Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle an die Times, London
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 907 - 908 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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90.7 90'S MVW""""W/Z ^X MITTEILUNGEN m aosdcm Deutschen Bureau der m Alliance Jsraelite Universelle ma nr d^iv^Jl BERLIM.rN 2*+ *?K-ier Oranienöurgersrr.4?''^ DIE ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE AN DIE TIMES, LONDON. An cliiii Herausgeber der „Times" London. Paris , den 11. August 1911. Seilt' geehrter Herr! Ihr geschätztes Blatt bringt in seiner Ausgabe vom 9. August als Antwort aal' einen Brief des Herrn Dr. Gaster eine Mitteilung ihres Korrespondenten in Kons tan tinopol. Wir halten es für unsere Pflicht, einige der in dieser Korrespondenz angeführten Tatsachen richtig zu stellen, die von der Haltung der Israeliten in einem Gebiet handeln, in dein wir unsere erzieherische und zivilisatorische Tätigkeit ausüben. 1. Seit kinger Zeit ist bereits die Falschheit der gegen unsere Glaubensgenossen von Damaskus in beziig auf die dortigen Ereignisse im Jahre 1860 erhobenen Beschuldigungen festgestellt. Sie geht mit grösster Deutlichkeit aus folgendein Brief des Herrn Dr. Wetzstein, damaligem preussischen Konsul in Damaskus hervor, den dieser am 17. Oktober 1860 an Herrn Albert Cohn in Paris geschrieben hat und der in der Dezembernuminer 1860 des „Israelitischen Archiv" abgedruckt worden ist. Der Brief lautet: D a m askus, den 17. Okt. 1860. In Erwiderung Ihres heutigen Briefes, in dem Sie meine Meinung über das Verhalten der jüdischen Gemeinde während der Katastrophe im Christenviertel und über die gegen eine grosse Anzahl von Juden vorgebrachten Vorwürfe und Beschuldigungen erbitten, habe ich die Ehre, Ihnen folgende Auskunft zu geben: Jedermann weiss, dass das Judenviertel genau so bedroht gewesen ist, wie das Christenviertel, und niemand hatte die Uoborzeugung, dass die drusische und mohammedanische Waciie, der die Aufsicht über unser Viertel anvertraut gewesen war, tatsächlich die Macht und den guten Willen zu unserem Schutz besessen hatte. Deshalb hatte der grösstcTeil der Juden sich in die mohammedanischen Viertel geflüchtet und die übrigen hatten sich nicht aus ihren Häusern gewagt. Die Behauptung, dass die Juden von Damaskus sich an der Plünderung des Christenviertels beteiligt haben, ist folglich eben so lächerlich wie verleumderisch. Glücklicherweise ist die ganze christliche Bevölkerung über die Beschuldigungen entrüstet, denen Ihre Glaubensgenossen noch immer ausgesetzt sind. Es ist nicht bekannt geworden, dass ein einziger katholischer, protestantischer, armenische]', maronitische r oder syrischer Christ in der vorliegenden Frage irgend etwas gegen einen Juden vorgebracht hätte — alle Ankläger der .luden sind Griechen: und da die Personen, von denen die Beschuldigungen ausgehen, wohl bekannt sind, wird es nicht schwer sein, ihr Wirken zu unterbinden, dessen Motive nur Erpressung und Fanatismus sind. Genehmigen Sie, mein Herr usw. Di*. \V e t z s t e i n. Im übrigen war die Unschuld der Juden von Damaskus sehr bald bewiesen wurden. Alle diplomatischen Agenten, besonders Sir John Russell, wurden zu energischen Verteidigern der Juden, von denen kein einziger verurteilt wurde, im Gegensatz zu dem, was Ihr Korrespondent behauptet. Wir fügen noch hinzu, dass es zwei Juden waren, ein Franzose Adolph Cremioux und ein Engländer Sir Moses Montefiore, die als die ersten die Anregung zu einer Geldsammlung für die Christen in Syrien gegeben haben. Ihr geschätztes Blatt hat seinerzeit einen Brief von Sir Moses Monte fiore veröffentlicht, dessen Uebersefzung in der Augustnummer 1860 des in Paris erscheinenden „Univers Israelitc»" abgedruckt war und der lautet wie folgt: „Mit tiefster Betrübnis habe ich die gestern im Oberhause abgegebene Erklärung gelesen, dass in Folge der jüngsten Ereignisse in Syrien 20 000 Christen, Frauen und Kinder, unter den grössten Gefahren in den Bergen umherirren. Da ich die Natur jenes Landes und die Verhältnisse seiner Bewohner kenne, kann ich leider nur zu sehr den hohen Grad der Not beurteilen, die sie auszuhalten hatten und die noch fortbesteht. Ich glaube, dass die private Wohltätigkeit etwas tun kann, um das Elend der unglücklichen Meng« zu lindern, die jetzt ohne Obdach, ohne Verteidigung und ohne Lebensmittel geblieben ist. Ich kenne aus Erfahrung die Menschenliebe meiner Landsleute und ich glaube, dass das Publikum ohne Aufschub und mit Wohlwollen dem Vorschlag einer Sammlung von Geldern beistimmen wird, die in gerechter Weise an die unglücklichen Opfer der Verfolgung verteilt werden sollen. Ich schlage vor, ein aus wenigen Personen bestehendes, tätiges und einflussreiches Cornite zu bilden zu dem Zweck, Sammlungen zu veranstalten, sich mit dem englischen Generalkonsul in Beirut und mit den anderen Konsularbchörden in Syrien in Verbindung zu setzen, damit sofort durch Geldsendungen und durch Uebermittelung sonstiger Unterstützungen die erste Hilfe gebracht werden kann Ich nehme mir die Freiheit, für diesen Zweck meinen Beitrag von 200 Pfd. Stork beizufügen. Ihre beredte und gerechte Verteidigung-der Sache der Christen in Syrien hat mich zu diesem Brief