Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Holländische Künstler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 15 - 16 (sequence 2)
- Language
- German
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15 Ernst Altkirch: Holländische Künstler. IG ED. FRANKFORT. AMSTERDAM. Strassenleben in Pretoria. Was uns bei den holländischen Malern ans Herz greift, das ist ihr unendlich sicheres und empfindungsreiches Naturgefühl. Das feine Abwägen der Farben und die ungekünstelte Verteilung der Licht- und Schattenmassen bilden bei ihnen noch mehr als bei den alten Meistern ihre wichtigsten Ausdrucksmittel. Ihre Landschaften führen uns die einfache Schönheit und Grösse der holländischen Natur immer wieder vor Augen, die einsamen Meeresküsten, die stillen Kanäle, die baumbepflanzten Grachten der Städte und die weiten, fruchtbaren Ebenen mit weidendem Vieh und unzähligen Windmühlen, über die sich ein drohender YVolkenhimmel türmt. Zwar ist Holland unseren Tagen einen Künstler von der straffen Art Rembrundts schuldig geblieben, und es mehren sich bereits die Stimmen, die mit Acrgcr die Renaissance, die den Franzosen zu danken ist, eine wenig erfreuliche nennen. Ein derartiges Urteil ist stark übertrieben, denn es lässt sich eine ganze Anzahl Namen nennen, von denen man sicherlich noch lange mit Bewunderung sprechen wird. Unter den jüdischen Künstlern ist Jozcf Israels der bekannteste. Er ist auch der einzige, der sich in die Nähe Rernbrandts gestellt hat. AVer aber Rembrandt und Israels mit einander vergleichen will, der betrachte von ihnen zwei Bilder, die den gleichen Gegenstand behandeln: David spielt die Harfe vor Said. Das eine befindet sich im Mauritshuis im Haag, das andere im Reichsmuseum in Amsterdam. Wir haben in Deutschland einen dem alten Israels sehr ähnlichen bedeutenden Künstler gehabt, der ihm auch in der Statur glich: Adolf Menzel. Von beiden ist durch ihren eisernen Fleiss, ihren Ernst und ihre Ehrlichkeit Grosses geleistet worden. Die unermüdliche Arbeitskraft, die sich Menzel bis ins hohe Alter bewahrt hatte, und ohne die er nicht atmen und leben konnte, ist auch Israels eigen. Israels, der siebemindachtzigjährige Meister, ist, noch so tätig wie einer der Jüngsten. Auch hindert ihn die Last seiner J ahre nicht, alljährlich grössere Reisen zu unternehmen. .Hat Israels auch selten jüdische Themen behandelt, so sind doch zwei seiner köstlichsten Schöpfungen, das zarte, ergreifende Bild „Ein Sohn des alten Volkes" und der prächtige, langbärtige „Thoraschreibcr" dein Lttbcn der Juden entnommen. Sein Herz schlägt darin, und man lese in seinem schönen Buche über die Reise nach Spanien darüber nach, wie ihm das Modell des Gesetzschreibers, beide Arme auf das Pergament gestützt, und sein fürstliches Haupt ihm zuwendend, in einem, kleinen Hause zu Gesicht gekommen ist. Von den jüngeren jüdischen Künstlern, über die ich hier berichten will, dürfte Ed. Frankfort dem alten Israel am verwandtesten sein. Auch von ihm kann man sagen, dass in seinen Gemälden ein zartes und feinfühliges Menschenherz schlägt, und dass er einer der vornehmsten holländischen Maler ist. Das beweisen die Bilder, auf denen er Amsterdamer .luden, besonders Gelehrte, dargestellt hat. Diese Schöpfungen sind wundervoll durch die Wiedergabe des rein Menschlichen. Die Atmosphäre, die das stille und ernste Leben der Geistlichen und Lehrer umgibt, zieht uns ganz in ihren Bann, und die feinen und ausgeprägten Gelehrtenköpfe, die ich in den Räumen des portugiesischen Seminars ,,Ets Haina" erblickte, linde ich hier mit grosser und eindringlicher Meisterkraft gestaltet. Auch ein Bild, das den Gottesdienst TAX FRANKFORT Alte Frau. AMSTERDAM.