Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Das portugiesische israelitische Seminar "Ets Haim" in Amsterdam
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 151 - 152 (sequence 5)
- Language
- German
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151 Ernst Altkirch: Das Portugiesische Israelitische^Seminar „Ets Haim" in Amsterdam. 152 bücher von den berühmten Amsterdamer Druckern dos 17. Jahrhunderts vorhanden, von denen nur Namen wie David Tartaz, Menasseh ben Israel, Eliahu Aboab, Moses Athias, Mondes Coutinho und Proops genannt zu werden brauchen, um an die köstlichsten Erzeugnisse jüdischer Buchdruckerkunst zu erinnern. Dass diese Werke mit schönen Einbänden versehen wurden, erhöht ihren Wert und die Freude an ihnen. Ich hatte einen besonders prächtigen in Händen, der das Gebetbuch „Orden de Ros Iiasanah" aus dem Jahre 1684 umschliesst. Er bestellt aus rotem Saffian mit Gold, auch das schwarze Vorsatzpapier ist mit goldenen Zieraten bedeckt, und feine Silberschliessen halten das Werkchen zusammen. Die von Montezinos gesammelten Pamphlete haben die Zahl 1000 bereits überschritten. Genannt mögen ein paar der seltensten sein: Joh. Pefferkorn, Libellas de Judaica Gonfessione mit Holzschnitten 1508 und Alosii von Sonnenfels Jüdischer Blut-Eckel oder das von Gebrauch des unschuldigen Christen-Bluts angeklagte, untersuchte und unsehulclig-bcfiindeno Judentum. Lateinisch und deutsch in Wien, erschienen. Schliesslich sei eine wertvolle Sammlung von etwa 500 Bildnissen und Abbildungen erwähnt, die in sechs Abteilungen zerfällt: Geistliche der beiden Israelitischen Genieinden in Amsterdam, Geistliche in Holland, Geistliche im Auslande, berühmte Personen (darunter auch eine Anzahl Spinozabildnisse), Abbildungen von Synagogen und Begräbnisstätten und Varia. Dem greisen Bibliothekar D. Montezinos steht eine jüngere Kraft, J. da Silva Rosa, zur Seite, der sich Menasseh ben Israel. (1604—1657.) Kupferstich von S, Italia. - i M •:.; V( L A \ . i? v ' V •:x- ' L -tf ¥ ] is ■ ■ i* —• & Ti*Sj 7 'ff .." -*~P "J^ -,Sr..:^. >< ' " 5:? - ■ i %r,s O \ J '"' \ ' \; Izaak Aboab. (1606 — 1693.) Kupferstich, einzig bekanntes Exemplar. die wissenschaftliche Bearbeitung des Zettelkatalogs angelogen sein lässt, und der den Besuchern der Bibliothek in liebenswürdigster Weise zur Hand geht. Der wissenschaftliche Geist, der diese Bibliothek heute erfüllt, berührt ausserordentlich sympathisch, und es wäre sehr zu wünschen, und besonders Spinozaforscher würden es aufs dankbarste anerkennen, wenn auch das benachbarte Archiv der Portugiesischen Israelitischen Gemeinde der wissenschaftlichen Arbeit in ähnlicher Weise zugänglich wäre. Ein Teil dieses Archivs ist zwar durchforscht, aber es harren doch noch viele Handschriften der genauen Durchsicht. Man ist dort allerdings überzeugt, dass alles Suchen nach unbekannten Spinozaurkunden vergeblich wäre, da jede Spur dieses Abtrünnigen sorgfältig vernichtet sein soll. Aber das sind schliesslich nur Annahmen, und bis nicht ein der spanischen und portugiesischen Sprache völlig Kundiger das Archiv nach jeder Richtung hin durchforscht hat, kann man sich nicht zufrieden geben. Ein Archiv der Gemeinde bestand zur Zeit Spinozas noch nicht, es wurden damals wichtige Schriftstücke und dergleichen von den Rabbincn in ihren Wohnungen aufbewahrt. Aus deren Nachlass aber dürfte in späteren Jahren manches wertvolle Dokument in das Archiv gelangt sein, und wenn sich hier auch nicht die Verteidigungsschrift des jungen Spinozas finden dürfte, die er seinen Richtern vorgelegt hat (und unmöglich ist auch das nicht), so kann man doch immerhin Urkunden erwarten, die unsre Kenntnis über das Leben des Philosophen vermehren würden.