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Ost und West · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. Seite 861 - 862

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Die Pogrome in Süd-Wales
Date
1911-10-01
Page
Seite 861 - 862 (sequence 1)
Language
German
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861 862 DIE POGROME IN SUED -WALES. Ihre Ursachen und Wirkungen. (Von unserem Londoner Mitarbeiter.) Politische Beobachter haben schon vor längerer Zeit den langsamen aber sicheren Einzug des Antisemitismus in England als traurige Tatsache festgestellt. Sein erstes Lebenszeichen war die Alienbill, die leider von manchen führenden Juden selbst befürwortet wurde. Heute geben massgebende englische Politiker zu, dass sie hauptsächlich gegen die osteuropäischen Juden gerichtet war. Ein halbes Jahrzehnt blieb dann die antisemitische Bewegung stationär und erst nach dem Abschluss der anglo-russischen Entente, von der man sich gar eine Verbesserung der Lage der russischen Juden versprochen hatte, kam sie wieder rascher vorwärts .... Auch in Frankreich ist ja der Antisemitismus bald nach dem Abschluss der franko-russischen Allianz ausgebrochen. Die französischen Schriftsteller jener Zeit berichten in aller Naivität, wie russische Grosswürdenträger in den Pariser Salons, russische Militärs ihren französischen Kameraden und russische Diplomaten ihren französischen Kollegen das antisemitische Evangelium verkündeten und so lange „im Stillen wirkten", bis sie eine richtige antisemitische Epidemie hervorriefen. Bald darauf gab es die Dreyfussaffäre. ... Russland will eben nicht als das einzige Pogromland dastehen, es will seine eigene Pogrompolitik rechtfertigen und hat daher ein Interesse daran, Pogrome in anderen Ländern möglich zu machen. Ausserdem war gerade England bis heute der einzige und letzte Zufluchtsort der russischen Freiheitskämpfer. Russland aber liegt daran, die russischen Revolutionäre zu kompromittieren und ihnen ihre letzte Zufluchtsstätte zu nehmen. Darum lässt es in Europa verkünden, dass die meisten Revolutionäre Juden sind. . . . An einem kalten Dezembermorgen überfallen fünf russische ,,Revolutionäre" drei Londoner Polizisten in Hounsditch und knallen sie nieder. Natürlich mussten die Mörder „jüdische Revolutionäre" sein. Die naiven Engländer, die sich in Russlands Intriguen wenig auskennen, stellen das Gegenteil fest. Der Hospitalsarzt, ein englischer Christ, erklärt, dass der tot aufgefundene Mörder kein Jude, sondern ein slawischer Christ sei. Mittlerweile aber regt eine russische Dame der hohen Gesellschaft in den „Times" an, dass ,,England den jüdischen Revolutionären l. PILICHOWSKI. Nachdruck verboten. und Mördern aus Russland seine Tür verschliessen möge". Die ganze k onservative Presse nimmt von dieser Anregung Notiz und leitet eine Hetze gegen die russischen Juden ein, die eine wahre Pogronistimniung heraufbeschwört. Die Juden im East - End leben in Angst. . . . Wochenlang dauert diese Presshetze. Im Jahre 1906 veröffentlichten die ,,Humanite" und der ,,Cri de Paris" die Liste derjenigen Pariser Blätter, die von der russischen Regierung für das Verschweigen der Pogrome und für die Agitation für die russische Zwei-Milliardcn-Anleihe besoldet worden waren. Die Bildnis. PARIS.

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