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Ost und West · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. Seite 835 - 836

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Genug der Versäumnisse
Date
1911-10-01
Page
Seite 835 - 836 (sequence 2)
Language
German
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835 Genug der Versäumnisse 836 3af)l!o5e anbere ökonomische Drangsalierungen legen sid) Ring on Ring um den Ceib öer russischen Jubenheit — ein panier, öer bem Opfer bie Briest einreift, ben Rais 3uschnürt, ben fitem raubt. €s ist bie wirtschaftliche Erbrosselung eines Volkes, wie sie roher unb wilbev ausgeführt bie Geschichte noch niemals sah- Gin ödstem schamlos ungeschminkter ober satanisch ausgetüftelter Gesetse unb Verorbnungen bient ba3U, bie jübische Jugenb aus ihrer Bilbur.gs» unb Lebensbahn 3U reissen. Rechnet man noch bie schuftigen Beschränkungen hm3u> benen bie schon in ben freien Berufen tätigen Juöen unter* worfen sinb, so h^55* oas: Der 5tol3 unb bie letzte ßoffnung ber russisd)en Jubenheit, ihre Intelligen3, steht vor ber fiusrottung! Unb kaum wagt sich bie 3itternbe frage über bie Cippen: Was bann? Von politischen Rechten ist haum nod) ein läd)erlid)er Rest vorhanben. fiber lasset nur erst bie Regierung einen ihrer finstersten piäne, an bem sie mit unheimlichem Sleisse arbeitet, verwirklichen: Die flusstossung ber Juben aus bem föeere .... Dann fällt bie let3te Rüd^sid)t, bann kommt bie let3te Sd)anbe, bann brechen Elenb unb Demoralisation in ihren äussersten Steigerungsformen herein .... fiber es kommt kaum mehr barauf an. Die schreckliche Tatsache, bass unsere sedjs (Dillionen Brüber in Russlanb von Tag 511 Tag mehr in ben oustanb von Rechtlosigkeit versinken unb nun schon \-)axi an ber Gren3e ber Vogelfreil)eit angelangt sinb, ist jebenfalls schon gegeben. Es ist in 90113 Russlanb keine amtliche Stelle mehr vorhanben, keine hohe unb keine niebrige, wo ber Jube nod) als Rechtssubjekt, selbst auf ber Basis seines beschränkten Rechtes, behanbelt wirb. Dicht in ber Sad)e unb nicht in ber Sorm. Cr mag arm ober reich, Privatmann sein ober irgenbwie bie jübische Gesamtheit ober bie jübische Religion als solche repräsentieren — immer steht er wie ein Gebranbmarkter vor bem (Dinister sowohl wie vor bem Schulmann, vor bem Gouverneur wie vor jebem beliebigen nichtjübischen (Ditbürger. ]eber barf mit ihm umspringen wie er will. Jeber barf ihn beleiöigen, verhöhnen. Jeber kann ihn 3U Grunbe richten unb jeber kann siel) aus Caune ober Gewinnsucht 311 seinem Schüler aufwerfen. (Dit jübisd)em Ceben, jübischer Ehre unb jübischem Gute wirb von h°hen un0 niebrigen Buben, von beredjnenben Cumpen unb müssigen Harren fangball gespielt. Die 3eiten bes (Dittelalters sinb wieber erstauben, Persien unö (Darokko ist uns auf europäischem Boben beschert. (Dit bem Unter» schiebe bloss, bass bamals unb bort bie Verfolgung unb Entrechtung berJuben im Hebengeschäfte betrieben würben unb werben, währenb sie in Russlanb, nach ben übereinstimmenben Berichten aller unmittelbaren Beobachter, 3iir F5auptbesd)äftigung ber Regierung, ber Verwaltung unb ber Bevölkerung geworben sinb. Es ist rein, als ob sich ber Geist aktiven unb passiven Verfolgungswahns an bie Staatsmasd)ine geset3t unb ein wilbes Wettrennen um ben l)ochsten Preis für Jubenpeinigung ins5eniert hatten. Hein, bas ist nid)t mehr bas alte Russlanb, vor bem wir uns fast mit Unrecht so sehr entset3ten, sonbern ein neues, jenes neue Russlanb, bas mit bem Pogrom anfing, nun mit ber organisierten 3ermalmung ber jübischen Existen3en fortset3t unb uns, weiss ber F5immel was, nod) bringen wirb, wenn wir uns nid)t enblid) aufraffen, seiner wilben Jagb uns entgegenwerfen, wenn wir nid)t enblid) unsere 5acl)e selbst in bie F5anb nehmen, um sie mit Energie unb Klugheit 311 führen. Ober kann jemanb 3weifeln, bass es unfere Sad)e ist? Unsere gerabeso wie ber unmittelbar Betroffenen selbst. 5d)on vom Stanbpunkt unseres eigensten Interesses. Wir sollten ja nachgerabe schon wissen, bass unsere ökonomisd)e unb so3iale Stellung in ben Cänöern bes Westens eine 5arte pflaii5e ist, bie ber äussersten 5d)onung bebarf unb bas ist öod) sicher, bass bie Beunrul)igung, bie von ben barbarischen Ereignissen im Osten unb ber aus ihnen resultierenben Wanberbewegung ausgeht, nichts weniger als 3uträglicl)e Schonung bebeutet. Wie soll ba bie 3arte pflan5e bestehen? Unb weiter: Wenn schon in Englanb Pogrome möglid) waren unb es englische Politiker geben kann, bie sie mit sichtlicher 3ufriebenl)eit begrüssten, — bann sollten wir bocl) biese Pogrome als bas erkennen, was sie sinb, als birekte Dachal)mungen bes russischen Beispiels unb sollten es nid)t met)r für unmöglich halten, bass auch bas neue russische Beispiel seine Oacl)al)mer im Westen finbet. Dann müssen wir unser altes Sid)erl)eitsgefühl, bas wir uns im letsten Jal)r-- hunbert so sel)r angewöhnten, ein wenig revibieren unb es uns wieber abgewöhnen. Dann bürfen wir nid)t auf bie grosse Stabilität ber Verhältnisse, in welchen wir leben, vertrauen, unb nid)t bie (Dad)t bes Beispiels ausser fid)t lassen- Wir müssen mit ber Tatsache rechnen,

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