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Ost und West · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. Seite 851 - 852

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten
Date
1911-10-01
Page
Seite 851 - 852 (sequence 5)
Language
German
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851 Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten. 852 übertragen. Ei- , änderte auch das Statu L der Chewra Kadischa in dem Sinne ab, dass nunmehr ihre Erträgnisse', auch für jüdische Wohltätigkeitszweekc verwendet werden d ü r f e n. * * * Zu den.neuen Semstwos im Westgebietc haben die Juden laut ausdrücklicher Bestimmung des neuen Gesetzes kein Wahlrecht.. * . * Im ersten Departement des Senats sind um 90 % Prozesse mehr als im Jahre 11*107. Die meisten betreffen das Wohnrecht und ungesetzliche Ausweisungen der Juden. * * * Die „Ica" (Jcwish Colonisation Association) wendete sich an das Ministerium um Hilfe gegen einen Auswandcrungsschwindler. Das Ministerium wandte sich an die in Betracht kommenden örtlichen Behörden. Der Gouverneur stellte eine Untersuchung an und berichtete an das "Ministerium, dass der Sachverhalt der Anzeige richtig sei, dass aber kein Anlass zum Einschreiten vorliege, weil die christliche Bevölkerung nicht geschädigt sein soll. Der Senat beruhigte sich bei dieser .Antwort. Der ,,Deutsche Klub" in Moskau, ein Jahrhundert alt, wurde geschlossen, weil er dem Befehl der Behörden, die jüdischen Mitglieder ausziischliessen (15 unter 700) nicht nachkam. * _,. * Der P o 1 i z e i m c i s t e r von Uralsk, I.iwkin, e r s c hoss z w e i J u d e n a u f d er Strass e , weil sie ihn wegen seiner fortgesetzten Bcstcchungs- Erpressungen angezeigt hatten. — Er befand sich zunächst in Haft gegenüber der Wohnung des einen Ermordeten. Die Bitte der Familie desselben, ihn von dort wegzubringen, damit sie ihn nicht immer sehen müsse, wurde abschlägig beschieden. * * * Die Polizei in Wilna verbot den Droschkenkutschern, vor dem jüdischen Theater Aufstellung zu nehmen, weil das Publikum dieses Theaters keine Droschken nötig habe. * * * In einer südrussischen Stadt peinigte ein Polizist im Revier einen jüdischen Knaben, Pctscherslu, solange, bis der Knabe starb. * * * In Schmerinka (Podolien) hat ein christlicher Schüler, den man aus dem Gymnasium ausschloss, aus Wut und Neid einen jüdischen Mitschüler, Hirsch Slobodiansky, erschossen. Christliche Kollegen des Mörders billigten die Tat. * * * Das Gendarmerie-Kommando in Proskurnw affichierte auf dem Bahnhof eine Verordnung, dass jüdische Nichtpassagicre, auch wenn sie Personenbillcts haben, den Perron nicht betreten dürfen. Zuwiderhandelnde werden verhaftet. Dein Isprawnik in Orgiejew (Bossarabien) wird gemeldet, dass ein Jude in seinem. Wagen durch das Dorf gefahren sei. Er erteilt darauf den Auftrag: „Bind ihn an den Kutschbock und bring ihn her!'' Aus dem Dorf Issakowska wird der Jude Sluhodskoj ausgewiesen. Er kommt zum 'Isprawnik mit den Dokumenten, die sein Wohnrecht erweisen. (Er hat den russisch-japanischen Krieg mitgemacht.) Der Isprawnik nimmt die Papiere und schickt ihn weg. Als er wiederkommt und die Dokumente verlangt, herrscht er ihn an, dass er ihm keine gegeben habe und'weist ihn mangels Dokumente aus. Der Chef des Bezirkes Pultusk Hess in den Synagogen bekannt machen, dass ihn fortan die jungen Juden, wenn sie ihm begegnen, zu grüssen haben. Zuwiderhandelnde würden mit siebentägigem Gefängnis bestraft. * * * Die neue Ausdehnung der Prozentnorm auf „Externe'"' gilt nicht für Juden schlechthin, sondern für „Personen jüdischer Abstammung", also auch Getaufte. ['eher Intervention des Vorstehers der Odessaer Baptistengemeinde wurde zwei Juden der Uebcrtritt zur Baptistensekte gestattet, aber nur unter der Bedingung, dass sie den in Russland für Juden'geltonden Hoschi'äi'ikiingen unterworfen bleiben sollen. * Frage des Ministers des Innern an den Senat : Haben getaufte Juden das Recht, ihren Yaternanien zu christianisieren? Der Senat beschloss, die Frage der Duma vorzulegen. (In Russland wird immer der Yater-Yornamen mitgebraucht.) * * Verordnung des heiligen Synod: Taufen von Juden dürfen nur im „Ansicdhmgsrayon" stattfinden. * * Getaufte Studenten sind nicht den christlichen gleichgestellt. Sie können sich erst ein Jahr nach der Taufe anmelden. * * * Projekt: Getaufte Juden gemessen bis zum vierten Geschlecht nicht die Rechte der Christen. * * * D e r französische G e n c r a 1 V a 1 a - b r e g u e , e in Jude, der z u m Chef d e s Ge ner a1s t abos hätte ernannt w cr d e n sollen, w u r d e nicht ernannt, weil die russische Regierung gegen seine Wahl Protest ein 1 cg-te. (Vergl. den Artikel ..Die Pogrome in Süd-Wales, ihre Ursachen und Wirkungen" in dieser Nummer.)

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