Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- Was sie uns "wert" sind
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 957 - 958 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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957 Revue der Ereignisse. CSS Was sie uns „wert" sind. Die Art, wie die Antisemiten den Fall Metternich- Wertheim für ihre Zwecke ausnützen, gibt uns das Recht, auf sie das neutestamentliche Gleichnis anzuwenden, class sie den Splitter im fremden, aber nicht den Balken im eigenen Auge sehen. Uebcr unsere „Wertheims" vergessen sie ganz ihre „Metternichs". In der Freude über das gefundene Fressen einer Judenhetze vergessen sie, ihre famose Methode der Verallgemeinerung auf den deutschen Adel, oder was ja eigentlich von ihrer Logik wegen noch schlüssiger wäre, auf das ganze deutsche Volk auszudehnen. Im übrigen ist diese antisemitische Vergesslichkeit eine Unsitte, an die wir uns zu gewöhnen wahrlich schon Gelegenheit genug hatten. Und es hat daher auch gar keinen Sinn, sich gerade diesmal wieder bei ihr aufzuhalten, beziehungsweise unsere jüdische Gesamtheit gegen die gewissenlosen und leichtsinnigen Anwürfe der antisemitischen Glaubens- und Rasseverwandten der „Metternichs" in Schutz zu nehmen. Höchstens genügt es, ohne weitere Umschweife herauszusagen, dass in dem schönen Verhältnisse zwischen ihrem „Balken" und nnserm „Splitter" dem ersteren zumindest die gleiche verführende Kraft zuzuschreiben ist, wie dem letzteren. Und dass unsere kleine, in Feindseligkeit und Spott eingebettete Gemeinschaft den sittlichen Schaden, dem sie durch die haltlosen „Metternichs" ausgesetzt ist, sicherlich weit schwerer tragen muss, als die grosse und mächtige Gemeinschaft der anderen den Abbruch, den ihr allenfalls unsere „Werlheims" tun. Je weniger wir aber Anlass haben, auf die Solidarisierung unserer Gemeinschaft mit den „Wertheims" einzugehen, desto mehr sollten wir die Gelegenheit benützen, festzustellen, was unsere „Wertheims" u n s „wert"' sind. Und wir dürfen uns die Sache nicht durch die Erinnerung leicht machen wollen, dass ja die im Prozesse Metternich so peinlich hervorgetretene Familie schon ganz oder fast ganz christlich geworden ist. Dazu ist ihre Taufe denn doch noch allzugogenwärtige Vergangenheit. Und das Messe zwischen den Täuflingen von gestern und den Täuflingen von morgen eine unstatthafte Betrachtungsgrenze ziehen. Tauf- und „W7ertheim"-Judentum bilden eine einheitliche Verfallserscheinung. Nun hat ja in der letzten Zeit eine Bewegung gegen die jüdischen Täuflinge eingesetzt. Aber es will uns scheinen, dass sie keine ausreichende Antwort auf die so dringende und peinliche innere Frage des Judentums ist. Die Rückwirkung einer Art gcsell- Nach einem farbigen Holzschnitt. — (Zum Artikel Jakob Glasner auf Seite 959/ÜGO.)