Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Die beiden Schwestern
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 971 - 972 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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971 J. L. Percz: Die beulen Schwestern. 972 FRKTl WOLF; FE LI). (Aus dv Mädchenkopf. ilitsjültrigen „Oiwstm lJorliitcr ICunstausstelliini -Aber ein wild; aus iJir »*iapor in juxend . im Saale I >ann mochte sie s Seil neu schlug wie eine Flamme jenen Nächf'M), wenn dio Rauorndes Gasthauses spielte und tanzte. 111 <> Stunden dort sitzen, sieh die. Augen ausgucken, wie die .jungen Purschen mit den .Mädchen scherzten, wie sie im Kreise tanzend sich drohten Iiis dass sie taumelten, und lustig dio Pauornliodor klangen, dass dieWirfsstubo hallte und zitterte.... Zerrte man sie dann in das dunkle Sehlal'gemaeh und brachte si» zu Noehamah ins jiett, so lag sie mit geschlossenen Augen da, wartend, bis Neehamah einsehli >f. Dann vei'liess sie heimlich das Pott und stand mit nackten Füssen an der Tür, blickte durchs Schlüsselloch, durch einen Spalt in der Tin* oder der aufgestellten Wand, bis die Mutter kam und sie wieder l'ortriss. Da brannte ihr Leib wi> im Fi 'her, und Funken sprühten aus den Augen, also, dass dio Mutter erschreckt und ängstlich zu Jechiel Michel hinlief, ihm alles zu berichten. Joehiel seufzte und kam fortan von diesem Gedanken nicht mehr los: „Ob man nicht doch erst die .1 ü ngo i -c ve rhei ra te t V *' Aber es drängten wieder Schwierigkeiten und Hindernisse an, die niemand geahnt. Und schliesslich kam das Unglück. Der Gutsherr des Dorfes hatte ein°n Sohn. Es war sein einziges Kind. Er hatte ihn in Paris erziehen lassen, wie es bei vornehmen Leuten damals dio Sitte war. Niemand im Dorfe kannte ihn so eigentlich; selbst, wenn er einmal in den Ferien heimkam, war er kaum zu sehen, denn den ganzen Tag und selbst in der Nacht jagte er im Walde. Einmal aber traf es sich, dass er am Wirtshaus vorbeiritt. Es war ein glühend heisser Tag. Da sprang der junge Graf von seinem weissen Pferd, band es an den Zaun, stürmte in die Wirtsstube und verlangte ein Glas Meth. Jechiel Michel reichte es ihm, und seine Hand zitterte. Der junge Graf trank und schüttelte sich beim ersten Sehluck. Sein Vater hatte eine bessere Marke im Keller. Vielleicht hätte der Jüngling dem Schankwirt das Glas an den Kopf geworfen. Da fiel sein Blick plötzlich auf Malka, die j üngere Tochter des Pächters, die mit bleichem Gesicht und mit Augen, die wie verzaubert starrten, in einer Ecke der AVirtschal't sass. Gelassen stellte der Jüngling das Glas zur Seite, warf auf den Schenktisch einen harten Taler und sagte: ..Moische, (die Gutsherren nannten alle Juden damals Moische) ist das deine Tochter?" Da krampfte sich des Krügers Herz zusammen und er sagte: „Ja, das ist meine Tochter." Der junge Graf hörte nichts, denn seine Seele schien verloren in den seltsamen .Augen des Mädchens. . . . Nur mühsam l-iss er sich los. Aber des anderen Tages kam er wieder, um Meth zu trinken, und so auch den dritten und vierten Tag. Da wurden die Eltern besorgt, und sie verbargen das Mädchen. Der Jüngling kam wieder und wieder. Nervös zupfte er an s >in >m schwarzen Sehnurrbärtchcn, und seine Augen glühten. Schwer verhaltener Zorn! Er zitterte in seinen Worten, die nur gleichgültigen Dingen galten. Und einmal war es, da sagte er so nebenher, dass Jechiel Michel sehr wenig Pacht für das Wirtshaus zahlte, und dass ein paar Juden aus Prag grössere Angebote machten. Jechiel vvusstc, dass er Neider hatte. Aber der alte Graf hatte sie niemals auch nur auf seine Schwelle gelassen : Was macht es mir schliesslich aus? Sitzt der Jude da, sosoll er sich auch ernähren! Das war die Redeweise des Gutsherrn. . . . Nun aber wurde es Jechiel Michel gar unheimlich im Gemüt. Und seine Not wuchs und seine Angst schwoll IjETJTJX.