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Ost und West · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 217 - 218

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
Die Gestalten des jüdischen Volkshumors
Date
1911-03-01
Page
Seite 217 - 218 (sequence 4)
Language
German
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217 Di-. B. Rohatyn: Die Gestalten des jüdischen Volkshumors. 218 „Das ist leider wahr, aber siebesitzt doch so viel, dass dem Haushalt an nichts mangeln wird." ,,Wieso denn?" „Sie ist schön, und das Sprichwort sagt: Eine schöne Frau ist eine halbe .Parnassali.1) Sie ist gut, und die Welt sagt: Eine gute Frau ist eine halbe Parnassah. Das macht zusammen die ganze Parnassah. Was braucht der Mensch mehr?" * * Hat der Schadchan die Partie glücklich zusammengeführt und wird Hochzeit gehalten, so fällt ihm häufig die Rolle des Badchan zu, der die Aufgabe hat, die Hochzeitsgästc durch Spässe und humoristische Reden, oft fröhliche aber harmlose Parodien bekannter Prediger, zu erheitern. Als Badchan hatte er in altsn Zeiten die Aufgabe, nach Tische, vor dein Dessert, während die Becher kreisten, die Hochzeitsgeschenke auszurufen. Da gab es oft Gelegenheit, dem Witz die Zügel schiessen zu lassen, namentlich, wenn das Hochzeitsgeschenk zu kärglich ausgefallen war: „Der Mcchutthan2) Herr A. schenkt ein Besteck für vierundzwanzig Personen. „Der Mcchutthan Herr B. schenkt ein Teeservice für achtundvierzig Personen. „Und der Mechutthan H err C. schenkt ein Teesieb für zweiundsiebzig Personen."' * * Einer hatte sich mit einem mageren Geschenk von drei silbernen Teelöffeln eingestellt. Den Badchan brachte das nicht aus der Fassung: „Der Mechutthan Herr D. schenkt ein Dutzend silberne Teelöffel: eins, zwei, drei!" Damit nehmen wir vom Sohadehan Abschied. Die böse Frau. Es ist bezeichnend, dass im indischen Sprichwort sowohl als in dem indischen Humor die Figur der bösen Schwiegermutter, die in der volkstümlichen Literatur aller Sprachen eine so e oot/luhe Rolle spielt, und die Zielscheibe des nicht immer harmlosen Spottes bildet, — ganzlich fehlt. Auch die böse Frau wird vom Sprichwort und von der Anekdote bei aller Schonungslosigkeit und Boshaltigkeit nicht ohne eine gewisse stille Scheu behandelt, und es gibt eine Grenze, die auch die Derbheit nie überschreitet. ADAM BERLIK. Paul Pauli als „Vater Baumert". Wer eine böse Frau gehabt hat, dem werden nach dem Tode die Qualen des Grabes erlassen. Die erste Frau ist von Gott, die zweite von den Menschen, die dritte vom Teufel. Vor einer bösen Frau ergreift sogar der Todesengel die Flucht. Die Weiber verführen zum Guten wie zum Bösen, aber sie verführen immer. Ein böses Weib ist eine Wunde am Leib. 1) Parnassah Nahrung, tägliches Brot. 2) Mechutthan (wörtlich) Verschwägerter; auf Hochzeiten wird jeder Teilnehmer so angeredet. Die Frau zum Herrn. macht den Mann zum Narren oder * * * Die Frau macht aus dem Mann, was sie will.

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