Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1911)
- Article
- Eine Ritualmord-Beschuldigung in Kiew
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 797 - 798 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
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797 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten in Russland. 798 pellation ist die Krönung der aufrührerischen Tätigkeit der „Schwarzen Hundert". Sie treiben ihre aufreizende Propaganda bis auf die Tribüne der Duma. Ihr Zweck ist klar: da es in den letzten Jahren keine Pogrome gegeben hat und da es ihnen seitdem nicht gelingt, auf politischem Gebiet welche zustande zu bringen, müssen sie auf die alte Methode zurückgreifen: die Aufreizung der Massen durch die Ritualmord-Beschuldigung. Die Ankläger wissen, class die Anklage falsch ist, aber sie rechnen mit der Unwissenheit und der Dummheit der Massen. Gegen solche Beschuldigung kann man sicli nicht verteidigen, man kann nur alle Welt über die wirklichen Beweggründe aufklären, die dies leiten. Gegutschkori (Sozialdemokrat) erklärt im Namen seiner Fraktion, dass er aus folgenden Gründen für die Dringlichkeit stimmen werde: „Wenn man die Interpellation an eine Kommission verweist, so könnte man damit den Eindruck hervorrufen, dass die Angelegenheit einen unsicheren, dunklen Charakter habe. Das wollen wir vermeiden. Wir wissen, dass man schon seit mehreren Jahren bemüht ist, von dieser Tribüne herab in frecher Weise alles Reine und Hohe im russischen Leben zu beschmutzen. Heute aber kennt die Unverschämtheit dieser Herren keine Grenzen mehr. Nicht weniger charakteristisch ist die Haltung der Regierung, die wir bereits über ihre Beziehungen zum „Verband echt russischer Männer" interpelliert und deren Mitglieder wir als eine Horde von Plünderern und Mördern bezeichnet haben. Mit Verachtung und Entrüstung lehnen wir das neueste widerwärtige Produkt der Einbildung jener Leute ab!" B u 1 a t (im Namen der Arbeiterpartei): „Wir werden für die Dringlichkeit stimmen. Es ist notwendig, die Lüge und die verbrecherische Verleumdung sofort zurückzuweisen, mit der man immer wieder alle unterdrückten Völker bewirft/' Die persönliche Ueberzeugung des Redners geht dahin, dass der Mord an dem jungen Juschtschinski nicht ohne die Mitschuld jener Leute begangen wurde, die immer Anhänger des Meuchelmords gewesen sind. Mögen die Juden sich beruhigen, jene Herren sind nichts als Lügner und Verleumder! Mit einer Majorität von 108 Stimmen (Oktobristen, gemässigte Opposition, Kadetten, Mohammedaner und Progrossisten) wird die Ucberwoisung an eine Kommission beschlossen. Für die Dringlichkeit — aber aus verschiedenen Gründen — hatten neben der Rechten fast alle Nationalisten, die Sozialdemokraten, die Arbeiterpartei und die Polen gestimmt. Die Untersuchung hat inzwischen mit ziemlicher Sicherheit ergeben, class das Kind von zweien seiner nächsten Verwandten ermordet worden ist. DIE ISRAELITEN IN DER ASIATISCHEN TUERKEI. Die Katastrophe von 3Ieron. ~ In Meron, zwei Stunden von Safed, befindet sieb die Grabstätte des Rabbi Simeon ben Jochai, dem die Volksüberlieferung die Urheberschaft des berühmten kabbalistischen Werkes des S o h a r zuschreibt. Alljährlich pilgern am 18. Ijar, dem Todestage von Rabbi Simeon ben Jochai, viele Tausende nach Meron zu dem Grabe dos grossen Gelehrten. Eine grosse Illumination auf dem Dach der berühmten acht Meter hohen Grotte pflegt den Glanzpunkt der Feier zu bilden. Die Zeremonie, die in diesem Jahr am 16. Mai stattfand, hatte kaum begonnen, als das Steingeländer des Daches unter dem Druck der Menge nachgab und eine grosse Anzahl von Personen in die Tiefe stürzte. Elf Personen waren sofort tot; ungefähr clreissig wurden verwundet und wurden sofort nach Safed in das neue Hospital gebracht, das dort von der Baronin Edmond von Rothschild errichtet worden ist. Auf die Meldung von diesem Unglück hat das Central-Comite dem in Safed zusammengetretenen Hilfskomitee 1500 Francs zur Verteilung an die Familien der Verunglückten überwiesen. Das Scliuhverk der A. I. TT. Saloniki. Bei Gelegenheit der Reise, die Sultan Mehmed anfangs Juni nach Saloniki gemacht hat, hat der türkische Minister für den öffentlichen Unterricht die nach Moses Allatini genannte Knabenschule der Alliance besucht. Der Schuldirektor Benghiat schreibt uns darüber: „Bei der Ankunft des Sultans haben unsere Schüler mit den Schülern sämtlicher anderen Schulen Spalier gebildet. Sie sind in vorzüglicher Ordnung durch die Haupt Strassen der Stadt marschiert, an Nachdruck mit Quellcaangabe gestattet. ihrer Spitze das Musikkorps des Verbandes ehemaliger Schüler. Die Anzüge der kleinen Mädchen — weisse Kleider mit roten Schärpen und weisse und rote Hüte — sind besonders wohlgefällig bemerkt worden. Mit den Direktoren der türkischen Schulen bin auch ich Sr. Majestät vorgestellt worden. Der den Sultan auf seiner Reise begleitende Minister für den öffentlichen Unterricht, Exzellenz Abdul Rah man Esohref Boy, hat die Schule Moses Allatini besucht, in. der sich auch das Personal der übrigen Schulen zusammengefunden hatte. Der Minister sagte uns, dass er die Allianceschulen genau kenne, er wisse, dass si? ihren Schülern eine solide, moderne Erziehung gäben und verfolge den Fortschritt ihrer Institute mit grossem Interesse. Sie richten sich überall nach den Bedürfnissen der Bevölkerung und bilden eines der wesentlichsten Elemente für den Wiederaufbau des ottomanischen Reiches. Er gab dann der Hoffnung Ausdruck, class es bald keinen Türken ohne Schulbildung geben würde und meinte, class in 5—G Jahren dank unserer Schulen alle schulpflichtigen israelitischen Kinder in der Türkei eine vorzügliche Schulbildung erhalten würden. Der Minister wollte das ganze Gel not unserer Tätigkeit kennen lernen. Er hat uns lebhaft zu unseren Bemühungen beglückwünscht, gute Handwerker auszubilden, hat sich für alle Einzelheiten unseres Lehrlingswcrks und unserer Handwerkerschulen interessiert und bewunderte die Verbände der vormaligen Schüler und Schülerinnen. In den oberen Klassen hat der Minister sich in türkischer Sprache mit den grösseren Schülern unterhalten und sich von ihnen erzählen lassen, welchen Beruf sie nach absolviertem Schulbesuch zu ergreifen