Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 4 (April 1911)
- Article
- Der Tod des Propheten
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 357 - 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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357 Berthold Feiwel: Der Tod des Propheten. 358 €in falscher Rönig ist er und ein falscher Prophet! Unö oie ODänner werben U>re Can3en gegen öid) aufgeben unb bie Srauen 3erren an öem Saum beines Rleiöes unb Dirnen werben bir nad) bem Barte greifen--" „Cass mid) 5U ifynenl'1 rief GDoses, „bass id) nod) einmal vor il)nen stelle wie bamals, als id) bie tafeln 3erbrad) unb bass id) sie erlöse öurd) meinen 5tol3, £iner gegen Alle! . . . ." „Du aber wirst beinen Stab ergeben unb wirst sie strafen unb 5Üd)tigen, bie Rebellen burd) bas 5d)wert unb bie Toren burd) beinen 6eist. Unb sie werben weid) unb bemütig werben wie bie ßünbin vor bem 5toch il)res ßerrn. Rber beine let3te f^raft bast bu an sie weggegeben, beine ßanb wirb sd)wad) unb sittrig werben unb beine Stimme wie bas Collen eines Greises unb trübe bas Cid)t beiner Rügen. Unb sie werben nid)t mebr gegen bid) aufstehen. Slüsternö werben sie an beinern 3elte vorübergel)en unb sid) sd)weigenb vor bir verneigen. Unb bie (Dänner, wenn bu bid) ergeben willst, werben bir bas Cid)t il)rer Rügen leiten, unb wenn bu gel)en willst, bie ftraft il)rer Rrme. Unb bie Srauen werben Zepp\d)e unter beine Süsse breiten, bamit bein sd)wad)er Süss nid)t strauchle. Unb ßinöer werben bie Speisen in beine F5anb brüchen, wenn bid) nad) Hat)rung verlangt. So wirst bu empfangen von il)nen, bod) bu wirst il)nen nid)ts geben, nid)t mit ben Rügen, nid)t mit bem (Dunbe unb nid)t mit ben Rrmen---" Da erl)ob GDoses sein ßaupt. „So lass mid) sterben, o ßerr!" rief er inbrünstig, „o F5err, in bieser Stunbe, wie es bein Wille war, ber bie ewige Weisheit ist!" Unb nod) einmal richtete er sid) l)od) auf, bie Sülle seines Inneren ausgiessenb, bie gan3e 6lut seiner Seele sd)enkenb bem Volke, bas unten lagerte. Segnenb stred^te er bie Rrme aus. Der 6lan5 seiner Stirne floss nieber wie ein Strom 5um Za\. Wie 5\vei Seuersäulen flammte bas teuersten seiner Rügen ins Weite. Dann verhüllte il)n eine Wolke bes ßerrn. Ungetrübt war sein Rüge, ungebrochen bie ßraft seines Körpers, ba er starb. Unb nie metyr stanb ein Prophet auf in Israel gleicl) GDoses. EIN JUBILAEUM DER HEBRAEISCHEN PRESSE. Von Josef Lin. Kachdruck verboten. Ein Vierteljahrhundert ist nun verflossen seitdem Dr. L. Kantor in Petersburg die erste hebräische Tageszeitung „Hajom" begründet hatte, die für die "weitere Entwicklung nicht allein der hebräischen Journalistik, sondern der neuhebräischen Literatur überhaupt von weittragender Bedeutung werden sollte. Mit dem Erscheinen der ersten täglichen Zeitung in hebräischer Sprache begann eine neue Auffassung vom Wesen und Wirkungskreis dieser Sprache. Der aufklärende Einfluss der russischen Haskalaträger — jener aus den Talmudschulen hervorgegangenen Autodidakten, die den Zeitvorgängen und den Erscheinungen des allgemeinen kulturellen und sozialen Lebens zumeist mit einer rührenden Naivität gegenüberstanden — hatte dem Hebräischen seinen „heiligen" Charakter nicht zu nehmen vermocht. Selbst die profansten Gegenstände, -wie politische Ereignisse und naturwissenschaftliche Materien, wurden im Stil Jesajas besprochen. Die Nachahmung der schwungvollen prophetischen Ausdrucksweise galt als Virtuosität, auf die man oft mehr Gewicht legte, als auf den Inhalt und die Darstellung des behandelten Gegenstandes selbst. Dadurch wurde eine Präzision der Ausdrucksmittel, die den Grundzug jeder künstlerischen Form bildet, unmöglich gemacht. Die drei führenden Organe jener Zeit, der von Silbermann in Lyck begründete „Hamagid", die von Slonirnsky herausgegebene „Hazefirah" und der von Zederbaum edierte „Hameliz" litten an einer umständlichen, langatmigen Weitschweifigkeit. Die einfachsten Dinge wurden in ihnen mit einer oft kuriosen Umschreibung bezeichnet. Dazu gesellte sich eine pluralistische Behandlungsart, namentlich in den vom Publikum mit besonderem Interesse verfolgten politischen Artikeln, die die Uebersclirift trugen: „Weal Hamdinaut bau jeomer" (Und über die Staaten wird hierin berichtet). Ihrem ganzen Charakter nach vermochte die damalige hebräische Presse dem Leser, an den sie überdies mit grossen Verspätungen und auf langen Umwegen gelangte, wohl einen wahren geistigen Genuss zu bereiten und eine unterhaltende Lektüre für die Sabbattage zu bieten; sie konnte ihn jedoch nicht über alle Zeitvorgänge fortlaufend informieren und ihm die allgemeine Presse ganz ersetzen. Besonders drohte ihr die Gefahr, von den im modernen Geiste geleiteten russischjüdischen Organen, den „Wos'chod", „Ras'swjet"und„Ruski Jewrei", die auch die besten hebräischen Schriftsteller angezogen hatten, in den Hintergrund gedrängt zu werden. Die hebräische Presse dem wirklichen Leben nähergebracht zu haben, ist das bleibende Verdienst des „Hajom". Dr. Kantor und seine Hauptmitarbeiter David Frischmann und Dr. J. L. Katzenelsohn („Buki ben Jogli") waren die ersten „wahren Europäer" in der russisch-hebräischen Presse und Literatur. Ausgestattet mit umfassender Bildung,die sie sich hauptsächlich in Deutschland angeeignet hatten, mit Welt- und Menschenkenntnis und mit modernem literarischen Geschmack, führten sie die hebräische Presse von ihrem engen Betätigungsgebiet hinaus und wurden zu Reformatoren des hebräischen Stils. Das Hebräische sollte fortan eine Sprache des Lebens in all seinen alltäglichen Offenbarungen sein; ein entsprechendes Ausdrucksmittel für die Realitäten der jüdischen und der allgemeinen Welt. Das bedeutete eine völlige Revolutionierung des Verhältnisses zur hebräischen Sprache, worüber