Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1911)
- Article
- Der zehnte Zionistenkongress
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 707 - 708 (sequence 2)
- Language
- German
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707 Der zehnte Zionistenkongress. 70S gross bewogen; ein Ringen, bei dem die Grösse der Ziele die aus allen Gegenden der Erde zusammengeströmten Glieder der Versammlung bisher stets wieder zu der gleichen hellen Begeisterung entflammt hat." Hierauf gibt ein Antrag des Aktionscomites, der Kongress möge der türkischen Regierung anlässlich des Brandes Ivonstantinopcis das Beileid aussprechen und 5000 Francs für die Unglücklichen votieren, den Versammelten Gelegenheit, durch enthusiastische Zustimmung ihre Türkenfreundlichkeit zu manifestieren. Nord au auf der Rednertribüne. Frenetischer Applaus empfängt ihn. Man erwartet das Grosso von ihm. Er hat die Zionisten mit seiner Rede vom ersten Kongress verwöhnt. Immerhin verfügt er auch jetzt noch über rhetorische Machtmittel ersten Ranges. Sein wuchtiger Anfall auf jene Staaten, in denen der Jude vogelfrei ist, fällt auf. Er wählt die denkbar stärksten Ausdrücke. Noch mehr wirkt derselbe Akzent, gegen jene angeschlagen, die den Zionismus bei den Mächten, namentlich bei der Türkei verdächtigen: „Und nun gelangen wir zur empörendsten Tatsache in den heutigen Verhältnissen dos jüdischen Volkes: Juden sind es, die mit allen Mitteln der raffiniertesten Lüge, Verleumdung und Angeberei daran arbeiten, die massgebenden Kreise in der Türkei zur Feindseligkeit gegen uns aufzuhetzen; Juden sind es, die mit teuflischer Emsigkeit beflissen sind, das letzte Land, das noch für die Masseneinwanderung der verfolgten Juden in Betracht kommt, das erste Land, zu dem die Juden ihre Sehnsucht hinzieht, das eine Land, das durch die Geschichte, die Geographie, die Volkswirtschaft zu ihrer endgültigen Heimstätte vorbestimmt ist, ihnen unzugänglich zu machen. Der Beweggrund, der diese Brunnenvergifter zu ihrem feigen Verrat an ihrem Volke bestimmt, ist ihr fanatischer Hass gegen den Zionismus." Und auch Nordau bemüht sich mit klug gesetzten und doch wie Dogmen einfachen Worten die leitenden Kreise der Türkei von den guten Absichten, von der unbedingten Loyalität der Zionisten gegenüber dem ottomanischen Reiche zu überzeugen. Er verhehlt dabei nicht, dass man nun, wo das Misstrauen erregt ist, mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben werde. Aber er konstatiert mit grossem Nachdruck seinen Optimismus, seinen eigenen Glauben, dass alle diese Widerstände werden genommen werden. ,,Ich glaube keinen Augenblick lang an die Ewigkeit der Strenge der türkischen Regierung" ruft er aus und findet die allgemeine siegessichere Zustimmung der Versammelten. Am Nachmittage des ersten Kongresstages beginnen die Debatten über den gedruckt vorgelegten Bericht des Aktions-Comites und über das von Professor W a r b u r g dem Kongresse erstattete Palästina-Referat. Man ersieht aus der Debatte, dass es in der zionistischen Partei — wie das ja bei so grossen Parteien nicht anders möglich und im Grunde erfreulich ist —, versehiedentliche Strömungen und Gegenströmungen und mannigfache Kritik gibt. Herrn Adolf Böhms (Wien) Oppositionsrede wird besonders dadurch wirksam, dass sie weniger rügt, als die eigenen Anschauungen propagiert. Der Zionismus soll nicht Partei bleiben, sondern „als geistige und moralische Macht" aufgerichtet werden. Dieses Motiv kehrt in der Debatte mehrmals wieder. Die Forderung nach Vertiefung erheben Herr Di'. P asm a n i k , ebenso wie Herr Dr. Zollschan in seinem dem Kongresse vorgetragenen Berichte über den londoner Rassenkongress, an dem er als Mitglied der dreigliedrigen Vertretung der zionistischen Partei teilgenommen hat. Im übrigen macht sich gerade Dr. Zollschan zum Sprachrohr einer neuen Strömung innerhalb des Zionismus, die die Verständigung mit den derzeitigen Gegnern zwecks gemeinsamer Arbeit verlangt. Hierin weicht er von Böhm und Genossen ab, die ihrerseits durchaus „keinen Frieden mit der Assimilation" haben wollen. MM Der X. Zionisten-Kongress zu Basel. Gruppenbild der englischen Landsmannschaft. Darunter: 1) der Lord-Mayor von Brailford. Herr Moser, 2) der bekannte Londoner Anwalt, Herr Herbert Bentwich und 3) der Liverpooler Habbiner, Herr S. ]{ abbinovich.]