Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 11 (November 1912)
- Article
- Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 1007 - 1008 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1007 Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaftdes Judentums, 1008 Rabb. Dr. Vogelstein, Stettin Mitglied des. Ausschüsse? der Gesellschaft Gestorben 4. 8. 1911. das wird um so mehr in die Wagschale fallen, je mehr sich die grossen wissenschaftliehen Unternehmungen der Gesellschaft, der Grundriss, das Corpus Tannaiticum, die Germania Judaica sowie das bisher nicht erwähnte, auf drei Bände berechnete Maimonides - Gedenkwerk, dessen erster Band schon seit mehreren Jahren vorliegt, ihrer Vollendung nähern. Nicht zu unterschätzen ferner ist auch der Umstand, dass die Gesellschaft gerade durch ihre wissenschaftlichen Unternehmungen einer Reihe von jüdischen Gelehrten, die sonst vielleicht mit der bittersten Not zu kämpfen hätten, zu einer sicheren Existenz und vor allem einer ihrer würdigenTätigkeit hat verhelfen können. Als die vornehmste Wirkimg der Gesellschaft aber innerhalb des Judentums wird man immer ihren Einfluss auf das jüdische Publikum bezeichnen können. Beides, das Interesse der gebildeten Kreise im Judentum und ihrVerantwortlichkeitsgef ühl gegenüber der Wissenschaft sind in den letzten zehn Jahren gewachsen. Das offenbart sich am besten in dem Anwachsen der Mitgliederzahl der Gesellschaft: während sie am Ende des 3. Jahres ihres Bestehens 837 Mitglieder zählte, stieg diese Zahl in den folgenden Jahren auf 958, 1103, 1209, 1278, 1360, und am Ende ihres 10. Geschäftsjahres dürfte sie die 1500 überschritten haben. — Aber auch das Interesse für gute jüdische Werke, der Wunsch sie zu lesen und zu besitzen, ist in den letzten Jahren merklich gewachsen. Das hängt gewiss mit der allgemeinen jüdischen Renaissance unserer Tage zusammen — aber auch die Gesellschaft darf einen Teil dieser erfreulichen Erscheinung sich zum Verdienst anrechnen. Sie ist dabei in anerkennenswerter Weise von verschiedenen Seiten dadurch unterstützt worden, dass Autoren oder deren Familien ihr ihre Werke zur Verteilung an ihre Mitglieder zur Verfügung stellten: so konnte die Gesellschaft vor mehreren Jahren die Schrift Hermann Cohens über „Die Ethik des Maimonides*' unter den jüdischen Lehrern und den Rabbinern Deutschlands verbreiten. Ferner1 stellte Frau Rosa Gomperz, die Schwiegermutter des verdienten, der Wissenschaft leider zu früh ent- Rabb. Dr. H. Vogelstein, Kgsbg. sehr.f.d. ..Gruiidr.' d.Gesch.d.jüd.Volks v. babyl. Exil fcis zum Abschl. d. Talmuds. David Kaufmann, die beiden bisher erschienenen Bände seiner „Gesammelten Schriften" zur Verteilung an die Mitglieder zur Verfügung, und erst Ende des vergangenen Jahres nahmen die SöhneLudwig Philippsons die 100. Wiederkehr seines Geburtstages zum Anlass, zwei stattliche Bände „Gesammelter Abhandlungen" aus seiner Feder den Mitgliedern der Gesellschaft zum Geschenk zu machen, so dass jetzt das Beste, was jener verdiente Kämpfer für Wahrheit und Recht in einem langen arbeitsreichen Leben für seine Glaubensgemeinschaft geschrieben hat, in nahezu 2000 Exemplaren innerhalb der deutschen Judenheit und auch ausserhalb Deutschlands wieder jüdisches Gemeingut geworden ist. Aber auch nach aussen hin ist das Wirken der Gesellschaft nicht unbeachtet und auch nicht ohne segensreiche Folgen geblieben. Die christliche Gelehrtenwelt — und dieser wird das christliche Publikum folgen — nimmt von den Arbeiten und dem Wirken der Gesellschaft fortwährend Kenntnis, und namentlich den von ihr herausgegebenen Werken bringt sie ein lebhaftes und aufrichtiges Interesse entgegen. Und hier gehört es wohl zu den erfreulichsten Beobachtungen, die wir haben machen können, dass sowohl von protestantischer wie von katholischer Seite auf das rege wissenschaftliche, d. h. geistige Leben des deutschen Judentums, wie es sich in der Gesellschaft offenbart, hingewiesen worden ist. Es ist kein Zweifel, dass das Judentum infolge der „Schriften, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" einen Schritt weiter auf dem Wege getan hat, der endlich zur Würdigung und Anerkennung des Judentums und seiner Bedeutung für die Menschheit und zur endlichen völligen Emanzipation der Judenheit führt. — So tritt denn die Gesellschaft, nicht ohne innere Befriedigung auf ihre bisherige Tätigkeit zurückblickend, in ihr zweites Dezennium ein. Wir bringen ihr unsern Glückwunsch dar; mögen in dem Masse, wie ihre Verdien - ste sich Hü /M IX mehren, auch immer neue Freunde und Anhänger sich um sie scharen! rissenen Rabb Dr c Wcrnei% Memchca Dr. N. M. Nathan, Berlin Rabb. Dr, S. Weisse, Berlin Dr. N. 31. 1 rOleSSOrS Mitglied des Ausschusses der Gesellschaft. Stellvertr. Schriftführer der Gesellschaft. Mitglied des Ausschusses der Gesellschaft. Aathan.