Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Sitzung des Central-Comités
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 1003 - 1004 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1003 Mitteilungen <ler AUhmcc Israelite Universelle: Sitzungdes Central-Comites. 1C04 Berlin N. 24, den 22. Oktober 1911. Oranienburger Strasse 42-43. Sehr geehrter Herr! Am 18. Oktober 1911 hat in Paris eine überaus wichtige Sitzung des Central-Comites der Alliance- Israelite Universelle stattgefunden. Auf der Tagesordnung stand, wie Ihnen bekannt sein wird, die Frage, ob der bisherige Wahlmodus, nach welchem die Mitglieder des Central-Comites durch das allgemeine Wahlrecht bestimmt wurden, beseitigt und durch Kooptation ersetzt werden sollte. Zur Beratung über diese wichtige Angelegenheit hatten sich fünf Mitglieder der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft, nämlich von Berlin die Herren Justizrat Max Fuchs und Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Landau, von Leipzig Herr Hermann Wittner, von Hamburg Herr Hermann Gumpertz, von Breslau Herr Heinrich Oschinsky, in Paris eingefunden. Sie erfuhren dort zu ihrem Erstaunen, dass für die Einbringung des Antrages, nicht blos das allcrmeine, sondern das Wahlrecht überhaupt abzuschaffen und die Kooptation einzuführen, nicht allein die 25 Pariser Central-Comite-Mitglieder, sondern auch einige deutsche Mitglieder schriftlich votiert hatten, sodass in Gemässheit des Art. 22 der Statuten der Vorschlag zur Diskussion gestellt werden konnte. Wie diese Toten zustandegekommen sind, davon werden Sie sich ohne weiteres eine Vorstellung machen, wenn Sie erfahren, dass H*rr Bigart der Generalsekretär der A. I. TL vorher bei den einzelnen Central-Comite-Mitgliedern herumgereist ist, um sie zur Abgabe ihrer Stimmen für den Pariser "Vorschlag zu veranlassen. In der mehrstündigen Debatte über diesen Antrag haben die sämtlichen anwesenden deutschen Central- Comite-Mitglieder das Wort erg.iffin. Sie haben ausgeführt, dass der Antrag ein Bruch mit der ganzen fünfzigjährigen Vergangenheit der Alliance Israelite Universelle darstelle, die auf dem Prinzip des allgemeinen Wahlrechts gegründet gewesen sei, dass die Einführung der Kooptation keine andere Wirkung haben könne, als die Alleinherrschaft einiger Pariser Herren zu stabilisieren und nichts anderes bezwecke, als die Mitaibeit der auswärtigen, und namentlich der deutschen Mitglieder, völlig auszuschalten, ein Bestreben, das schon seit vielen Jahren mit rücksichtsloser Energie von Paris aus verfolgt worden sei. Es würde damit für alle Zeit ein Verwaltaagssystetn festgelegt werden, das, wie die vielfach an uns gelangten Beschwerden beweisen, keineswegs das allgemeine Vertrauen geniesst. Auf keinen dieser Einwände ist die Majorität eingegangen. Sie hat sogar die dringends Bitte der deutschen Mitglieder, diese so wichtige Angelegenheit nicht zu überstürzen, sondern sie zunächst einer Kommission zur Prüfung zu überweisen, abgelehnt und darauf den Antrag mit einer Majorität von 19 gegen 5 Stimmen der Deutschen C. G-.-Mitglieder zum Beschluss erhoben. In derselben Weise sind — immer mit einer Majorität von 19 gegen 5 — alle arideren von Ulisgestellten Anträge abgelehnt worden. Der Beschluss vom 18. Oktober birgt eine ausserorordentliclie Gefahr in sich. Nach der Auffassung der Majorität bedarf es nur noch einer Abstimmung, die bereits Mitte November stattfinden kann und ferner der Genehmigung einer demnächst nach Paris zu berufenden Generalversammlung, um den Anträgen dtr Majorität definitiv Kraft zu verleihen und die bisherige Grundlage der Alliance Israelite Universelle umzuslürzen. Die Mitglieder der Alliance Israelite Universelle werden einen solchen Beschluss nicht ruhig hinnehmen können. Sie werden nicht dulden dürfen, dass man uns 15 000 deutschen Mitgliedern das einzige erhebliche Recht, das wir bisher gehabt haben, die leitenden Männer durch unsere Wahl mitzubestimmen, entzieht und' uns solche Männer als Vertreter der Allianceidee aufoktroyiert, die lediglich der Pariser Majorität gefallen. Denn tatsächlich ist diese allein in der Lage, die Kooptation vorzunehmen, die nach den Beschlüssen vom 18. Oktober in Paris durch zweidrittel der in der Sitzung anwesenden Mitglieder ausgeübt werden soll. Gegen diese unerhörte Vergewaltigung durch die Pariser Majoiität gilt es, den schärfsten Protest zu erheben und noch einen Versuch zu machen, die Gefahr abzuwenden. Zu diesem Zweck berufen wir hierher nach Berlin eine Versammlung (Alliancetag) auf Montag, den 6. November, 11 Uhr vormittags, im Saal der Gesellschaft der Freunde,. Berlin W. 9, Potsdamer Strasse 9 zu der jedes Mitglied der Alliance Zutritt und Stimme hat.