Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Die Alliance-Expedition nach dem Yemen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 67 - 68 (sequence 2)
- Language
- German
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67 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Alliance-Expedition nach dem Ycnien. Yemenitischc Juden. Drei jüdische Dorfbewohner aus Sanaa. aus blauem Leinenstoff mit japanischen Aermeln und über dem Turban einen spitzen Strohhut. Sind wir wirklich in Arabien? Um vier Uhr reisen wir ab, nachde in man uns einige Stunden lang königliche Gastfreundschaft erwiesen hatte. Zwanzig Personen, Freunde und Verwandte des Hausherrn, helfen uns beim Aufladen. Einer hält das Tier am Zügel, der andere am Schwanz; dieser reicht uns den Steigbügel, jener bringt uns irgend einen Gegenstand — aber jeder will seine Mühe belohnt haben und kommt kilometerweit hinter uns her, bis er seine richtige Bezahlung erhalten hat. Unter der bleiernen Sonne kommen wir nur langsam von der Stelle. Die Tiere erheben ganze Wolken von Staub; die unendliche mit Sträuchern bewachsene Ebene streckt sich in unabsehbarer Weite vor uns aus. Die Strasse ist ziemlich belebt, meist von Bauern, die vom Markt heimkehren. Wir reiten um eine Hügelgruppe, überschreiten ein ausgetrocknetes Elussbett und befinden uns in einer grünen frischen Ebene. Bei unserer Ankunft in Behocha ist die Sonne längst untergegangen. Dieses Dorf hat dieselben Strohhütten, dieselbe exotische Bevölkerung wie Badjil. Die Nacht ist warm und feucht, wir wollen ein paar Stunden ruhen, um gegen Mitternacht weiterzureisen. Wir essen in Eile, der Mangel an Trinkwasser ist unangenehm. Ich lege mich ganz angekleidet nieder und bin kaum eingeschlummert, als ich durch einen seltsamen Gesang geweckt werde. Es ist eine langsame, ernste, eindrucksvolle Melodie, ähnlich der slawischen Musik, und klingt wie der Hymnus auf einen Woiwoden, einen nationalen Helden. Trotz der grossen Ermüdung kann ich nicht wieder einschlafen. Nachdem wir noch viele Kilometer auf unsren schmächtigen Maultieren geritten waren, kamen wir zu unsrem schmutzigen, ekelhaften Eeldlager. Alles ist voller Ehegen, man weiss nicht, wie man die Dinge anfassen soll. Wir haben zwar unsere Bedienten, müssen aber doeli alles selbst machen, weil diese Leute keine Ahnung von Sauberkeit haben. Sie waschen die Messer, trocknen sie aber an einem Zipfel der Schärpe" (Euta) ab, die sie um che Hüften geschlungen haben; sie lassen^das Wasser kochen, holen aber mit ihren Fingern den Strohhalm heraus, den der Wind hineingeweht hat. So verzichtet man auf die Nahrung und leidet lieber Hunger und Durst. Man hat aber keine Zeit, sich darüber aufzuregen, der Karawanenführer sattelt bereits die Maultiere, man muss alles einpacken, aufladen und abreiten. Man reitet im Halbschlaf, che Nacht ist so dunkel, dass der Blick sie nicht chirchdringen kann; der Boden ist hart und die Hufe der Tiere wecken lauten Widerhall. Man ist so müde, dass man am liebsten wieder abstiege und zu dem eben verlassenen Bett zurückkehrte, in dem man nicht hatte schlafen können. Ein Saptieh fängt an, mit lauter Stimme Stellen aus dem Koran herzusagen; alle Araber erwachen und stimmen mit überzeugender Inbrunst in den Gesang der Endzeilen mit ein: „Ja Allah, ja Allah!" Das ist schön und grossartig und man nimmt mit grösserem Eifer wieder seinen Weg auf. Dieselbe einsame Ebene, derselbe sterncnlose Himmel — aber der Gesang belebt che Gegend und man geht im Traum und voller Hoffnung voran. Plötzlich gehen unsre Maultiere abwärts, so steil, als ob man in einen tiefen Brunnen stiege; man kann nichts sehen, aber man hört, dass grosse Steine unter den Tritten der sich bäumenden Maultiere in Bewegung kommen. Ich wäre lieber zu Fuss gegangen, dazu ist es aber zu spät; man muss sich eben dem Tier anvertrauen, das langsam bergab geht. In der Tiefe fliesst ein Strom, man hört das Wasser rauschen; wir reiten hindurch und die kühlen Tropfen spritzen uns ins Gesicht. Auf der anderen Seite führt ein ebenso steiler Weg wieder in che Höhe und wir befinden uns Avieder auf der Ebene. Die Luft ist so feucht, als ob ein starker Regen unsere Kleider durchnässt hätte. Wieder ein Strom, wieder ein tiefes Loch: wir stossen auf eine Karawane von Kamelen; das gibt ein grosses Gewühl unter Geschrei, Schimpfen und dem Geklirr der mit Glöckchcn besetzten Zäume. Der Tag bricht an, wir reiten durch das Dorf Obal, das von herrlichen grünen Feldern und Gemüsegärten umgeben ist. Hier sieht es heiter und frisch aus, wie in einer mazedonischen Landschaft zu Beginn des. Frühlings. Jetzt kommen wir nach Hadjela. Yemenitische Juden. Der Grossrahbiner und die beiden Dayanim. More Jahyö. El öaveh. More Aran Cohen.