Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. Seite 1019 - 1020

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Article
Margot Lipmann
Date
1912-11-01
Page
Seite 1019 - 1020 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2583875-2584019-2584031-2601987--13812-2602105
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1019 Karl Schwarz: Margot Lipmann. 1020 MARGOT LIPMANN. BERLIN. Am Krögel. (Nach einer Bleistiftzeichnung.) C-Schli Solche Entfremdungen zwischen Vätern und Söhnen blieben indessen zumeist nuräusserlieher Natur; noch war es kein innerer Gegensatz, der sich zwischen beide stellte. Es wird uns nicht berichtet, weshalb der grosse Gesetseslehrer Samuel (st. 257) in seiner frühesten Jugend seinem Vater Abba entlaufen ist, aber von R. Elieser b. Hyrkanos, der mehr als 100 Jahre vor ihm lebte, wissen wir es, dass er einer erlittenen Kränkung wegen aus dem Vateihause durchbrannte, und als der hierüber erbitterte Vater sich nach Jerusalem begab, um ihn vor Gericht zu enterben, da entdeckte er in einem Manne, zu dessen Vortrag alles Volk gestiömt war, den eigenen Sohn wieder, dem er jetzt zum Nachteil der anderen Söhne sein ganzes Vermögen übertragen wollte, was jedoch R. Elieser entschieden zurückgewiesen. — Die jüdischen Söhne früherer Zeiten mussten sich oft schon in verhältnismässig jungen Jahren an Selbständigkeit gewöhnen. Nicht immer war es gerade die Not oder armselige Verhältnisse im Vaterfeause, die den Sohn geben. In den Gemälden, da die belebende Farbe hinzutritt, das Leuchten und Flammen, das bunte Spiel in heller Freudigkeit, zeigt sich ein feiner Farbensinn, gepaart mit bedachtem Haushalten in den Mitteln. Mit starken Pinselstrichen sind die Farben aufgetragen, anfangs noch etwas zaghaft, dann immer freier werdend. Besonders glücklich ist das Bildnis der älteren Dame in seiner farbigen Geschlossenheit, einem gedämpften^ blaugrünen Tone,* der die Gestalt mit dem Hintergrunde verbindet und die Figur doch lebendig hervortreten lässt. Zur Landschaftsmalerei ist die Künstlerin erst spät übergegangen, wenngleich sie in der Zeichnung und Radierung schon früher sich darin betätigt hat. Zwei Blätter au3 dem nun verschwundenen Alt-Berlin, eine Zeichnung und eine Radierung, geben wir in Abbildungen. Besonders die Radierung Hesse sich als ein kleines Meisterwerk der Graphik bezeichnen, und es ist freudig zu begrüssen, dass die Künstlerin jetzt wieder nach langer Pause zur Radiernadel greift. Die Dachauer Bilder sind die ersten Landschaftsgemälde Margot Lipmanns, erst im vorigen Jahre entstanden, und doch machen sie den Eindruck, als ob die Künstlerin schon eine lange Erfahrung auf diesem Gebiete hinter sich hätte. Der beschränkte Raum verbietet das nähere Eingehen auf die einzelnen Kunstwerke. Dass es alles ernst gemeinte Arbeiten einer Persönlichkeit sind, ist auf den ersten Blick zu erkennen, und dass die Künstlerin in ihrem zielbewussten Streben der Beachtung weiterer Kreise wert ist, dass wir es mit einer der wenigen Erscheinungen zu tun haben, die um Haupteslänge ihre meisten Kolleginnen überragt, — zu dieser Erkenntnis mögen diese Zeilen ihr Scheiflein beitragen. nach erreichter Bannizwa in weite Fernen ziehen Hessen. „Wer viele Lehrstellen aufsucht, mehrt keine Weisheit", dieser Erfahrungssatz bildete gewöhnlich die Veranlassung zu den Lehr- und Wanderjahren jüdischer Jugend^ die trotz Dauer und Ferne den innigen Zusammenhang mit dem Elternhause nicht zu lockern vermochten. Und es muss nur der witzigen Laune eines Satyrikers wie Immanuel de Romi (geb. 1265) zugeschrieben werden, wenn er in seinem „Machbereth" von einem Vater zu erzählen weiss, der in der Fremde erkrankt und den Gemeindevorstehern des Ortes sein Vermögen mit der Bitte zur Verwahrung übergibt, es seinem Sohn Daniel nur dann auszufolgen, wenn sie die Ueberzeugung gewönnen, es auch wirklich mit seinem rechtmässigen Sohn zu tun zu haben. Der Mann stirbt, und ein Betrüger macht sich die Sache zunutze, indem er von den Vorstehern dadurch, dass er mit erheuchelter Trauer den echten Sohn zu spielen versteht, das hinterlassene Geld herauslockt, während EINIGES UEBER DAS VERHAELTNIS JUEDISCHER VAETER ZU IHREN SOEHNEN. uss). Von Dr. Max Steif.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.