Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 8 (August 1912)
- Article
- Die Israeliten von Fez
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 761 - 762 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2583875-2584019-2584028-2601506--13436-2601596- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
761 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten von Fez. 762 10 Tagen werden wir ein vollständiges * Verzeichnis haben, ans dem wir einen Ueberblick über die gesamten im Mellah erlittenen Verluste gewinnen können. Die Arbeit der Schadensersatzkommission wird os sein, die einzelnen Ansprüche zti prüfen. Ich werde meinerseits, um Ihnen möglichst genaue Auskunft zu geben, eine persönliche Umfrage über die Grösse des Unglücks einleiten und Urnen sodann den Gesamtbetrag der geforderten Entschädigungen mitteilen. Elmale h. Hanekine. Ich gestatte mir, Ihnen ergebenst zu berichten, dass bei der offiziellen Eröffnung der Alliauceschule in Hanekine die Lokalbehörden Ihrer Schule in reichem Maass ihre Symphatien bezeigten. Um dieses Ereignis festlich zu begehe», hat im Schulgebäude eine kleine Feier stattgefunden, die bei der gesamten Bevölkerung einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Der Kaimakam, alle Beamte des Palastes, mehrere Offiziere, sowie die angesehensten Israeliten und Muselmanen haben es sich nicht nehmen lassen, der Eröffnungsfeierlichkeit beizuwohnen. Bei der Ankunft der offiziellen Persönlichkeiten stimmten unsere im Schulhof aufgestellten Schüler die Nationalhymne an. Einer unserer Schüler verlas in türkischer Sprache eine Begrüssungsrede und dankte den Erschienenen, dass sie der Schule die Ehre ihres Besuches schenkten. Er sagte, dass dieser Tag ein denkwürdiger sei, denn die neue Allianceschule würde Wissen und Bildung verbreiten, die das einzige bisherige Schulerablissement nicht in ausreichendem Mass hat vermitteln können. Er richtete gleichzeitig an die RegierungsVertreter die Bitte, uns einen Lehrer der türkischen Sprache zur Verfügung zu stellen, damit die Landessprache, wie in den gleichartigen „Ruchdich" (Mittelschulen) genannten Schulen auch in unserer Schule gelehrt werden könne. Mit einem Hoch auf den Sultan, das von unseren in tadelloser Haltung verharrenden Schülern wiederholt wurde, endete die Ansprache. Alle Anwesenden schienen von den Kindern, die erst kurze Zeit unsere Schule besuchen, einen günstigen Eindruck erhalten zu haben. Der Kaimakam Hess durch den Direktor des öffentlichen Unterrichts - wesens in Hanekine seine Freude darüber aussprechen, dass dank der Alliance Israelite Unterricht eingeführt und verbreitet würde. Er versprach die Unterstützung der Behörden zugunsten Ihies Werkes, das in so ausgezeichneter Weise zur intellektuellen und moralischen Hebung eines grossen Teils der ottomanischen Bevölkerung beitrage. Die Schüler forderte er auf, sich die ihnen unerwartet zugefallene Chance zunutze zu machen, die ihnen dank den erlangten Kenntnissen die Möglichkeit bietet, einst Staatsämter zu bekleiden und an der Fortentwickelung des Vaterlandes mitzuarbeiten. Zum Schluss ermahnte er die Bevölkerung, der Schule jede materielle und moralische Förderung angedeihen zu lassen, um die Entwicklung dieses zivilisatorischen Werkes zu begünstigen, das berufen sei, der ganzen Stadt wertvolle Dienste zu erweisen. Die bis dahin schlichte Feier erhielt ein feierliches Gepräge, als ein einflussreicher Scheik ein arabisches Gebet sprach, in dem er Gott für die Einrichtung einer Schule durch die Alliance in Hanekine dankte. Er betete zum Alimächtigen für das gute Gedeihen Ihrer gesegneten Werke. Dieses Gebet, ebenso wie das von einem unserer Rabbiner gesprochene „Hanotem Teschuha Lamelaklim" wurde stehend angehört. Zwischen den einzelnen Reden sang unser Schülerchor türkische, arabische und hebräische Gesänge. Als die Feier beendet war und die Gäste sich gerade entfernen wollten, erschien der Platzkommandant. Der Kaimakam und sein Gefolge kehrten mit ihm nieder zurück in den Schulhof, wo die Kinder zum Fortgehen bereit standen. Der Kommandant ergriff das Wort zu einer türkischen Ansprache. Er bedauerte, die Feierlichkeit versäumt zu haben und ermahnte die Schüler, fleissig zu arbeiten, damit sie einst aufgeklärte Bürger werden, würdig, ihrem Vaterland zu dienen. Er empfahl den Anwesenden, das Schul werk zu fördern. Dem Vaterland würden sie dadurch den gleichen Dienst erweisen, wie der Soldat, der ihm sein Blut opfert. Da der Kommandant Französisch versteht, Hess ich durch einen unserer Schüler ein kleines patiiotisches Gedicht in dieser Sprache aufsagen. Ich dankte ihm sodann für seinen Besuch und für seine tiefempfundenen Worte. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass diese Feier das Ansehen Ihres Werkes bei der Bevölkerung noch erhöht hat. Sie hat auch dazu beigetragen, dass die stolzen kurdischen Mitbürger unseren Glaubensgenossen, die sie bisher als „quantite negligeable" betrachteten, mehr Achtung entgegenbringen. m- Die vier Temperamente JDer Jkngtzäazker Jkrtble^aafikxr i>^ff5.y!W^^wr^^ai'f^.1^