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Ost und West · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 241 - 242

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
Die neue Synagoge an der Königsteinerstraße in Frankfurt a. M.
Date
1911-03-01
Page
Seite 241 - 242 (sequence 1)
Language
German
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Die Westend «Synagoge in Frankfurt a. M. DIE NEUE SYNAGOGE an der Königsteinerstrasse in Frankfurt a. M. Nachdruck verboten. Am 28. Sepieniber vorigen Jahres wurde das prachtvolle Gotteshaus, das die Israelitische Gemeinde an der Kreuzung der .Königsteiner und der Altkönigstrasse hat errichten lassen, durch feierliche Einweihung seiner Bestini mung iibergeben. Der geniale Schöpfer dieses Bauwerks, der junge Stuttgarter, jetzt in Frankfurt a. M. wohnende Architekt Franz Rocckle, hatte eine schwere Aufgabe zu lösen, indem der von verhältnismässig schmalen Strassen umgrenzte Bauplatz, verbunden mit der von dem Bauherrn gestellten Forderung zahlreicher Nebenräume der Wirkung eines Monumentalbaus von vornherein schier unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellte. Und doch hat der Baumeister diese Schwierigkeiten, wie ein Fachmann in der ..[frankfurter Zeitung" schreibt, dadurch in glücklicher Weise überwunden, dass „das Gebäude etwas im Winkel zurückgeschoben wurde, so dass es den nötigen Spielraum gewann, die Wirkung seiner wohlabgewogenen Massen zu entfalten." Derselbe Fachmann schildert den Bau in folgender Weise: „Die Synagoge, die ihre Front der Königsteiner Strasse zuwendet, zeigt sich als kuppelüberwölbter Zentralbau, dem ein Vorhof vorgelagert ist und um den in wirkungsvollen Giebelfronten Vorhalle, Seitenschiffe und ein die Estrade der Kultushandlungen und den geräumigen Trausaal enthaltender Bauteil geschart sind. Jn die Ecken dieser Giebelbauten sind in kleineren Proportionen Räume für die Garderobe, Zimmer für den Vorsteher, den Rabbiner, den Kantor angebracht; auf jenem schmäleren Teile des Grundstücks, der die Königsteiner Strasse entlang zieht, schliesst sich das Gemeindehaus an die Synagoge an. Der Eindruck des Aussenbaues ist voll,gehaltener Ruhe, ernst, würdig und vor allem durchaus organisch. Die Formen sind gross und einfach, keine überflüssige Dekoration zieht die Aufmerksamkeit von den reinen, tektonischen Linien ab. Lisenen gliedern die Fronten, Medaillons mit heraldisch stilisierten Löwen, die die Symbole des jüdischen Glaubens halten, beleben die Giebel. Man versteht ohne weiteres, dass hier der Innenraum aus sich heraus die Aussenform bestimmt hat. Das Material des Bauwerks ist Muschelkalk, der in seiner porösen Oberfläche etwas von der Belebtheit einer Epidermis hat. Eine wuchtig drückende, kuppelüberwölbte kleine Vorhalle nimmt den Eintretenden auf, der einen kleinen, von einem nicht minder wuchtigen, pyramidalen Brunnen beherrschten Hof überschreitet und in die Synagoge eintritt. Sobald er die Promenadenhallc der Synagoge durchschritten, steht er unter dem grossen, dem überwältigenden Eindruck der Kuppelform. Ein Gefühl des Freiseins, der Erhebung in ungemessne Weite überkommt ihn, wie es eben nur der Zentralbau, der das Gefühl nicht in bestimmende, begrenzte Linien bannt, zu geben vermag. Und er fühlt, dass dieser Raum in vollendeter Weise geformt, gegliedert ist. In der vollendeten Raumwirkung scheint mir die Grösse dieser künstlerischen Leistung zu liegen. Der farbige Eindruck des Baus wird durch den Akkord von Blau und Gelb bestimmt. Säulen, die mit gelbem Marmor überzogen und deren Kapitale blau und gelb bemalt sind, tragen die Emporen der Seitenschiffe und der Wandelhalle. Die Wände sind mit gelbem und

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