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Ost und West · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Date
1912-10-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Osi^ÄesT: ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert VO0 LEO WINZ. Alle. Rechte vorbehalten. Heft 10. Oktober 1912. XII. Jahrg. UEBER NERVOESE ENTARTUNG BEI DEN JUDEN. Von Dr. Arnold Kutzinski, Oberarzt an der Nervenklinik der Charite. — Berlin. [ Unter dem Einfluss der neueren Tatsachen ist man allmählich zu einer Umgestaltung des Problems der nervösen Entartung gekommen. Diese Umgestaltung ist natürlich für die Beurteilung der Lebensfähigkeit der jüdischen Rasse von höchster Bedeutung. Im Nachstehenden soll ein Ueberblick über die jüngsten Erfahrungen gegeben werden. Diese haben gezeigt, dass die Verhältnisse viel komplizierter liegen als Morel, der Begründer der Entartungslehre, angenommen hat. Der Begriff der Entartung ist verschwommen und unklar und als solcher oft missbraucht worden. Die Unklarheiten aufzudecken, ist der Zweck der zusammenfassenden letzt erschienenen Darstellung des Materials durch Burnke.*) Betrachtet man als Entartung die von Generation zu Generation zunehmende Verschlechterung der Art, so äussert sich diese in unzweckmässigen Abweichungen vom. Typus. Ihr Zustandekommen könnte nun nur durch die Wirkung äusserer Faktoren, oder durch die Uebertragung ungünstiger krankhafter Eigenschaften von einer Generation auf die andere, oder durch das Zusammentreffen heider Momente erfolgen. Wenn man früher das Vorkommen fortschreitender nervöser Entartimg aus erblichen Ursachen als selbstverständlich annahm, so haben die heutigen Forschungen diese Annahme sehr erschüttert. Die Frage der Entartung steht und fällt mit der Möglichkeit, ob erworbene Eigenschaften auf die Nachkommen vererbt werden können. Es kann an dieser Stelle natürlich nur auf die allgemeinsten Feststellungen hingewiesen werden. Zahlreiche experimentelle Tier- und Pflanzenuntersuchungen haben den Beweis der Uebertragung zu bringen versucht. Bisher ist eine entscheidende Beweisführung im positiven Sinne noch nicht gelungen. Die erbliche Uebertragung durch Uebung und Gebrauch erworbener *) Anmerkung. Bumke über nervöse Entartung. J. Springer. 1912. Eigenschaften wird auch von den heftigsten Anhängern der Uebertragungslehre nicht behauptet. Wenn Semon eine Uebertragung in Form der Dispositionen für möglich hält, so liegt auch diese nur im Bereich der Hypothese. Das steht aber andererseits fest, dass exogene Momente, wie Klima, Ernährung, chemische Prozesse u. a. einen Einfluss auf die Entstehung des Individuums ausüben. Diese Faktoren können neue Eigenschaften hervorrufen, aber das berührt nicht die eigentliche Frage der Vererbung. Das Milieu verändert nur die Keimzellen. So kommt es, dass Gifte wie Alkohol und Syphilis zu einer Entartung der Kinder führen. Hier handelt es sich also um direkte Keimschädigungen, aber nicht um eine Vererbung im eigentlichen Sinne. Den Beweis erbringen schon klinische Tatsachen, wie die z. B., dass der Alkohol Eltern und Kinder gleichzeitig beeinflusst, aber doch jeden Teil für sich, und meist mit verschiedener Wirkung. Es scheint, als ob die bereits zitierten Tierexperimente nur eine solche Keimschädigung nachgewiesen haben. Aber das ist etwas anderes, als wenn man, um die Worte Weissmanns zu gebrauchen, meint, „der Organismus vermöge Veränderungen, welche durch äussere Anstösse an ihm geschehen, derart auf die Keimzellen zu übertragen, dass sie in dem kommenden Geschlecht wiederum zu derselben Zeit und an derselben Stelle des Organismus sich entwickeln, wie es bei dem elterlichen Organismus geschehen ist/' Die Frage, ob die Keimvergiftungen zu einer Entartung führen, ist zu bejahen. Aber ob die dadurch für eine Rasse bedingte Gefahr so gross ist, wie es oft dargestellt wird, erscheint nach der Zusammenstellung Bumkes zweifelhaft. Erfahrungsgemäss wird der dauernden Keimschädigung ein Ziel gesetzt dadurch, dass in verseuchten Familien eine höhere Sterblichkeit besteht. Wichtiger ist die Frage, ob die Vererbung von Geisteskrankheiten die Möglichkeit einer Entartimg

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