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Ost und West · 1911-01-01 · Heft 1 (Januar 1911) · p. Seite 21 - 22

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 1 (Januar 1911)
Article
Die Erben des Islam
Date
1911-01-01
Page
Seite 21 - 22 (sequence 2)
Language
German
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21 Dr. Arsene Kahen (Paris): Die Erben des Islam. 22 gar keine Fähigkeit besitze, Reformen durchzuführen. Ohne die türkische Revolution wäre die Türkei dem Schicksal Persiens oder gar Polens verfallen. Doch währeDd die türkische Revolution äusserlich als ein politischer Prozess erscheint, ist sie im Grunde nur die politische Seite einer weit tiefern und umfassenderen Strömung, die darauf hinarbeitet, die islamitischen LäDder von der ökonomischen Bevormundung und Ausbeutung durch die europäischen Mächte zu befreien. „Der Islam den Muslims!" so lässt sich in einen kurzen Satz der Sinn aller dieser Bestrebungen zusammenfassen. Die Einkünfte von den Zöllen, den Ländereien, den Forsten, den Bergwerken, den Verkehrsadern, den Monopolen und Konzessionen — kurz, der ganze Profit innerhalb des ganzen Bereichs des Islams, für die Muslims. Diese Lehre hat bereits eine unbestrittene und absolute Geltung gewonnen. Was das andere anbetrifft, kann man sich ja mit der Zivilisation versl ändigen. Verschleierung der Frauen, Polygamie, Scheidung, Fasten, veraltete Riten, das kann man alles in die Rumpelkammer werfen, wenn es nicht anders sein kann. Man kann sich sogar zur Not fremde Schutzhoheit gefallen lassen. Aber soll man den Ungläubigen die Güter, den Reichtum, das Erbe des Islams anheimstellen? Nie und nimmer!. Hier hören die Landesgrenzen, die Verschiedenheit der Rassen auf, allerlei Sonderinteressen verschwinden und das einzige gemeinsame Interesse tritt in Kraft, getragen von der Macht der Tatsachen, die ihm einen einheitlichen Charakter aufprägen. Mit welchen Mitteln könnte man dem.Einfluss des kommerziellen, industriellen und finanziellen Europa entgegenarbeiten, dessen internationale Banken in den marokkanischen Bergwerken, in den persischen und mesopotamischen Eisenbahnen solidarisch vorgehen, . wenn man sie nicht mit ihren eigenen Mitteln bekämpft? Der breiten Masse ist dieser Gedanke natürlich fremd, in den aufgeklärten Kreisen keimt er erst Aber in den Köpfen der führenden Geister ist er sehr lebendig. Produkte dieses Gedankens waren verschiedene Bankgründungen von islamitischer Seite, insbesondere aber die Subskriptionen lür die Hedschasbahn. Diese Idee wird alleinherrschendwerden, wenn die muslimische Presse dahin gelangt sein wird, durch rastlose Arbeit ihren -Lesern klar zu machen, dass in der kommerziellen, industriellen und finanziellen Solidarität des Islams das Machtmittel gegeben ist, um Europa zu bekämpfen.

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