Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Margot Lipmann
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 1015 - 1016 (sequence 2)
- Language
- German
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1015 Karl Schwarz: Margot Lipmarm. 1016 MARGOT LIPMANN. Aus Dachau. (Xach einem Oelgemäkle.) künstlerisches Ziel erreichen, dass sie meistens mit grossen Hoffnungen beginnen, schnell zu einem gewissen Höhepunkt gelangen, dann aher wieder sinken und in dem „Chaos der Unbekannten und Unbenannten" untertauchen. Nur wenige nimmt er aus von diesem allgemeinen Geschick des Weibes in der Kunst, aber diesen schreibt er einen besonderen Wert bei, da uns die Seele der Frau vermöge ihrer speziellen psychologischen Veranlagung Dinge gibt, die wir in der Kunst der Männer nicht finden. Die kleine Zahl dieser tatkräftigen Frauen, deren Schaffen einen wirklichen Gewinn für die Kunstentwicklung bedeutet, möchte ich um einen neuen Namen bereichern. Einer Künstlerin will ich diese Zeilen widmen, die nicht das allgemeine Geschick ihrer Schwestern teilt, sondern die dem bescheidenen Kreise derer zuzuzählen ist, die durch kraftvolles Streben sich weiterarbeiten, in ehrlichem Kampfe sich emporringen zu immer besseren und reiferen Schöpfungen — nicht eine trügerische Rakete, die jäh emporsteigt und im Glänze ihrer jungen Pracht das Haupt zum Erlöschen neigt. — Margot Lipmann ist eine Berlinerin, aber ihr Name ist fast unbekannt in ihrer Vaterstadt. In stiller Zurückgezogenheit lebt sie ihrer Kunst, die sie ehrlich betreibt, abseits vom Kampfe der Parteien vertieft sie sich in die Probleme ihrer Werke, sucht in unermüdlichen Studien Meister des Handwerks zu werden und klammert sich nicht an eine einmal gefasste Art. Hier und dort sucht sie vorwärts zu kommen, erkämpft sich, trotz einer glücklichen liatürlichen Veranlagung zur Kunst, die ihr wohl gestatten würde, den Pinsel mit grösserer Leichtigkeit zu führenr langsam ihr Gebiet, da sie nur in dem Durchreifen des Werkes das Ziel zu einem dauernden und berechtigten Vollenden erblickt. „Geschmack und Malenkönnen" — so schreibt Georg Hermann weiter — „finden sich nicht allzu selten bei Frauen, doch Zeichnen können ist eine Gottesgabe, deren Besitz sich wirklich nicht viele Frauen rühmen können". — Als ich vor Jahren dur Cheine Ausstellung wanderte, fiel mein Blick auf einige kleine Zeichnungen, die mich sogleich fesselten und so lebhaft interessierten, dass ich mich nach dem Namen ihres Schöpfers erkundigte, um diese mir bisher unbekannte Kraft näher kennen zu lernen. Ein Zufall war mir BERLIK. MARGOT LIPMANN. Russischer Student. (Xach einer Bleistiftzeichnung.) BERLIN.