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Ost und West · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 409 - 410

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Der Strich
Date
1911-05-01
Page
Seite 409 - 410 (sequence 3)
Language
German
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Paul Barchan: Der Strich (Tschertä). 410 ST. BENDER. Die Obdachlosen. MUEXCIIEN. Auch Gerschnny, mein grösstor Feind weiland auf Erden, und hinter ihnen tausende und abertausende junge, flackernde Geister, die Sie, Pjotr Arkad je witsch, etwas sohl' voreilig nach oben transportiert, und lauschen den Gesprächen. Und oft setzt sich zu uns der grosso Lew Nikolajcwitseh. Wir sind uns noch nicht einig, wie unser armes Russland gerettet und geführt werden kann. Aber in einem sind wir uns alle einig: es darf nicht nach fremden Mustern geschehen. Weder unsere jetzige Regicrungsart, die von den Deutschen herübergekommen und bei uns verhunzt wurde, noch was die Burschen da wollen, was sie da aus englischen Lehrbüchern herausgelesen haben. Wie es aber, für unser Russland, gemacht worden muss, das wissen wir noch nicht, aber ich glaube, dieser alte Lew Nikolajewitsch, mit seinem Rabbinerkopf und seinem jüdischen Geist, ist der Wahrheit am nächsten. Aber das eine wissen wir alle genau: Nicht mit Strichen und nicht mit Stricken wird es gemacht. Das merken Sie sich, mein lieber Pjotr Arkadjcwitsch, so lange Sic noch hier sitzen dürfen und ihre Gliedmassen beisammen haben. Denn, glauben Sie mir, ich bin nicht sentimental, aber es war mir höchst unangenehm, vor Talleyrand, Macbiavclli, Metternich und die andern Meister so zu treten, in meiner jetzigen Fasson, höchst unangenehm. So. Und nun Adieu, meine Freunds1 warten. Hoffentlich sehen wir uns nicht bald wieder, Pjotr Arkadjcwitsch STANISLAW BENDER. Von Karl Schwarz. Unter der grossen Zahl jüdischer Künstler berasst sich der kleinste Teil auch mit jüdischen Sujets. Eine kleine Schar nur ist es, mit deren Namen die Darstellung von Charakterköpfen alter Juden oder von Szenen aus deren Leben verknüpft ist. So z. B. denkt wohl jeder bei dem Namen Hermann Struck zuerst an dessen ergreifende Köpfe alter polnischer Juden, wenngleich sich das oeuvre des Künstlers zum weitaus grössten Teil aus Landschaften zusammensetzt. Aber Struck ist nun einmal der Judendarsteller par ex- Xiiclulruek verboten. ceilence, da er in diesen Blättern die Innerlichkeit, das Leiden und Sehnen unseres A'olkes wiedergibt wie kaum ein zweiter. Der früh verstorbene Hirszenberg hat sich mit seinem Golusbildc und anderen Werken einen unvergänglichen Namen geschaffen; sein Schwager Glicenstem ist neben Antokolski der plastische Darsteller jüdischen Geistes. Leopold Pilichowski, J. Kaufmann, M. Göttlich wären die nächsten in dieser Reihe, auch Pasternak und Wolmark u. a. m. haben jüdische Szenen dargestellt.

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