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Ost und West · 1911-11-01 · Heft 11 (November 1911) · p. Seite 959 - 960

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 11 (November 1911)
Article
Was sie uns "wert" sind
Date
1911-11-01
Page
Seite 959 - 960 (sequence 2)
Language
German
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959 Revue der Ereignisse. 960 schaftlichen Boykotts der schon getauften auf die noch nicht getauften .Inden kann doch unmöglich gross sein. L'nd es ist überflüssig, den formalen Schlussakt einer beklagenswerten Entwicklung zu bestrafen, wenn man diese selbst ruhig gewähren lässt. Es ist unangebracht, sich über die l'eberläiifer aufzuregen, wenn man die Verräter im Lager selbst verhätschelt. Es ist unpraktisch und seicht zugleich, nur die Neuchristen treffen zu wollen, aber um das Tun und Treiben der Nochjuden sich gar nicht zu kümmern. Denn gerade hier hätte gesellschaftliche Aechtung einen gewissen Sinn. Und wenn sie auch hie und da den oder jenen ganz herausscheuchte, so wäre solcher Verlust sicherlich leicht zu verschmerzen. Allerdings, getan ist auch damit nicht viel. Im Grunde handelt sich's da gar nicht um einzelne Sünder, — nicht um getaufte und nicht um ungetanfte, — sondern um eine Schuld der Gesamtheit. Solange diese von Tag zu Tag mehr jüdischen Lebensinhalt aufgibt, solange sie immer mehr und mehr den Rest eines jüdischen Lebensmilieus von den andringenden Forderungen der Zeit — so lautet doch das schöne Wort — zei'st ören lässt, solange darf sie sich über nichts wundern. Dann muss sich ja ein Zwielicht entwickeln, das zusammen mit den Miasmen des Protzentums eine ebenso ästhetisch als ethisch widerwärtige Volksschicht erzeugt. Und solange nicht Mittel gesucht und gefunden werden, um dieses Zwielicht wieder in das helle Tageslicht eines klaren und stolzen Judentums zu wandeln, — werden die ,,Weigheims'*' nicht aufhören, eine Quelle der Scham, des Ekels und der Ansteckung für uns zu sein. JAKOB OLASNER. Von Karl Bayer. Einige Stunden von Krakau entfernt, am Fusse der Hohen Tatra, liegt traumverloren ein kleines Dorf. Im Winter ist es in ein dichtes Schneegewand gehüllt, weite Strecken schlummern unter der weissen Hülle; die Dächer der Hütten und die Acste der Bäume sind bedeckt, die Bächlein sind gefroren und die Sonne lässt alles im Silberschein erglänzen. Vor einer Reihe von Jahren hat Professor Stanislawski von der Krakauer Akademie dieses Oertchen entdeckt und eine Künstlerkolonie dorthin verpflanzt. Seitdem zieht alljährlich zur Winterszeit eine Scharvon Malern nach Zakopane, oine Gilde der Schneemaler hat sich dort sesshaft gemacht und wandert mit der Star felei in die Wälderund auf die Borge. Einen K ünstler dieses Kreises haben unsere Leser bereits in AbrahamNcumann kennen gelernt (Jahrg. JAKOB GLASNER. Verschneites Dorf. Xach einem farbigen Holzschnitt. Xaclulniek verboten. 1909, Seite 605). Jakob Glasner gibt fast dieselben Motive — die Auswahl ist ja in dem kleinen Dorf nicht gross, und wir begegnen bei all den Zakopancrn Künstlern denselben Sujets —, doch sein Schaffen ist vielseitiger, da er neben der Malerei den Holzschnitt pflegt, neuerdings auch mit der Radiernadel einige Landschaften dargestellt hat, und gerade in diesen kleinen Blättchen unser Entzücken erregt. Ein starkes künstlerisches Empfinden und eine gute technische Schulung stehen ihm zur Verfügung, ehrliche Begeisterung und jugendlicher Eifer treiben ihn vorwärts. So entstanden die grossen. Gemälde [in schneller Folge, sie sind gerade durch ihre unmittelbare Frisch e so anziehend. Der kalte Hauch der Schneeluft, dasgraucWinterdämmern, die küble Sonneunddas Zerf Hessen des schmelzenden ' - .. 3 ■ ' ^Äi^i ■ ' ' >> •■ v-'->•••.. . . ~ .^Vvs-^' -- '}• :::r-^0^.]:\;;hf-£i:::^0r. "S^h BERLIN.

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