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Ost und West · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. Seite 1107 - 1108

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Article
Jüdische Altertümer in Elsass-Lothringen
Date
1912-12-01
Page
Seite 1107 - 1108 (sequence 7)
Language
German
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1107 Rabbiner Dr. M. Ginsburger: Jüdische Altertümer in Elsass-Lothringen. 1108 zenheim und Simon Cahn aus Colmar, eine Misraehtafel in Goldstickerei, sogenannte Wöchnerinnentafeln mit Tierbildern und kabbalistischen Sprüchen zur Abwendung und Unschädlichmachung böser Geister, ein gesticktes Sederhandtuch aus dem Jahre 1757, Amulette, ein sogenanntes „Krasmesser", d. i. ein Messer zum ,,BekrasenCf, c{. ju Bekreisen der Wöchnerinnen; es wurden nämlich mit diesem Messer um die Wöchnerinnen und die neugeborenen Kinder Kreise beschriehen, um die Geister und die Hexen zu vertreiben; ein Chalizahschuh, Schofar, Chanukaleuchter, Deuter, ein sogenannter „Davidsschild" aus dem Jahre 1770 und Hawdolohleuchter. Diese Publikation wird fortgesetzt werden. Ausserdem wird zurzeit die Herausgabe der hochinteressanten Memoiren eines elsässischen Juden vorbereitet, deren ■ Originalmanuskript unserer Gesellschaft von Herrn E. Scheid in Paris geschenkt wurde. Und so steht denn ausser Zweifel, dass die Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsass- Lothringen hinsichtlich der Erhaltung und Bekanntmachung der jüdischen Altertümer in Elsass-Lothringen Anerkennenswertes geleistet und den Beweis erbracht hat, dass derartige Vereinigungen in allen Gebietsteilen mit reicher jüdischer Vergangenheit von hohem WTerte sind und daher überall, wo es angängig ist, ins Leben gerufen werden sollten. Wenn die vorstehenden Ausführungen dazu anregen und unserer Gesellschaft neue Gönner und Freunde verschaffen würden, so wäre ihr Zweck erreicht. Chalizahschuh", Sandale für die Ceremonie der Verstossung der Schwägerin. ZUR GESCHICHTE DER JUDEN IN DEN BALKANLAENDERN. Von Rabbiner Dr. M. L. B Grell leuchtet im Osten Europas die Brandfackel des Krieges und ängstlich dringt in unser Ohr das Wort aus Beiisar: „Trema, Bisanzio, zittere Byzanz!" In jenen Ländern, welche das ehemalige Oströmische Reich oder Byzanz bildeten, gehören Schwert und Lanze fast zu den Alltagserscheinungen. Seit der Teilung des Römischen Kaiserreichs nach dem Tode Tiieodosius des Grossen 395 (in die Reiche Westrom mit der Hauptstadt Rom und Ostrom mit der Hauptstadt Byzanz oder Konstantinopel) rastete und rostete dort das Kriegsschwert nimmermehr. Dynastien kommen und gehen! Auf die Byzantiner, die sich bis zum Jahre 1081 zu behaupten verstanden, folgten rasch aufeinander die Kaiser aus der Dynastie der Komenen, der Angelos, die Lateiner und der Paläologen. (Letzter Herrscher dieser Dynastie war Konstantin IX., 1448—1453.) Viel früher aber hatte bereits Othmann ihn Ertogrul im Jahre 1300 in Kleinasien das nach ihm benannte Osmanische Reich begründet, viel früher bereits hatten die Osmanen mit den Byzantinern kriegerische Zusammentreffen, bereits 1328 nahmen sie denselben Nicäa und Nikomädia ab; 1354 eroberten sie Galliopolis, 1360 Adrianopel und im Jahr 1453 fand die Eroberung des Oströmischen Reiches durch die Eroberung Konstantinopels ihren Abschluss. Den Juden in jenen Ländergebieten brachte das Ende der byzantinischen Herrschaft Erlösung von dem jahrhundertelangen Drucke, welchen die byzantinischen Kaiser auf sie ausgeübt hatten, denn „die osmanischen Könige sind Könige der Gnade/' sagt Abraham Sacuto (ca. 1460) mit Recht.1) In der Tat amberger in Schönlanke. ist ,,die ganze Geschichte des Osmanischen Reichs in Europa im Vergleich zum Mittelalter des Christentums und zu den Schicksalen im asiatischen Kalifenreich eine blühende Oase für die jüdische Erinnerung/* Mit Recht bezeichnet man die Bildung des Osmanischen Reichs als den Anfang einer neuen Phase der jüdischen Geschichte. Die Osmanen brachten den Juden Ruhe und Frieden; Verfolgungen aus Religionshass, wie sie zur Zeit der byzantinischen Herrschaft an der Tagesordnung waren, kannten die turk-tartarischen Nationen nicht. So kam es, dass die Zahl der Juden in den Balkanländern immer mehr und mehr zunahm. Und wir müssen Luzatto2) beipflichten, wenn er sagt: ,,Im Staate des Grosstürken ist der Hauptsitz der Nation nicht bloss durch ihren uraltenAufenth a 11 daselbst, sondern besonders durch das Zusammenströmen aller derer, welche von Spanien vertrieben worden waren. . . . Die Gründe, weshalb sie sich gerade hierher zurückzogen, hegen 1. in der freien Ausübung ihrer Religion, die ihnen durch die gewohnte Duldung der Türken gegen jeden andern Ritus gestattet wrar; da sie ausserdem in den eroberten Gebieten doch eine Unzahl Griechen und Anhänger anderer Religionen fanden, so nahmen sie gar keine besondere Rücksicht auf die Juden, welche sich unter ihnen aufhielten; 2. in der von der türkischen verschiedenen Lebensweise, welche sie führen. Während sie nämlich sich mit den verschiedenen Künsten des *) Juchasin ed. Warschau 1876 S. 152. co^an;n3Ti V vn Ton o^d '2 o»nn nm2 ctpsi man jköbp nntwn ".21 ntsom "te»n "San nt;q? 3) Discorso circa il stato deyl'Hebrei (Venetia 1635) p. 70 cfr. Cassel bei Ersch und Gruber II Sect. 27 S. 200 und Rosanes, Geschichte der Juden in der Türkei, Husiatyn 1907 8. 8. Beide letztgenannte Werke habe ich bei dieser Arbeit oft zu Rate gezogen und werde ich nicht jedesmal darauf hinweisen.

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