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Ost und West · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 1061 - 1062

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Kein "Pogrom" in Süd-Wales
Date
1911-12-01
Page
Seite 1061 - 1062 (sequence 4)
Language
German
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1061 Carl Stettauer: Kein „Pogrom" in Süd-Wales. 1062 samen Denkzettel geben werden, sondern die auch abschreckend wirken werden für alle diejenigen, die die Lust verspüren sollten, solche Unruhen aufs neue anzufachen. Die Bittgesuche, die an den Minister des Inneren gerichtet wurden, um die hohen Strafen der Schuldigen herabzusetzen, hatten keinen Erfolg, denn die Behörden sagten sich mit Recht, dass die Verbrecher von Wales, die sich Plünderungen und Diebereien haben zu schulden kommen lassen, keine bessere Behandlung verdienen, als die gewöhnlichen Verbrecher, die täglich die Strafrichter beschäftigen. Diese Tatsachen können nicht laut und nicht oft genug wiederholt werden. Pogrome in England sind unmöglich. Sie sind einem hochgesinnten Volk, das durchtränkt ist mit den Traditionen von Freiheit und Toleranz, in innerster Seele zuwider. Schon der Gedanke an die Möglichkeit würde den höchsten Unwillen aller Klassen einer Nation hervorrufen, die stolz ist und mit Recht stolz ist, dass diese, was Zivilisation und edle menschliche Gesittung anlangt, mit an erster Stelle steht. Die Diebereien und Plünderungen in Süd-Wales als Pogrom zu bezeichnen, ist eine schwere Uebertreibung zum Schaden der gesamten Judenheit. In England gibt es nicht zweierlei Gesetze für Juden und Nichtjuden. Religion und Konfession haben keinen Einfluss auf Recht und Ordnung. Die strengen Strafen, die gegen die Verbrecher verhängt wurden, müssen alle die verstummen machen, die behaupten, es gäbe eine offizielle oder eine allgemeine Feindseligkeit gegen die Juden in England. Süd-Wales selbst ist tief beschämt über die Vorgänge des August, die es so in Verruf gebracht haben, und das ganze Land ist entschlossen, unter keinen Umständen eine Wiederholung der Unruhen zuzulassen, die den guten Namen und den Ruf eines grossen Volkes in Misskredit bringen würden. * PS. Der Gesamtschaden, den die Juden in Wales erlitten haben, beträgt 16 000 Pfd. Strl. (der ihnen ersetzt werden wird) und nicht 100 000 Pfd. Strl., wie Ihr Korrespondent angibt. Wir geben der obigen Berichtigung in unserem Blatte gerne Raum. Erstens mit Rücksicht auf die geschätzte Persönlichkeit des Einsenders. Dann aber, weil wir glauben, dass sie der Hauptsache nach unsere Auffassung von der Sache unterstützt. Schliesslich, weil wir uns die Gelegenheit nicht nehmen lassen wollen, den geehrten Herrn Einsender auf eine Art Betrachtungsweise jüdischer Angelegenheiten aufmerksam zu machen, die ihm offenbar noch fremd ist, die sich aber ebenso langsam als stetig und beharrlich die jüdische Oeffentlichkeit erobert. Zunächst möchten wir darauf hinweisen, dass die Ereignisse in Süd-Wales auch in der Berichtigung nicht sonderlich freundlich aussehen. Der Herr Einsender gibt selbst zu, ,,dass der leidenschaftliche Ausbruch von Feindseligkeiten in jenen Tagen eine sorgenvolle Bestürzung hervorrief, die an Grösse schwerlich zu übertreiben ist." Er zeichnet selbst sehr wirksam den Gegensatz zwischen dem Gefühl „vollkommener Sicherheit", in dem sich die Juden „jahrzehntelang wiegten" und der Plötzlichkeit und „erschreckenden Wirklichkeit" mit der „jenes mittelalterliche Vorurteil gegen die Juden zum Vorschein kam." Er gibt selbst zu „dass die Unruhen ernst waren, der Schaden gross und die Leiden, die verursacht wurden, beträchtliche." Er hält es selbst für schlimm genug, „dass in diese m Lande der Gesetzlichkeit und Ordnung ein organisierter Versuch gemacht werden konnte, zu rauben und zu schädigen." Und er kann nicht verschweigen, „dass verhältnismässig gut situierte Leute sich nicht entblödeten, an den Plünderungen jüdischer Läden teilzunehmen." Wir haben die Empfindung, dass diese Darstellung des Tatsächlichen kaum wesentlich von der abweicht, die in unserem Artikel gegeben war. Ein Unterschied besteht nur darin, dass der Verfasser der Berichtigung auf alle die schlimmen Begebenheiten das Wort „Pogrom" noch nicht angewendet sehen will, während es in unserem Artikel unbedenklich gebraucht war. Ja, aber vor allem waren wir doch nicht die ersten, sondern, schon wegen der monatlichen Erscheinungsweise unseres Blattes, die letzten, die diese Anwendung nicht scheuten. Früher als wir haben ja alle — wir wiederholen: alle — Wochen- und Tagesblätter, sowohl der jüdischen als der allgemeinen, insbesondere auch der englischen Presse, von den aufrührerischen Ereignissen in Süd-Wales als von Pogromen, von Judenpogromen gesprochen. Wir können uns also jedenfalls auf eine Uebereinstimmung im Ausdruck berufen, die durch ihre Unwillkürlichkeit und Gleichzeitigkeit einfach überwältigend ist. Wenn

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