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Ost und West · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. Seite 925 - 926

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
Die Propheten
Date
1912-10-01
Page
Seite 925 - 926 (sequence 2)
Language
German
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925 Bmjamin Segel:'Die Propheten. 926 am liebsten garnicht. Kurz nach Delitzsch setzte Adolf Harnack die Welt in Bewegung dank seinen herabsetzenden Urteilen über das alte Judentum, in seinen höchst mittelmässigen und kleingeistigen Vorlesungen über das Wesen des Christentums. Nun ist es um Harnack ganz mäuschenstill geworden, und das Wort — nein, das Geschrei — haben die andern, von dem toten Kalthoff über Drews, Maurenbrecher und die Ihrigen, bis zu Jatho. Später schrieb ein getaufter Wiener Jude, ein Mensch von krankhafter, Veranlagung ein Buch, voll der unglaublichsten Beschimpfungen des Judentums und der Juden, von deren Wesen und Seele er nicht die leiseste Ahnung hatte. Eine geraume Weile galt das Machwerk, besonders in gewissen Kreisen der Wiener jüdischen Jugend, als das letzte Wort der Wissenschaft, dessen Unfehlbarkeit nur Banausen in Zweifel zu ziehen wagten.. Seit einigen Jahren gehen die Sombartwogen hoch. Und man muss es dem Professor an der Berliner Handelsakademie zugestehen: er hat sein Geschäft viel geschickter lanciert als alle seine Vorgänger zusammen. Sein dickes Judenbuch mitsamt den beiden dünnen, die sozusagen Agenten und Werber des erstem sind, „gehen" — und kommen mit „vollen Händen" zurück. Das Unternehmen ist glänzend. Man sieht, der Einfluß des Juden auf das Wirtschaftsleben ist groß — und garnicht so übel. Aliein, das vorliegende, eines der zwei dünnen Judenbücher, trägt, wohl zunächst aus geschäftlichen Gründen, den Namen Sombart an dar Stirn, der eigentliche Anreger und Herausgeber, sozusagen der stille Kompagnon aber ist ein Herr Dr. Artur Landsberger. Diesen Herrn bangt es um unsere Zuknnft, und er fragt daher bei allen Größen Deutschlands herum, was denn aus uns werden solle. Unsere Vergangenheit hat er olfenbar schon so gründlich erforscht, daß ihm nur noch die Ergründung unserer Zukunft übrig bleibt. Das ganze Buch hindurch werden wir bei lebendigem Leibe geschunden, seziert, analysiert, daraufhin untersucht, ob wir ein Recht haben, gleich anderen Zweifüßern auf Gottes Erde zu wandeln und die Sonne zu schauen. Und das alles, um die beunruhigende Neugierde des Herrn Dr. Artur Landsberger zu befriedigen! Wer ist denn dieser so neugierige Herr? Vergebens sucht man seinen Namen unter denen, die in Deutschland so Grosses und Unvergängliches in der Erforschung des Judentums geleistet haben. Und man erinnert sich mit nicht geringem Unbehagen, dass derselbe Herr in dem „berühmten" Wertheim-Metternich-Prozess erst im vergangenen Herbst eine bedeutsame Holle gespielt hat. Er war nicht dabei, aber seine Ehre war dabei, wie ein jüdisches Sprichwort sagt. Der alsol Er ist es, dem unsere Zukunft schlaflose Nächte macht; es lässt ihn nicht ruhen, bis sämtliche Prophetenjünger Deutschlands uns das Horoskop gestellt haben. Der Vorgänger der diversen Metter- und Fetternichtse in der Gunst der Dolly Pinkus! . . Zum Teufel hinein! Ich bin nicht zimperlich, aber wer meinen Leib antasten will, muss saubere Finger haben. Der Alkoven der Madame Truth Wertheim ist nicht das Milieu, aus dem unsere Seher und Deuter hervorgehen sollen. Wir müssen es uns sehr nachdrücklich verbitten — es ist höchste Zeit dazu! — dass jeder beliebige Hergelaufene sich zum Richter über uns, zu unserem Retter und Wegweiser aufwerfe. Herr Dr. L. versichert uns, dass Sombart in ■ seinem dicken Judenbuch, „das schlechthin wichtigste Problem der modernen Kultur wissenschaftlich erschöpfend behandelt habe". Wer ist zu solchem Urteil berufener als der gottbegnadete Dichter des „Grossfürsten"? Und er hofft, dass das Buch „vielleicht einmal den Ausgang bei der Lösung des Jadenproblems abgeben wird." Gott wird uns hoffentlich davor bewahren. Viel ungleich dickere Judenbücher haben diesen Anspruch erhoben, sie sind alle zu Moder geworden, und das Juden problem wird ewig ungelöst bleiben, weil es ewig Juden geben wird. Das ..Judenproblem" aber fasst dieser tiefe Judentumskenner in drei Fragen zusammen: 1. Welches sind die voraussichtlichen Folgen im Falle der Assimilation der Juden durch Uebertritte und Mischehen? 2. Welches sind die voraussichtlichen Folgen der Verwirklichung der zionistischen Idee für die judenreinen Staaten einerseits und für den Judenstaät anderseits? 3. Was geschieht, falls weder 1 noch 2 eintritt? Sind Konflikte zu befürchten? Und welcher Art werden diese sein? — Diese Fragen hat Herr Dr.L. einer Reihe vonTagesgrössen vorgelegt. Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege sind schon viele Welträtsel gelöst worden. Z. B: Wann beginnen die Frauen zu altern? Darf eine.Dame auf der Strasse Pakete tragen? Welches Ereignis des abgelaufenen Jahres betrachten Sie als das erfreulichste? . . . Auf die Zukunft und das Sollen des Judentums angewendet, ist diese Methode jedenfalls originell. Der verabschiedete Gemahl der Dolly Pinkus setzt uns Juden förmlich die Pistole an die Biust. Der Gedankengang ist olfenbar folgender: Die Staaten der Welt müssen um jeden Preis judenrein werden. Uns Juden bleibt also nur übrig, aufzuhören zu existieren. Entweder wir machen, dass wir fortkommen, wir trollen uns weg nach dem Judenstaat, oder dorthin, wo der Pfeffer wächst, einerlei. Oder wir geben uns Mühe, durch Taufe und Mischehe aus der Welt zu verschwinden. Sonst . . . nehmt euch in acht! Es gibt Konflikte. Dabei bekennt Herr Dr. L. sich zur strammsten und starrsten Orthodoxie. „Ich bin ein entschiedener Gegner jeder Assimilation in jedweder Gestalt!" ruft er in die Welt hinein. Es überläuft einen kalt beim Anblick solch rigoroser Tugend. Der Mann ist ein viel strengerer Jude, als die strengsten Taimudisten und die Rabbiner des Mittelalters. Ersteren schwebte als Ideal vor, dass einmal die Schönheit Griechenlands in den Zelten Sems eine Stätte finde, sie wünschten also, dass die Juden die höshsten Werte der griechichen Kultur sich assimilieren. Die letzteren waren die dankbaren und gelehrigen Jünger fremder Kulturen, deren kräftigste Elemente sie dem Geistesbesitz ihres Volkes einzuverleiben sich bemühten. Sie sagten:

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