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Ost und West · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 65 - 66

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Article
Die Unruhen in Schiras
Date
1911-01-01
Page
Seite 65 - 66 (sequence 4)
Language
German
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65 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: {Die Unruhen in Schiras. 6.6 der gestern geraubton Sachen aufgefunden worden, es sollen aber zumeist wertlose Gegenstände gewesen sein: alte Teppiche und Decken, Lumpen, unbrauchbare Geräte, wertlose Waren. Alles, was wirklichen Wert hat, Teppiche, Schmucksachen, gute Kleider, Gummi, Opium usw. ist hoffnungslos verschwunden und, was das empörendste ist, die Nachforschungen sind dem Polizeiohef und seinen Akolythcn übertragen, die sich ohne Skrupel jeden wiedergefundenen Gegenstand von Wert selbst aneignen. Jch habe ■ mich deshalb bei Kawam beschwert, es gibt aber keine Hilfe für das Uebel, weil die Ehrlichkeit in Persien ziemlich unbekannt ist, besonders in den Kreisen der Beamten. Der englische Konsul Mr. Smart stellt mir hei dieser traurigen Gelegenheit in hingehendster Weise bei. Er wiederholt seine Besuche und Vorstellungen bei den Ortsbehörden und seine Telegramme an den britischen Gesandten in Teheran in unermüdlichem Eifer. Er ist heute früh mit mir im Judenviertel gewesen und hat die unglücklichen Israeliten getröstet. Wir haben beschlossen, in der Stadt eine Sammlung zugunsten der Opfer des gestrigen Tages zu veranstalten. Nata f. MUSELMANISCHE ZOEOLINOE IN DER ECOLE NORMALE. ■Durch Vermittlung des Herrn Oberrabbiner Nahum ersuchte die türkische Regierung die Alliance Israelite Universelle, in ihr Lehrerseminar in Paris einige Tür das Lehramt bestimmte muselmanische Zöglinge aufzunehmen. Diesem Gesuch entsprechend, hat das Gentral-Gomite der Alliance Israelite Universelle beschlossen, drei dieser jungen Leute unentgeltlich aufzunehmen. Sic wurden von dem Ministerium des öffentlichen Unterrichts in Konstantinopel ausgewählt und sind diese Woche in Paris eingetroffen. Das Schreiben, das der Oberrabbiner Herr Nahum in dieser Angelegenheit an den Präsidenten der Alliance richtete, hat folgenden Wortlaut: „Constantinopcl, i. Dezember 1910. Herr Präsident! In Gemässhcit Ihres letzten Schreibens haben wir im Einverständnis mit Seiner Exzellenz dem Herrn Minster des Innern unter den besten Schülern der staatlichen Mittelschulen diejenigen ausgesucht, die Sic die Güte haben wollen, in die Ecole Normale aufzunehmen. Arn letzten Mittwoch war Seine Exzellenz der Herr Minister des Innern im Grossrabbinat, um mir seinen Dank auszusprechen und mich zu beauftragen, Ihnen den Ausdruck seiner Bewunderung und seiner wohlwollenden Gesinnung für die Alliance zu übermitteln. Die für die Ecole Normale bestimmten Schüler hatten den Minister erwartet. Er hielt eine Ansprache an sie, in der er sie ermahnte, durch Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. vorbildliche Disziplin, Regelrnässigkeit und Arbeitsamkeit für die würdige Erreichung ihres Zieles bestrebt zu sein. Auf die jungen Leute hatten die Worte des Ministers tiefen Eindruck gemacht. Sie versicherten, dass sie für die Alliance, die soviel für die intellektuelle und moralische Hebung ihrer Brüder, der ottomanischen Juden, getan hätte, voller Dankbarkeit wären, dass sie nach Kräften trachten Avollten, das vom Vaterland und von der Alliance ihnen erzeigte Wohlwollen zu verdienen. Wie ich Ihnen durch mein heutiges Telegramm gemeldet habe, sind die drei jungen Leute mit dem Dampfer „Senegal" der Messageries Maritimes abgereist. Die Aufnahme muselmanischer Zöglinge in die Ecole Normale hat sowohl auf die Mitglieder des Ministeriums als auch auf die hohen Würdenträger grossen Eindruck gemacht, der für unsere Gemeinden dio besten Folgen haben wird. Ich wäre Ihnen deshalb sehr verbunden, wenn Sie diese Schüler der Leitung der Ecole. Normale besonders ans Herz legen wollten. Nach Abschluss ihrer Studien werden sie voraussichtlich die Posten von Unterrichtsinspektoren in den Vilajets bekleiden und dadurch in der Lage sein, Ihrem Schulwerk manchen Dienst zu erweisen. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner Hochachtung und Ergebenheit. Der Grossrabbiner der Türkei H. Nahum." DIE ALLIANCE-EXPEDITION NACH DEM YEMEN. (Fortsetzungaus Heft XII, .Jahrgang X von „Ost und West") 17. Februar. Badzil ist ein grosses Dorf im Bezirk Tehama und liegt inmitten blühender Hügel. Wir gehen in die erste Strohhütte und bitten um Gastfreundschaft. Nach fünf Minuten sehe ich einen Juden kommen, der mir nach Landessitte Knie und Füsse küsste und sich dann in einen Winkel hinhockte. Er heisst Mussa Dschubani, ist aus dem Norden, aus Szafesch, und fabriziert Nargilehs; wahrend der sechs Wintermonate arbeitet er hier. Seine Frau und seine Kinder sind in der Heimat geblieben, weil sie die grosse Hitze des Distrikts Tehama nicht vertragen können. Ich frage ihn, wie er mit den Arabern auskommt. „Was soll ich Euch sagen, Rabbi! Ihr weisst doch, dass wir im Dschaluth leben; ich tu, Avas sie wollen, und sie lassen mich in Ruhe." Ein ganzer Trupp Araber umringt uns und bestürmt uns mit Fragen und. verwunderten Zurufen. „Was sagst du? Er ist Jude wie du? Mach keine^Witze!" Sie geben ihm einen Nachdruck mit Quellenangabe gesiattet. freundschaftlichen Klapps und zupfen ihn als Liebkosung an den Haaren. Der Jahudi ist für sie der Hörige, auf den man alle Rechte hat; er ist aber vielfach auch das Familienmitglied, der arme Verwandte, vor dem man sich nicht zu genieren braucht, dem man aber auch Schutz und Hilfe schuldet; es ist eine merkwürdige Situation, eine ganz besondere Psychologie. Unser Reisegefährte Hai'm frühstückt eben in einem Winkel, zwei kleine Araber plaudern mit ihm und teilen auf seine Einladung sein bescheidenes Mahl. Die Araber dieser Gegend sind von ausländischer Abstammung, vielleicht Zigeuner; ihre Tracht ist sehr interessant. Die Frau des Hausbesitzers arbeitet auf dem Hof und trägt dabei einen prächtigen Turban als Kopfbedeckung; ein gesticktes Jäckchen bedeckt ihre Brust, eine rote Schärpe ist um die Hüften geschlungen. Zwischen Jäckchen und Schärpe ist der Körper unbekleidet. Auf der Strasse tragen die Frauen einen langen gestickten Mantel

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