungen 3wifd)en uns unb ber BUiance an biefer Stelle 3ur Sprache gebracht, wenn wir uns nid)t burd) vielfache, teilweife gehäffige €ntftellungen 3U einer Bufklärung ber tatfäd)lid)en Verhältniffe gebrängt fühlten. Redaktion von „Oft unb Weft". Ceo Win3.