Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. Seite 1183 - 1184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Article
Urteile der Presse über die "Jüdischen Volkslieder-Abende" [Kommentar]
Date
1912-12-01
Page
Seite 1183 - 1184 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2583875-2584019-2584032-2602237--13999-2602340
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

1183 1184 „Breslauer Morgen-Zeitung" v. 6. Nov. 1912: Das jüdische Volkslied. Eine Fülle prächtiger jüdischer Volksrnelodien und -Lieder in der Bearbeitung von Arno Xadel oder Bogumil Zepler bescherte die Redaktion von „Ost und Westk* am Sonnabend einem zahlreichen aufmerksamen Publikum im „Kammermusiksaal". Chassidische Melodien mit und ohne Text, Tanz- und Wiegenlieder. Klage- und Freudesänge wechselten in angenehmer Folge. Bald wurde der Hörer durch die süsse Zartheit elegischer Stimmungen, bald durch kokette Launen und schalkhafte Einfälle überrascht. Betty Tennenbaum als ungemein individuelle Violinistin, Herr Magidson mit ausdrucksvollem Humor und Akzent, Ciaire D a w i d o f f mit umfangreichem Sopran und gewinnender Anmut sowie Herr Nadel am Flügel waren gutgewählte Vermittler der gebotenen t y - pisc hjüdischen Kunst, bei der auch mancher „Goi*' herzliche Freude empfinden konnte. * * * „Breslauer General-Anzeiger" v. 3. Nov. 1912: Einen jüdischen Volksliederabend veranstaltete am Sonnabend die Redaktion von ,,Ost lind West" im Kammermusiksaal des hiesigen Konzerthauses. Die von Arno N a d e 1 und Bogumil Zepler bearbeiteten zum Vortrag gelangten Volksmelodien und Lieder fanden sämtlich den Beifall des zahlreich erschienenen Publikums. Frl. Betty Tennenb a u m wusste ihrer Moline die den jüdischen und den chassidischen Melodien eigene zarte Elegie zu entlocken. Die Lieder des Herrn M. Magidson (Tenor) und auch diejenigen von Frl. Ciaire Dawidoff (Sopran) bildeten eine innige Verquickung von Melodie und Inhalt. In volkstümlicher Weise paarten sich darin k östliche r Humor, seh a 1 k h a f t e Einfälle m i t w elim ü t i g e m E r n s t. Magidson gefiel am besten mit dem Gesänge „HamawdiTS während Ciaire Dawidoff mit ihrem drastischen Liebesliedchen „Kätzele meins" die „Frankfurter Zeitung" v. c. Nov. 1912: Frankfurter Vorträgsabend. In einer Zeit, deren philologischer und historischer Forschungsdrang bis zu den frühesten musikalischen Lebensäusserungen und bis zu den Schöpfungen exotischer Völkerschaften vordringt, kann es nicht wundernehmen, dass auch die spezifisch jüdische Volksmusik die Aufmerksamkeit des Sammlers erregt. Einige Ergebnisse einer solchen Sammlung wurden gestern in einem, dem „jüdischen Volkslied4' gewidmeten Abend vorgeführt. ZAvar schliesst die freiwillige Beschränkung des Interesses auf die weltliche Volkskunst einen zweifellos sehr wertvollen, vielleicht den wertvollsten Teil der jüdischen Musik, die synagogal-lithurgische, von vornherein aus und gibt dadurch ein nur unvollkommenes Bild von dem musikalischen Produktionsvermögen des jüdischen Volkes. Zudem Herzen ihrer Zuhörer entzückte. Die Klavierbegleitung lag in Händen des trefflichen Pianisten Arno Nadel. Sämtlichen Vortragenden wurde stürmischer Beifall zuteil. At. * * * „Jüdisches Volksblait, Breslau, v. 8. Nov. 1912: Der Redakteur der Zeitschrift „Ost und West", Herr LeoWin z, hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch die Juden Deutschlands mit den jüdischenVolksliedern desOstens bekannt zu machen. Diesem Zwecke diente der jüdische Volksliederabend, derSonnabend, den2.cls.Mts.,imKammermusiksaale vor einem zahlreichen Publikum stattfand. Da sich die Lieder wegen des zumeist ernsten, klagenden Inhalts grösstenteils in Molltonarten bewegen, wodurch die Gefahr der Eintönigkeit nahe liegt, war es eine glückliche Idee des Unternehmers, sie von verschiedenen Kräften vortragen zu lassen, indem er eine Sängerin, Fräulein C1 a i r e Dawidoff, einen Sänger, Herrn M. Magidson, und eine Geigerin, Fräulein Betty Tennen bau m , zu Interpreten wählte. Die noch jugendliche Sängerin ist im Besitze eines klangvollen, schönen Soprans, mit dem sie durch warmes Empfinden und viel Temperament für die einzelnen Lieder je nach ihrem Inhalt den richtigen Ausdruck fand. Besonders gefielen das Wiegenlied und die Bajke (Mantille). Herr -Magidson verfügt über einen sympathischen, gut geschulten und namentlich im Piano wirkungsvollen lyrischen Tenor und erntete gleichfalls, vornehmlich mit dem Hamawdil und Pessachlied, viel Beifall. Weniger zur Geltung kam leider Fräulein T e n n enba u m , da aus den von ihr vorgetragenen „Liedern ohne Worte" nicht viel herauszuholen war. Ihr glänzendes technisches Können hätten wir gern vor eine grössere Aufgabe gestellt gesehen. Schliesslich sei auch noch des verdienstvollen Klavierbegleiters, Herrn Arno Nadel, gedacht, der auch für die meisten Lieder selbst in geschmackvoller, manchmal allerdings zu modernen Weise die Begleitung komponiert hat. Alle Künstler ernteten für ihre Vorträge reichen Beifall, und Herr i n z darf die Ueberzeugung haben, dass er in Breslau für seine Bestrebungen neue Freunde's e\v"o n n e n h a t. C—i. -c «. ■ ff. M. scheint es, als^ob in diesen Volksgesängen, von denen die meisten kaum älter als ein bis zwei Jahrhunderte sein dürften, sich weniger die selbständige Erfindungskraft als die Anpassungs- und LTmbildungsfähigkeit der Juden offenbart, denn die slawischen und germanischen Bestandteile sind in all den diesmal vorgeführten Liedern so auffällig vertreten, dass man hier, namentlich hinsichtlich der Musik, an durchaus eigene jüdische Erzeugnisse kaum glauben kann. Trotzdem bleibt es interessant zu verfolgen, wie sich in diesen Gesängen die Rassenelemente und -Temperamente mischen, wie ein gewisser Hang, jede angeschlagene Empfindung bis zur äussersten Grenze zu treiben, einen ursprünglich wohl slawisch elegischen Zug seiner träumerischen Weichheit beraubt und bis zur bitteren Härte treibt, wie jede Nuance des Empfindungslebens mit fanatischer Härte scharf hervorgehoben, FRANKFURT

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.