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Ost und West · 1911-04-01 · Heft 4 (April 1911) · p. Seite 361 - 362

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 4 (April 1911)
Article
Die Israeliten in Persien
Date
1911-04-01
Page
Seite 361 - 362 (sequence 1)
Language
German
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SV\\yv..........'"HlffFk Vv MITTEILUNGEN ™ DIE ISRAELITEN IN PERSIEN. AllianceJuaelile Universelle ^»IBT Oranienburgersrr.4?^ Wie unsere Leser wissen, macht die Provinz Favs von allen Gegenden Persiens der Centrairegierung am meisten zu schaffen. Hier ist es ganz besonders schwierig, ihre Autorität aufrecht zu erhalten und die Sicherheit der verschiedenen Elemente der Bevölkerung zu garantieren. Im bedeutendsten Mittelpunkt dieses Bezirks, in der Stadt Schiras, haben Intrigen und Gegensätze aller Art den weitesten Spielraum, ohne dass die Vertreter der Staatsbehörden die Unregelmässigkeiten wirksam unterdrücken könnten. Die Begehrlichkeit dar feindlichen Stämme und fanatischer Priester lässt sich schwer zügeln, die Aufreizungen zu Mord und Plünderung nicht vollständig bekämpfen. Die Israeliten haben stets am schwersten unter diesem Unfrieden zu leiden gehabt, sie waren immer das den Leidenschaften und der Gier der Menge hingeworfene Opfer. Vor einigen Monaten ist ein Hilfslehrer der Alliance am hellen Tag und auf offener Strasse von einem jungen Priester ermordet worden. Dank der energischen von den Vertretern der fremden Mächte bei der persischen Regierung gemachten Vorstellungen ist der Familie des Opfers wenigstens eine materielle Entschädigung zugebilligt worden und es wurden strenge Anordnungen getroffen, nach denen die Sicherheit des Lebens der Juden genau so sorgfältig geschützt werden muss, wie das der anderen persischen Untertanen. Im Oktober liess der Polizeidirektor von Schiras folgende Bekanntmachung an die Tore der Moscheen und der öffentlichen Gebäude anschlagen: ..Da die Polizeiverwaltung den Hauptzweck verfolgt' die allgemeine Ruhe und Sicherheit zu verbürgen, da andererseits die Juden von jeher und noch jetzt unter dem Schutz und Schirm des Islam stehen. tun wir hiermit den Juden kund, dass sie sich in aller Sicherheit als von der Polizei beschützte Untertanen betrachten sollen. Wenn jemand ihnen Unannehmlichkeiten zufügt, sie misshandelt oder verbrecherisch bedroht, *o sollen sie die Polizei benachrichtigen, damit der Schuldige verhaftet und nach den Gesetzen der Verfassung und des ..Scheri" bestraft werden kann. Die Polizei ist immer sehr eifrig bemüht gewesen, die Ruhe der Juden zu sichern: sie dürfen deshalb in vollem Vertrauen und voller Hoffnung wieder ihren Gechäften nachgehen.'5 Der Polizeidirektor (gez.) Ibrahim Monchi Zadeh. In Ergänzung seines Berichtes vom 31. Oktober 1910 (s. Januarheft von , Ostu. West") meldet unser Schulleiter, Herr Natal noch folgende Einzelheiten über die Lage in Schiras: Dienstag, 1. November. Die Verzweiflung unserer unglücklichen Glaubensgenossen nimmt in dem Masse zu, in dem sie aus ihrer Betäubung erwachen und sich ein Bild von der grossen Ausdehnung ihres Unglücks machen können. Im Mehalla spielen sich herzzerreissende Szenen ab. Ich werde von Bittgesuchen bestürmt und weiss nicht, wo mir der Kopf steht. Das Brot, das mir zur Verfügung gestellt wird, reicht für den Augenblick. Es fehlt aber an Decken und Kleidung, an Heizmaterial und dem notwendigsten Hausgerät. Es ist Herbst Nachdruck mit Quellenangabe gestattet, und die Nächte sind sehr kalt. Wie sollen die Unglücklichen ein Unterkommen in den Zimmern finden, die keine Tür und kein Fenster mehr haben und die allen Stürmen offen stehen! Mit welchen Worten soll man die armen Mütter beruhigen, die keinen Tropfen Milch für ihre Säuglinge haben, und den Familienvätern Geduld predigen, wenn ihre Kinder vor Hunger weinen und vor Frost zittern! Auf meine Bitte hat Herr Smart einen energischen Brief an Kawam geschrieben und ihm dargelegt, dass die Behörden für die traurigen Ereignisse verantwortlich sind und deshalb auch die Pflicht haben, sofort die erforderlichen Decken für die unglücklichen Opfer des vorgestrigen Tages zu liefern; Tischler und Maurer zum Reparieren der verwüsteten Häuser zu schicken und die Trümmerhaufen fortschaffen zu lassen, die die Strassen des Mehalla versperren — alles dies, ohne der Entschädigung vorzugreifen, die die Regierung der Gemeinde zu zahlen haben wird. Unglücklicherweise ist weder von den Ortsbehörden noch von der Regierung viel zu erhoffen, denn sie verfügen über gar keine Geldmittel. Heute nachmittag hat beim Kargusar (der mohammedanische Gouverneur des Judenviertels) die konstituierende Sitzung des Comitfs stattgefunden, das in der Stadt eine Kollekte zugunsten der betroffenen Juden veranstalten will. Die Teilnehmer dieser Sitzung waren: Kawam Nasr-ed- Dowlet. der englische Konsul, der Kargusar, die Direktoren der kaiserlichen Bank und der Fars-Handels-Gesellschaft, der Geschäftsführer der Brüder Kawam, der Vizepräsident des Bezirksrats des Fars und ich. Eine aus fünf Personen gebildete Kommission wurde mit der Sammlung der Beiträge beauftragt. Ueber sechstausend Francs wurden sofort gezeichnet. Der englische Konsul und der französische Konsularagent haben sich heute abend noch an ihre Gesandtschaften nach Teheran telegraphisch mit der Bitte gewendet, bei der persischen Regierung die nötigen Schritte zu tun, damit den Opfern ein erheblicher Schadenersatz geleistet werde. Der Konsularagent hat ausserdem noch dem französischen Konsul in Buschir eine Depesche geschickt und ihn gebeten, wenn möglich auch in dieser Stadt eine Sammlung zu eröffnen. Mittwoch, den 2. November 1910. In Eile beende ich diesen Brief, damit er noch mit der Abendpost abgehen kann. Die Lage wird immer beängstigender, die Hilfsgesuche immer dringender. Kawam hat mir mitteilen lassen, dass er von morgen ab keine Brotverteilungen mehr vornehmen werde. Er rechnet wahrscheinlich bereits auf das Ergebnis der hiesigen Geldsammhmg, obgleich es doch Sache der Behörden wäre, den unglücklichen Opfern ihrer Untätigkeit und ihrer Unzulänglichkeit beizustehen. Herr Smart hat ihm gleich geschrieben, er möchte doch die Brote weiter verteilen lassen, wenigstens an die am härtesten betroffenen Familien. Bevor ich den Brief schliesse. muss ich noch einmal den Avertvollen Beistand rühmen, den mir Herr Smart bei diesem traurigen Anlass geleistet hat. Sein guter Wille stösst leider bei den hiesigen Behörden auf Gleichgültigkeit,. Ungefälligkeit und Aengstlichkeit. Gestern und vorgestern schienen sie bereit, einige der Schuldigen zu verhaften,.

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