Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Das jüngste Bild von Judentum
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 1043 - 1044 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1043 Dr. Max Eschelbacher: Das jüngste Bild vom Judentum. 1044 Damit ist auch schon die Eigenart seines jüngsten Werkes „Die Juden und das Wirtschaftsleben" gekennzeichnet. Es ist, wenigstens in dem grossen Abschnitt „Die jüdische Religion und das Wirtschaftsleben" ein Dokument Sombart'schen Geistes, nicht ein Bild des Judentums. Sein erster Teil freilich, „der Anteil der Juden an dem Aufbau der modernen Volkswirtschaft" zeigt überall da, wo Sombart auf seinem eigensten Gebiete sich bewegt und aus den Quellen der modernen Wirtschaftsgeschichte schöpft, ein Bild glänzender Gelehrsamkeit. Diese neuere Wirtschaftsgeschichte beherrscht er, wie kein anderer. Nur selten wird man ein Werk finden, das auf weite Strecken der Geschichte hin so viel Licht wirft, wie dieser erste Teil. Und daneben zeigt er auch noch alle die seltenen Vorzüge Sombart'schen Geistes, neben der Tiefe des Wissens jene Kraft des inneren Schauens und jenen Reichtum an Ideen, wie sie nur auf dem Boden gründlichster Sachkenntnis reifen können. An anregender Kraft wird nicht viel diesem Teil von Sombarts grossem Werke gleichkommen. Aber in schroffstem Gegensatz zu ihm stehen die folgenden Abschnitte, die eine Schilderung vom Judentum geben wollen. Sombart hat dieses lange studiert, aus Büchern studiert, aber er kennt es dennoch nicht. So konnte er auch kein Bild von ihm geben. Die gründliche Kenntnis des Gebietes geht ihm ab und damit fehlt ihm zugleich auch die rechte Kritik und Zurückhaltung gegenüber seinen eigenen Ideen. Er ist hier schwer in die Irre gegangen; er zeichnet nicht das Judentum, sondern er gibt in der Form sachlicher Wissenschaft nur höchstpersönliche Einfälle darüber. In Sombart lebt eine grosse Gesamtanschauung von der ökonomischen Welt. Wer sein gesamtes Schaffen kennt, weiss, dass immer und überall die gleichen, bezeichnenden, ihm eigentümlichen Grundanschauungen zutage treten. Nirgends erscheinen Dinge und Erkenntnisse bei ihm vereinzelt und isoliert, stets erscheinen sie eingeordnet in dem grossen Zusammenhang des Kosmos der Wirtschaft, wie Sombart ihn erschaut hat. Die heterogensten Dinge erscheinen so in seinen Werken miteinander verbunden. Ob er die Naturwissenschaft der Neuzeit schildert oder die moderne Technik, die Seele des Handwerkers oder die Psyche des Kapitalisten, immer und überall durchdringt Sombart mit den gleichen grundlegenden Gedanken die Erscheinungen, alles und jedes ist bei ihm eingegliedert in eine ganz bestimmte, von ihm entdeckte Welt von Ideen. Mit anderen Worten, er ist in erster Linie nicht Geschichtschreiber, sondern Philosoph des Wirtschaftslebens. Diese Grosszügigkeit seines Schaffens gibt seiner Darstellung ihren hohen Reiz, aber sie bedroht zugleich die Wahrheit des Weltbildes, das er zeichnet. Er sieht in den Dingen von vornherein die künftigen Bausteine, die seinem Bau sich einzugliedern haben, und gibt sie nicht wieder, wie sie sind, sondern er richtet sie nach seinem Belieben her und behaut sie so lange, bis er sie seinem Plane passend gemacht hat. Dieses Schicksal hat nun auch das Judentum in seiner Darstellung erfahren. Er bringt es in die engste Beziehung zum modernen Kapitalismus. In diesem sieht er den radikalen Gegensatz zu früheren Wirtschaftsordnungen, etwa der der Eigenproduktion oder der des Handwerks. Dem Unterschied in den Organisationen der Wirtschaft muss dann aber nach seiner Meinung auch ein Unterschied in der Seele der Menschen entsprechen, die in ihnen tätig werden. Denn das ist eines der Grundmotive, die bei ihm immer wiederkehren, was alle wirtschaftliche Tätigkeit zunächst in ihrer Eigenart bestimmt, .. . sind die Ideen, von denen vorwiegend die Wirtschaftssubjekte geleitet werden, sind die Motivreihen, denen die wirtschaftlichen Handlungen letztlich ihr Dasein verdanken." Und so muss demnach auch der Wirtschaftsform des Kapitalismus eine ganz besondere seelische Veranlagung seiner Träger entsprechen. Wenn der Naturmensch ein Glied und ein Träger der kapitalistischen Wirtschaft werden soll, muss er ein neues Herz und einen neuen Geist bekommen. Sombart sucht nun nach den Mächten, die diesen neuen Sinn in die Welt gebracht hätten; als Väter des Kapitalismus erscheinen ihm da ganz besonders die Juden und als die tiefste Quelle ihrer Wirtschaftsgesinnung will er die jüdische Religion entdeckt haben. Von dieser Religion entwirft er eine grosse umfassende Schilderung; in ihren Einzelheiten soll sie uns später beschäftigen, hier sei sie zunächst nur in den grössten Umrissen wiedergegeben. Die jüdische Religion, behauptet er, sei ausschliesslich ein Werk des rechnenden Verstandes, nicht ein Erguss des Herzens. Rationalismus in seiner reinsten Verkörperung sehe sie selbst zwischen Gott und dem Menschen nur ein rein geschäftsmässiges Verhältnis. Die ganze Lebensführung und Lebenshaltung sei durch das jüdische Gesetz „rationalisiert", als hoherLebenswert werde dem Juden vor allem das Geld von Religions wegen hingestellt. Eine „eigentümlich