Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Die zehnte ordentliche Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 455 - 456 (sequence 2)
- Language
- German
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455 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die zehnte ordentliche Tagung der D. C. G. etc. 456 Der Vorsitzende erteilt das Wort dem Geschäftsführer Herrn Rechtsanwalt Apfel zu einem kurzen Bericht, in dem Herr Dr. Apfel ausführt, dass nach dem Ausgleich der zwischen Paris und Berlin im vergangenen Jahr in bezug auf das Bestehen der D.C.Gr, stattgehabten Differenzen die Propaganda für das Weik der Alliance mit Erfolg wieder aufgenommen und viele neue Mitglieder geworben werden konnten. Er verbreitet sich dann über die zwischen Paris und Berlin in befriedigender Weise zu Ende geführten Verhandlungen über den Etat für 1911. Er spricht leiner über die Vorbereitung zu den Wahlen und betont, dass es erfreulicherweise gelungen sei, Kandidaten zu finden, die sich bereit erklärt haben, in opferwilliger Weise regelmässig zu den wichtigen Sitzungen des Central- Comites nach Paris zu fahren. Herr Geheimrat Prof. Dr. Landau ergreift hierauf das Wort zu einem Referat über die Wahlangelegenheit, in dem er folgendes ausführt: Der Bericht, den ich Ihnen über die Wahlangelegenheit und die hierüber geführten Verhandlungen mit Paris zu erstatten habe, ist leider ein wenig erfreulicher. Aus den Ihnen zugesandten Schriftstücken werden Sie, meine Herren Kollegen in der D. C. G., das Wesentliche erfahren haben. Ich möchte mir jedoch gestatten, tür die Vertreter der abwesenden D. C. G. - Mitglieder, für die Vorsitzenden der auswärtigen Lokal- Comites, sowie für die Mitglieder des Berliner Lokal- Comites, die hier anwesend sind und vorher nicht über die uns beschäftigenden Vorgänge unterrichtet werden konnten, den Tatbestand kurz zu rekapitulieren. Nach einem mühselig zustande gekommenen Frieden zwischen der D. C. G. und dem C C. in Paris hat Paris endlich die seit 1905 Statuten widrig unterbliebenen Wahlen zum C. C. ausgeschrieben und zunächst vorgeschlagen, ausser der Erneueiung des Mandats der inzwischen kooptierten Mitglieder des C. C. nur ein Drittel der Mitglieder am 4. Juni d. J. neu zu wählen. Auf dieses Schreiben erwiderte der Vorsitzende der D. C. G. Herr Justizrat Fuchs unter dem 15. März nach schriftlich eingeholter Genehmigung der D. C. G., dass wir mit der Festsetzung des Wahltermins auf den 4. Juai einverstanden seien, jedoch wünschten, dass auch das zweite statutengemäß 1911 ausscheidende Drittel gleich mitgewählt werde, und dass für die verstorbenen und aasgetretenen deutschen Mitglieder eine Neuwahl stattfinden solle. Herr Justizrat Fuchs machte schon in diesem Schreiben das C. C. darauf aufmerksam, dass vom Berliner Lokal-Comite eine Reihe anderer auf der Pariser Liste nicht verzeichnete Persönlichkeiten vorgeschlasen seien, die wir gern zur Wahl für das C. C. stellen würden. Obwohl sich die Mitglieder der D. C. G. in überaus grosser Majorität mit dem Vorschlag des Herrn Justurat Fuchs einverstanden erklärt hatten, wurde dieser Vorschlag in einem Schreiben vom 17. März von Paris abgelehnt. Um nun den Frieden zu erhalten, glaubten wir, auf die Forderung, auch das zweite ausscheidende Drittel mit zur Wahl zu stellen, vorläufig verzichten zu dürfen, nicht aber auch darauf, dass für die verstorbenen und ausgetretenen Mitglieder Neuwahlen vorgenommen werden sollten, weil dieses eine unberechtigte Zurücksetzung der nach vielen Tausenden zählenden Mitgliederschaft der A. I. TJ. in Deutschland bedeuten würde. Diesen unseren Standpunkt machten wir in einem Schreiben vom 22. März der Leitung des C. C. in Paris klar. Obwohl nun dieses Schreiben direkt an den Präsidenten Herrn Leven gerichtet war, erhielten wir nicht von dem Herrn Präsidenten, sondern von dem Sekretär HerrnBigart die vom 26.März datierteMitteilung,dass das C. C. von neuen Kandidaten abzusehen wünsche und die bisherigen Mitglieder wiederzuwählen vorschlage. Bisher war von Paris aus stets nur von der Wahl eines Drittels gesprochen worden. Beiläufig gab uns der Herr Sekretär zu verstehen, dass bereits von anderer Seite deutsche Kandidaten vorgeschlagen worden seien. Auf dieses Schreiben erwiderten wir unter dem 31. März ebenfalls mit Zustimmung der grossen Majorität der D. C. G., dass wir im Gegensatz zum C. C. in Paris es nicht für zweckmässig erachten, von neuen Kandidaten abzusehen. Wir fügten noch hinzu, dass wir es mit Freuden begrüssen würden, wenn wir mit dem C. C. in Paris eine gemeinsame Kandidatenliste aufstellen könnten, und dass wir uns jedenfalls gestatten möchten, in gleicher Weise, wie es das C. C. in Paris getan, unsere deutschen Kandidaten zu präsentieren. Gleichzeitig stellten wir noch einmal die Forderung, für die verstorbenen und ausgetretenen Mitglieder Ersatz vornehmen zu lassen und baten telegraphisch, die Aufstellung der endgültigen Kandidatenliste zu verschieben, bis eine Einigung erzielt worden sei. Auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt mit dem Hinweis darauf, dass wegen des nahe bevorstehenden Wahltermins keine Zeit zu einer Verständigung über neue Kandidaten geblieben wäre, und dass die noch zur Verfügung stehende Zeit zur Verbreitung der Wahllisten unter sämtlichen Lokal-Comites der Alliance in allen Erdteilen bis nach Bagdad, Curacao und Schanghai nötig sei. Die Vorschläge betreffs einer Ersatzwahl für verstorbene bezw. ausgetretene Mitglieder sollteu erst bei der Vornahme einer Wiederwahl des 191L ausscheidenden Drittels in Erwägung gezogen werden. Erst später in einem Schreiben vom 6. April erklärten sich die Pariser mit unserem Vorschlag einverstanden, jedoch mit dem Bemerken, dass sie die von ihnen vorher benannten deutschen Kandidaten von uns auf die Liste gesetzt zu sehen wünschen. Noch immer gaben wir die Versuche, uns mit Paris zu verständigen, nicht auf und sprachen, da jetzt nur noch eine Verschiebung des Wahltermins am ehesten eine Verständigung über eine gemeinsame Kandidatenliste ermöglichen konnte, am 2. April die Bitte aus, zu diesem Zweck den Termin evtl. auf Oktober dieses Jahres zuverlegen. Auch diese Bitte wurde rundweg telegraphisch am 6. April abgelehnt.