Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Holländische Künstler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 17 - 18 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Ernst Altkirch: Holländische Künstler. 18 ED. FRANKFORT. Zeltlager in Südafrika. AMSTERDAM. in der portugiesischen Synagoge behandelt, weist die gleichen Vorzüge auf. Frankfort malt die Juden Amsterdams ohne jeden Nebengedanken. In ihrem ganzen Gehaben erscheinen sie als Modelle eines Malers, der für die eigenartige und seltsame Schönheit ihrer Erscheinung den rechten Blick besitzt. Dabei ist Frankfort ein durchaus realistischer Künstler, der als sorgfältiger Beobachter auch unter der nichtjüdischen Bevölkerung seines Landes viel Darstellungswertes fand und sogar von einer südafrikanischen Reise eine Sammlung Bilder mit heimbrachte, die sein starkes Farbengefühl und eine sichere, kecke Technik zeigen. Eine kurze Schilderung der Lebcnsschicksale Frankforts wird hier am Platze sein. Er ist 1864 in Meppel als Sohn eines Kaufmanns geboren. Als er zehn Jahre alt war, verlegte der Vater seinen Wohnsitz nach Amsterdam. Hier wuchs auch der junge Künstler auf. Den ersten Unterricht empfing er im Atelier Bing, und mit siebzehn J ahren bezog er die Reichsakadeinie. Vier Jahre blieb er dort. Kurze Zeit studierte er dann noch an der Akademie in Antwerpen. Nach Amsterdam zurückgekehrt, stellte er zum -.-...... ~ —, >«..-?,-—rr. erstenmal aus. Sein luld , . ' 'z\ ,,Das Morgenrot" wurde vom Museum in Middelburg angekauft. Dieser schöne Erfolg zeitigte noch einen zweiten. Er erhielt den Auftrag, den Justizminister Riehe, der zuvor Bürgermeister von Middelburg gewesen war, für das Rathaus zu porträtieren. Dann entstanden seine ersten Bilder mit jüdischen Typen. Eine Zeitlang zog ihn Israels' Stoffgebiet an. Er malte trauliche holländische Stuben mit ED. FRANKFORT. Kafferngespräch. alten Leuten, stille Menschen, schlichte Familienszenen, einfache Vorgänge des Alltaglebcns, die er flott hinstrich, und in denen er dem Impressionismus seinen Tribut zahlte. Bald aber nahm er wieder seine Darstellungen jüdischer Schriftgelehrten auf. Diese lassen erkennen, dass er auch ein Porträtmaler von Bedeutung ist. Unter seinen wenigen Bildnissen haben einige Selbstporträts viel Anziehendes. Zu Anfang des Jahres 1906 riefen ihn Privatangelegenheiten nach Südafrika. Reiste er auch nicht dorthin, um zu malen, so liess er doch sein Malgerät nicht zu Hause. Von den neuen Eindrücken überwältigt, stellte er Land und Leute dar und veranstaltete sogar in Pretoria eine Ausstellung, auf der er gut verkaufte. Trotzdem war die Ausbeute, die er, als er im Mai 1907 Südafrika wieder verlicss, in die Heimat schicken konnte, nicht gering. .Auf der Rückreise hielt er sich noch drei Monate in Italien auf. Frankforts afrikanische Schilderungen offenbaren noch mehr als seine holländischen Bilder seine f 1 ott e Arb e itsweis e, d ie sich in einem beherzten und temperamentvollen Festlegen des Gesehenen äussert. Sie sind ungemein frisch, reich an Farbe und Reiz, und ungeachtet des Skizzenhaften, das viele von ihnen besitzen, Schöpfungen eines echten und begabten Künstlers. Darum nimmt Frank fort unter den jüngeren M alern Hollands auch eine bevorzugte Stellung ein, und da seine künstlerische Entwicklung nichts Einseitiges hat, darf man noch manches vortreffliche Werk von ihm erwarten. AMSTERDAM.