Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- Die portugiesische Synagoge in Amsterdam
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 233 - 234 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Portugiesische Synagoge mit dem Seminar „Ets Haim". DIE PORTUGIESISCHE SYNAGOGE IN AMSTERDAM. Von Ernst Altkirch. Xachclmck verboten. Die Portugiesische Synagoge ist von den zehn jüdischen Bethäusern Amsterdams das schönste und prächtigste. Von aussen füllt der einfache Backsteinbau nur durch seine Massivheit auf, aber das Innere, das dem Tempel Salomos nachgebildet sein soll, ist von schlichter Grösse und Vornehmheit. Mächtige Säulen tragen die dunkle, gewölbte Holzdecke; den heiligen Schrein aus brasilianischem Rotholz, die Hcchal, schmücken Schnitzereien, und in ihm verborgen ruhen die kostbaren, berühmten Schätze aus Gold und Silber, die an hohen Feiertagen gezeigt werden. Dann werden auch die herrlichen alten Ledertapeten mit Goldpressung rings im Gotteshause aufgehängt. Von den köstlichen Geräten stammen viele aus den Synagogen Sevillas, Toledos und Oportos, aber auch niederländische Künstler wie Adam van Vianon haben einzelne hervorragende Stücke geschaffen. Von diesem phantasiereichen Meister rührt die silbervergoldete, etwa einen Meter im Durchmesser grosse Schale her, auf der die Königin von Saba vor Salome dargestellt ist. Sie wurde 1694 von Iinanuel Levy Mendes und seiner Gattin Constancia Levy Duartc der Synagoge geschenkt. Die Familie Rothschild soll für diese Schale hunderttausend Gulden geboten haben. Die dazu gehörige Kanne mit dem Löwen von Juda und der Begegnung Jakobs mit Joseph ist eine Arbeit aus späterer Zeit. Eine andre kleinere Schale stellt Venus dar, wie ihr der goldene Apfel angeboten wird. Das ist gleichfalls ein einzigartiges Werk der Goldschmiedekunst und beansprucht noch besonderes Interesse dadurch, dass hier ein heidnischer Vorgang wiedergegeben ist, worüber schon viele ihr Erstaunen ausgedrückt haben. Aber sowohl der Künstler, als auch der Besteller dürften sich darin einig gewesen sein, dass die Verherrlichung einer griechischen Gottheit wert ist, eine Schale zu schmücken, in der der Priester seine Hände reinigt, bevor er über die Gläubigen den Segen spricht. Die dazu gehörige Kanne ist gestohlen worden, sie konnte jedoch ergänzt werden, und man sieht sie nun in der Form einer Muschel, die von einer Nereide getragen wird. Den Handgriff bildet eine sich ringelnde Schlange. Von all den andern Schätzen sei noch eine Gewürzdose aus dem Jahr 1712 erwähnt, die die Form eines Baumes hat, um den sich eine Schlange windet. Darauf die portugiesische Aufschrift: vista, tacto, ouvir, gosto, cheiro (die fünf Sinne). Von hohem Wert ist die Gesetzesrolle, die aus Spanien mitgebracht wurde, und die vor 1590 bereits ihrer Bestimmung gedient hat. Auch kostbare Möbel, darunter zwei Sophas, bekleidet mit Gobelins, bestimmt für den Tag der