Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Die jüdische Abteilung in der internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 531 - 532 (sequence 1)
- Language
- German
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531 532 DIE JUEDISCHE ABTEILUNO IN DER INTERNATIONALEN HYGIENE-AUSSTELLUNO IN DRESDEN. Von Dr. Bamberg er, Scliünlanke. Nachdruck verbotet!. „Jüdische Sitte und Leistung ist selbst bei vorgeschrittenen Nationen ein missgünstig angesehenes, ein teilnahmlos bei Seite geschobenes, nicht gekannt von Unterrichteten, der Menge gleichgültig", klagt Zunz im Jahre 1864. (Die hebräischen Handschriften in Italien, ein Mahnruf des Rechts und der Wissenschaft.) Seit jener Zeit ist es noch nicht viel besser geworden, noch immer gilt jüdische Sitte und jüdische Wissetschaft den christlichen Yertretern der Wissenschaft — und leider auch vielen Jaden — als eine irrelevante Grösse, als ein Faktor, mit dem man nicht zu rechnen braucht! Und dennoch gibt es kein Gebiet JULIUS OBST. BERLIN. Kopf einer Frau aus dem Volke. (Zum Artike' r,Julius Obst" Seite 020,030.) menschlichen Wissens, das in der jüdischen Wissenschaft nicht vertreten wäre. Wir freuen uns deshalb und betrachten es als ein Zeichen der dämmernden Morgenröte, dass die Leitung der historischen Abteilung der Hygiene-Ausätellung in Dresden die Bedeutung des Judentums richtig erkannte und bei dem Anbeginne der Vorarbeiten der Hygiene-Ausstellung im November 1909 sich an Herrn Rabbiner Dr. Giunwald in Wien wandte, um ihn für die Uebernahme der Leitung der jüdischen Abteilung der' Hygiene-Ausstellung zu gewinnen. Herr Dr. Grunwaid, der von dieser Ausstellung — mit Recht — einen Kiddusch haschem erwartete, erklärte sofort seine Bereitwilligkeit zur Uebernahme dieser mühevoUen Aufgäbe. . Nieht überall fand Grunwaid für die Bedeutung eines solchen Unternehmens genügend .' Verständnis: Und es ist Pflicht zu betonen, dass es zum grössten Teil der Wiener jüdischen Kultusgemeinde zum Verdienst gereicht, dass die Durchführung des Vorhabens möglich wurde, infolge des Kredit bis zu 4000 Kronen, den sie Herrn Dr. Grunwaid eröffnete. Gerne hätten wir es gesehen, wenn ein eigner Aussteliungspavillon die jüdischen Gegenstände aufgenommen hätte (eine alte Holzsynagoge sollte dafür erworben werden), doch musste davon Abstand genommen werden, da die finanzielle Unterstützung sehr zu wünschen Hess. Um so mehr muss es unser Staunen erregen, dass die jüdische Abteilung, dank Grunwalds Bemühung, in geradezu grossartiger Vielseitigkeit sich repräsentiert. Die jüdische Abteilung musste in zwei Gruppen geteilt werden, die eine ist aufgestellt im assyrisch-ägyptischen Raum, die andere im Raum Hygiene: des Mittelalters. Eine Ausstellung judischer Hygiene aus dem Alterturn gibt der Ausstellungskatalog — in dessen Korrekturbogen ich, dank der Liebenswürdigkeit des Herrn Professors Dr. Sudhoff, vor dem Erscheinen des Katalogs Einblick nehmen durfte — zu, bietet schon deshalb grosse Schwierigkeiten der Darstellbarkeit, ,,denn es existieren keine bildlichen und plasrischen Reste vergangener Zeiten wie bei anderen Völkern, die an hygienischen Massnahmen und Gepflogenheiten lange Dicht so reich gewesen sind." Dem Dichterworte entsprechend „Willst den Dichter du verstehen, musst in des Dichters Land du gehen", führt uns die jüdische historische Gruppe in das Land der Bibel, zeigt uns vorzügliche Plä»e der heiligen Stadt und des heiligen Tempels, einen Situationsplan des Tempelberges, der Stadt Tiberias u. a. Treffliche Modelle machen uns mit den Wasser Versorgungsanlagen in Jerusalem bekannt. Es erscheinen neben dem Modell der noch jetzt in Palästina gebräuchlichen Zisterne Modelle der alten vou Salomo angelegten Wasserleitung mit den drei Teichen, den Zuleitungen, den Sammelbassins, Tunnels und Schleusenanlagen. Vorhanden ist auch der Silohkanal, die Siloahschlucht mit der alten Wasserleitung. Auch die Siloahinschrifr in der Ungnad'schen Uebersetzung ist vorhanden. Mit den Wohnunesverhältnissen unserer Ahnen in der frühesten Zeit macht uns ein vom Palästinaverein gestelltes ZelG bekannt. Ein einfaches llolzgerü^t, über-