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Ost und West · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. Seite 929 - 930

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
Die neue Synagoge in Charlottenburg
Date
1912-10-01
Page
Seite 929 - 930 (sequence 1)
Language
German
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929 9£0 : ■ vvXtV^yv* MM «v DIE NEUE SYNAGOGE IN CHARLOTTENBURG. Von Karl Bayer. Am 26. August wurde die neue Synagoge der Berliner Jüdischen Gemeinde, die in der Fasanenstrasse, nahe dem Kurfürstendamm, sich erhebt, geweiht. Ein mächtiger Tempelbau ist geschaffen worden, ein stattliches Haus, das unter den neueren Synagogenbauten, deren in den letzten Jahren mehrere in verschiedenen Städten entstanden sind, eine bedeutende Stellung einnimmt. Die günstige Lage der Baustelle, die nach Osten orientiert ist, ermöglichte die freie Entwicklung des Baues in der Form, dass der Haupteingang, durch den man nach Durchschreiten einer Vorhalle direkt in den Hauptraum gelangt, an der Strassenfront liegt. Der Schöpfer des Ganzen, der Berliner Architekt Ehrenfried Hessel, hat sich als ein wahrer Künstler erwiesen, dem es gelungen ist, unter Anlehnung an historische Stilformen einen modernen Bau in klarer Entwicklung und freier Entfaltung zu schaffen. Neben dem eigentlichen Synagogenhause, das seitlich frei steht, erheben sich an der Nordseite einige Nebenbauten, die die Dienstwohnungen und die Wochentagsynagoge enthalten und die einen Hof umspannen, dessen östliches Quergebäude sie, mit der Hauptsynagoge verbindet, in dessen Untergeschoss der Trausaal liegt. Drei mächtige Kuppeln krönen das Gotteshaus, das in einfachen, glatten Formen gehalten in grossen, ruhigen Flächen gegliedert sich dem frühen romanischen Stile anlehnt. Ein Giebelvorbau mit dachförmigen Seitenteilen geleitet uns über eine breite Freitreppe durch drei Portale in eine Vorhalle, von der aus seitlich die Treppen zu den Emporen sich erheben; daran schliesst sich ein Vestibül, durch das man in den gewaltigen, hellen und farbig geschmückten Hauptraum tritt. Das Mittelschiff mit seinen drei grossen Kuppeln endigt in der halbkreisförmigen Apsis, in der sich auf erhöhtem Standpunkt das Betpult, die Kanzel und der Thoraschrein, umgeben von einem turmartigen Ueberbau befinden; den Abschluss bildet die Orgel und die Sängerkanzel. Die Seitenschiffe unter grossen Tonnengewölben, die von den Mittelschiffkuppeln ausgehen, tragen in dem Obergeschoss die Plätze für die Frauensynagoge; an der Westseite erhebt sich Altarleuchter für" die S)oagoge Fasanenstrasse. Angefertigt von der Firma H. Meyen & Co., Berlin.

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