Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Jüdische Kunst in Palästina
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 451 - 452 (sequence 4)
- Language
- German
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451 Adolf Friedemann: Jüdische Kirnst in Palästina. 452 heute Beachtung finden. Im Tempel zu Jerusalem waren die Tore so mächtig und schwer, dass mehrere Männer erforderlich waren, um sie bewegen zu können. Sehr glücklich sind diese Gesichtspunkte bei dem Bau des „hebräischen Gymnasiums'' in Jaffa verwendet worden, dessen Entwurf ein Bezalelschüler, J. Barsky, hergestellt hat. Die Gliederung des langgestreckten Gebäudes wirkt vorzüglich. Den grossen Mitteleingang flankieren nach altorientalischer Bauart mächtige Pylonen, und auch an den Seitenflügeln sind diese architektonisch verwendet. Die Zinncnbekrönung ist aus dem Arabischen entnommen, ebenso wie die Mittelkuppel. Trotz dieser sehr eigenartig wirkenden Stilelemente zeigt das Gebäude dem Beschauer sofort den modernen, allen schulhygienischen Erfordernissen angepassten Charakter. Auch der Entwurf des Regierungsbaumeisters Baerwald für das Polytechnikum in Haifa ist ein glücklicher, vom Ströhen nach Stilbesonderheit getragener, doch wirken, wenigstens auf der Zeichnung, die vielen kleinen Fenster in der langgestreckten Fassade ein wenig nüchtern. Auch hätte vielleicht das Mittelstück mit der Kuppel etwas herausgehoben und so mehr Raum für monumentalere Eingänge geschaffen werden können. Jedenfalls bilden beide Bauten vielversprechende Anfänge eines eigenen Stils, und sie werden nach ihrer Vollendung Zierden des Landes sein. Schwerer, als bei den grossen öffentlichen Bauten, für die es an Geld und Raum nicht mangelt, stellt sich natürlich das Problem bei kleinen städtischen und ländlichen Bauten. Hier hat sich der Berliner Baumeister Eliasberg der ebenso lohnenden wie schwierigen Aufgabe unterzogen, .Musterentwürfe herzustellen, und sehr Schönas geleistet. Das Einfamilienhaus besteht aus zwei Zimmern und vorgelegter Veranda, Küche und .Xoboneelass. Die Zimmer und die nach der Veranda führende Treppe sind durch den Vorraum zugänglich, unter der Treppe liegen die Keller. Links vom Eingang befindet sich eine Nische mit Ruhebank. Das Zweifamilienhaus zeigt die doppelte Anzahl der Räume. Als Ilerstelhingsmaterial dient ortsüblicher Stein, nur einzelne Teile des Hauses sind der lebhafteren Wirkung wegen vorputzt. Die Aussenmauern haben eine Stärke von 'iii cm. um die Zimmer kühl zu erhalten. Die flache Terrasse ist zementiert. Der Fussboden des Erdgeschosses besteht aus Kiefernholz, der des Kellers ist gepflastert. Der Innenputz zeigt leicht getönte, glatte Flächen mit einfachen Hohlkehlen als Uebergang zur Decke. In der Küche ist ein Herd vorgesehen, sonst aber sind die Häuser ohne Heizanlage. Der Herstellungspreis ist ein sehr massiger. Aus solchen Bauten, oder ähnlichen, sollten unsere Kolonien und die Stadtviertel, die jetzt in Jaffa, Jerusalem, Haifa von Häuserbaugesellschaften errichtet werden, bestehen. Jedes Haus müsste einen Wirgarten haben und die Schulen sollten auf die Kinder einwirken, damit sie ihn pflegen, gemeinsam mit den Kolonistenfrauen dort Blumen ziehen, damit die Familie sich gewöhnt, dort den Abendfrieden zu gemessen. Die Landstrassen sollten mit Bäumen bepflanzt, öffentliche Gärten in den Städten angelegt werden. Heute ist ja der Boden noch billig und bei der Fruchtbarkeit des Landes gedeiht alles ohne viel Mühe. Schon heute ist der Erholungsgarten von Sichron Jacob eine Sehenswürdigkeit. Kurz, die [Behaglichkeit und Schönheit des Daseins muss mehr als bisher in die Erscheinung treten. Dann werden die Kolonisten in ganz anderer Weise als bisher mit dorn Lande verwachsen, die Scholle liehen und ihre Söhne und Töchter werden nicht anders, als aus dringendsten Gründen das Land verlassen. Sio -werden mit dem wachsenden Natursinn auch die Tiere mehr als bisher verstehen und schätzen, ihre Zucht und Pflege erlernen, woran es heute noch sehr mangelt. Ein wirkliches Heiniatsgofühl wird erwachen — die seelische Grundlage* auch für wirtschaftlichen Fortschritt und materielles Gedeihen des Bauernstandes. Die kulturelle Arbeit im Orient darf sich nicht nur auf die Pflege der hebräischen Sprache beschränken, hu Aeussern wie im Innern muss unseren vorsprengten Kolonien eine Eigenart bleiben, die sie befähigt, sich als Einheit zu fühlen, als vorgeschobenen Posten auf dem Wege friedlicher kultureller Eroberung der Wildnis. Und der Bezalel wird sich einen dauernden und lohnenden Wirkungskreis sichern, wenn er Entwürfe zu Bauten. Plätzen. Brunnen, öffentlichen Gärten herstellt. Möbel. Gebrauchsgegenstände aller Art in charakteristischen Formen schafft. F> wird so nicht nur seinen Schülern und einem kleinen kunstgewerblichen Kreise, sundern dem ganzen Werke! der Kolonisation »'inen unschätzbaren Dienst leisten. Das Hebräische Gymnasium in Jaffa. Entwurf: .T. Bnrsky (Bczalol).