Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1912)
- Article
- Die neue Synagoge in Charlottenburg
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 931 - 932 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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931 Karl Bayer: Die neue Synagoge in Charlottenburg. 932 die zweigeschossige Empore zur Höhe des Hauptschiffes. Innen wie aussen bildet der fränkische Muschelkalk den Grundakkord. Vorhalle und Vestibül mit ihren glatten, naturfarbenen Flächen sind in ein Halbdunkel gehüllt, während der lichtdurchflutete Gebetraum reichen musivischen Schmuck aufweist. Das Untergeschoss ist in dunkelen, mit Gold durchwirkten Farben gehalten, die Brüstungen der Emporen und die Tonnengewölbe leuchten in venezianischem Glasmosaik, der Baldachin über dem Thoraschrein ist in seiner inneren Kuppel in Blau und Silber geschmückt und die grossen Kuppeln sind reich ausgemalt. Die Fenster weisen eine sparsame Verwendung von buntem Glase auf, während ihre umgebenden Mauerteile reicheren Farbenschmuck tragen. Die Chornische ist ebenfalls mit Mosaiken geschmückt, über der Sängerkanzel leuchten in zwei Reihen die Orgelpfeifen durch die Rundbogen der Architektur hervor. — Alles in allem ist eine würdige und imposante Wirkung erzielt worden, und wenn auch hier und dort das kritische Auge einige geringfügige Aenderungen vorschlagen würde, so muss man doch gestehen, dass dem Baumeister wie den anderen Kräften, die an der Herstellung dieses neuen Gotteshauses tätig gewesen sind, Dank und Lob zu spenden ist. Vor allen Dingen wird die farbige Ausgestaltung noch kleine Korrekturen erfahren müssen, damit die Hauptstätte des Kultus auch als solche dem Eintretendensogleich mehr ins Auge fällt. Aber neben den Schönheiten, die dieses Werk birgt, sind diese Einschränkun - gen so get , Jad" zum Thoraschild. Ansteht der Westseite der Synagoge Fasanenstrasse. ringfügiger Natur, dass sie als nur beiläufig bemerkt zu betrachten sind. — Die übrigen Räume schliessen sich der Hauptsynagoge würdig an, besonders die in bescheidener Schmucklosigkeit, in der Naturfarbe des Kalksteines gehaltene Wochentagsynagoge wirkt — wenn der Ausdruck gestattet ist — direkt gemütlich und anheimelnd, Die Vorhalle des Trausaales zeigt dieselbe Behandlung, während die stark hervortretende Farbigkeit des Trausaales selbst — von den Architekten Hart und Lesser mit Cadiner Kacheln geschmückt — vielleicht durch die ausschliessliche Bestimmung des Raumes gerechtfertigt erscheint. — Zu eingehender Betrachtung laden aber auch die Kultusgegenstände ein. Die Silbergeräte, die den Werkstätten der bekannten Berliner Firma H. Meyen & Co. entstammen, sind der Bauart der Synagoge sich anpassend in romanischer Stilart ausgeführt. Von besonderer Schönheit sind die 1 Meter hohen Altarleuchter in getriebenem Silber; gedrungen und doch nicht schwer wirkend, stehen sie auf dem Schulchan wie schirmende Säulen. Dieselbe gediegene Gedrungenheit in festen romanischen Formen weist der Thorabehang auf. Unter den Bronzearbeiten ist die massive Tür zur heiligen Lade und die ewige Lampe, eine schwer vergoldete Ampel in orientalischem Stil, zu nennen. Die übrigen Beleuchtungskörper sowie die Türen treten bescheiden zurück, um die architektonische und malerische Einheit des Gesamtbaues nicht zu beeinträchtigen. Ein Wort wäre noch von dem textilen Schmuck, den dreiherrlichen Vorhängen, zu sagen, von denen