Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Ein bedeutender Fund althebräischer Inschriften aus der Zeit des Königs Ahab von Israel
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 117 - 118 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Dr. A. S. Yahuchi: Ein bedeutender Jf'und althebräischer Inschriften usw. IIS Wie gross würde also unsere Freude sein, wenn wir eines Tages wirklich eine jener herrlichen Gedichtsammlungen entdeckten, aus denen das Deboralied stammt; eines jener wunderbaren Erzählungsbücher, denen die Patriarchengeschichten entnommen sind —, oder gar Schriften der grossen Propheten, von denen wir mir kleine, versprengte Trümmerreste besitzen! Dann erschiene uns die biblische Zeit in einem ganz neuen, glanzvollen Lichte, neue Gestalten träten aus der Vergangenheit hervor — ein neues Stück Bibel würde der Welt geschenkt werden! Als vor 130 J ahren die Kunde von der Aufdeckung der Stadt Pompeji in die gebildete Welt drang, da erscholl ein Jubelruf allenthalben, und Schiller war es, der der Stimmung jener Zeit beredten Ausdruck verlieh. Nicht geringer wird die Begeisterung sein, wenn die Welt von der Blosslcgung der Stadt Samaria erfahren wird, jener Stadt, die „wie eine prächtige Krone einen der schönsten Hügel des Gottcslandes zierte". Vielleicht gelingt es eines Tags, in den Trümmern von Samaria auch Reste jener Schlösser und Paläste zu finden, von denen Arnos und Hosea so anschauliche Schilderungen gaben; vielleicht sogar den Elfenbeinpalast, den der baulustige Ahab selbst gebaut hat (I. Regum 22,39). Aber im Grunde sind unsere Augen nicht auf die Reste solcher israelitischen Denkmäler gerichtet. Im Heiligen Lande erwarten wir weniger die Entdeckung von kolossalen Bauten und gigantischen Königsstatuen, noch weniger aber von ruhmseligen Inschriften, in denen etwa nach Muster assyrischer oder ägyptischer Usurpatoren die schändlichsten Gewalttaten ruchloser Vernichtungswut verherrlicht würden. Solche Inschriften, die in den meisten Fällen die einzigen Quellen für unsere Kenntnisse über jene Herrscher sind, dürften kaum den biblischen Historiographen als Quellen gedient haben. Alles, was wir von der Geschichte Israels und Judas wissen, ist nicht aus Weihtafeln mit Votivformeln noch aus Standbildern mit selbstverherrlichcnden, grosstuerischen Inschriften zusammengestellt: In Israel und Juda waren es zum grossen Teil Propheten, die die Geschichte ihres Volkes schrieben, mit einer Objektivität und Wahrheitsliebe, die in der Geschichtsschreibung jener Zeiten ihresgleichen sucht. Was wir also von den neuen Funden im Heiligen Lande am Meisten erwarten, ist vielmehr die Entdeckung von Dokumenten, die unsren Besitz an den geistigen Schätzen des alten Israel vermehren würden. Denn nicht Paläste noch Tempel, weder Siegessäulen noch Monumentalfiguren aus Felsenblöcken machten die Grösse Israels aus; auch nicht das Bild, nur das Wort Gottes ist es, was die Propheten in die grosse Welt hinausgesandt haben, das Wort Gottes, das, wie Jeremia sagte (23,29), „wie ein Feuer ist, und wie ein Hammer, der Felsen zertrümmert!" MODERNE SPRUCHWEISHEIT. Von .Rabbiner Dr. Kroner, Oberdorf-Bopfingen. Nachdruck verboten. Der universelle Geist des Judentums hat den Jaden befähigt, an allen geistigen Leistungen aller Zeiten und aller Völker mit Erfolg teilzunehmen. „Ein kluges und gebildetes Volk" wird es von der Bibel selbst genannt, und das macht ja bekanntlich auch seine Grösse aus. Die moderne Wissenschaft und wohl noch mehr die moderne Kunst hat dieses Urteil besonders wahr gemacht, und es ist eiue sehr verdienstvolle Aufgabe dieser Zeitschrift, die Schöpfungen jüdischer Meister mit liebendem Auge zu verfolgen und durch Wort und Bild zur lebendigen Darstellung zu bringen. Jüdische Theologen, Philosophen, Philologen, jüdische Dichter, Maler, Bild- Lauer, sie alle Huden hier eine freundliche Aufnahme, und so möchte ich heute eine ganz neue und seltene Spezies geistiger Produzenten in jenen erlauchten Kreis einführen, und zwar einen modernen jüdischen Aphorismiker.1) Spruch Weisheit reicht bis in das graueste Altertum zurück. Sobald das Leben ständige Formen erhielt, und die seelischen Beziehungen des Menschen zum Menschen in festen Eegeln fassbar waren, stellte sich wohl das Verlangen und auch *) Wetterleuchten, Aphorismen von S. Buer, Oberdorf. München. die Grabe ein, eine Fixierung der auf diesem Gebiete gesammelten Erfahrungen vorzunehmen. Dass dabei in jenen frühesten Zeiten die von der Religion gepredigten Wahrheiten den Gedankenzug beherrschten, die Nähr- und Bezugsquelle, ja auch den Grundgehalt der Leitsätze bildeten, ist nicht mehr als naturgemäss, war doch der Glaube, zumal der jüdische mit seinen Offenbarungswahrheiten, der Inbegriff der grundlegenden Gesetze alles Lebensglückes. Solche Grundregeln menschlicher Wohlfahrt zeichnen die Psalmen, vor allem aber die Sprüche Salomonis, deren psychologische Tiefe und Feinheit auch heute noch den modernen Denker erbauen können. In religiös-moralischen Leitsätzen, spricht ein Jes. b. Sirach, atmen die Sittensprüche der Väter denselben Geist der Ordnung und des Aufbaues ethischer Grundgedanken. Gerade die letzteren sind aber auch zugleich typisch dafür, dass jeder lebensvolle Geist, der sein Denken ordnet und schult, ein ausgesprochenes Verlangen darnach trägt, sich ein Gesamtbild der vorhandenen Lebenswerte zu schaffen, er kann nicht an der Zeit vorübergehen, ohne ihren Charakter zu erfassen und ihn zum Quellpunkte von Lebensregeln zu nehmen, die den Grundriss eines Katechismusses des Lebens darstellen. So ist es zu erklären, dass zu allen