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Ost und West · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 753 - 754

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Article
Das Hohe Lied
Date
1912-08-01
Page
Seite 753 - 754 (sequence 2)
Language
German
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753 Arno Xadcl: Das Hohe Lied. 754 Es ist, wie ich bereits bemerkt habe, die feine Kultur, die Bestimmtheit, die Bedächtigkeit um und um, das intime Wissen in gut poetischen Dingen, über die man nicht erst sprechen möchte. Und darum wollen wir einigem der Reihe nach folgen. „Sch'chauro" sollte, wie es wohl alle tun, mit „echwarz" übersetzt werden. Das Schwarze steht der Geliebten dieses Liedes besser als Braun. Dafür aber ist am Ende dieses zweiten Gedichtebens etwas Hübsches vom Dichter hinzugefügt worden. Der Reim liess den Dieb entschwinden, und das macht sich ausgezeichnet, zumal der Entflohene im nächsten Vers nach seinem Aufenthalte gefragt wird. Der biblische Dichter singt: „Sie haben zu einer Hüterin der Berge mich gemacht; Meinen Garten aber hütete ich nicht.'4 Unser Dichter: „Ihren Weinberg sollt' ich hüten vor des Diebes Hand, Und icli wachte trou und sorglich über Flur und Land: Aber meinen eignen Weinberg, der in Blüte stand, Diesen hab' ich nicht behütet — und der Dieb entschwand." Im dritten Gedicht sollte für „Gemüt/' ein anschaulicheres Wort stehn. Der Abschnitt, der da beginnt: „Auf meinem Lager in den Nächten sucht ich, den meine Seele liebt; ich sucht ihn, doch ich fand ihn nicht" reizte Ehrlich zu einem zierlichen, fünfstrophigen Refrainlied, Der Refrain lautet: „Ihn, den meine Seele liebet, liebt mit ganzer Macht, Sucht' ich, doch ich fand ihn nirgends in der dunklen Nacht." Die Uebertragung folgender unheimlich grossartigen Stelle des Originals wollen wir hier als eine Hauptprobe ganz hinsetzen. Original: „Was ist's, das da heraufsteigt aus der Wüste Wie eine Rauchsäule! Gespeist mit Myrrhe und Weihrauch Und mit aller Spezerei des Krämers. Siehe das Bett Salomos! ' Sechzig Helden umringen es, von den Helden Israels. Alle schwertumgürtet, streitgelehrt. Ein jeder sein Schwert an seiner Hüfte, Wegen des Schreckens der Nacht/' Dichtung: „Was ist dort herauf gestiegen an der Wüste Rand, Wie vom Altar Myrrhen wallen bei des Opfers Brand * Wie in würzgetränkten Ringen steigt des Rauches Band, Wie sich Düfte aufwärts schwingen zu der »Sterne Land? Sieh! Des Königs Ruhestätte, drin der Sehlummer lacht, Salomos geweihtes Bette, reich an Lust und Pracht! Sechzig Krieger um die Wette halten gute Wacht, Auserwählte Heldenkette aus des Volkes Macht. Alle stehn in voller Rüstung ihrer Waffenpracht; Alle mögen kühnlich streiten in der Männerschlacht; Alle strecken ihre Schwerter, geben sorglich acht, Dassihn nicht die Schauer schrecken, grauer Wüstennächt." Der Anfang des sechsten Kapitels ist blass geraten. Wie köstlich klingt das Lied: „Ich bin meines Freundes und mein Freund ist mein, Der unter Rosen weidet!" Wie matt die Uebertragung: „Mir ist meines Freundes Leben ganz und gar geweiht, Und ich habe mich ergeben ihm in Lust und Leid; Lieb um Liebe schafft Entzücken holdem Wechselstreit, — Und wir wollen Rosen pflücken in der Rosenzeit." Auch die Umstellung am Ende dieses Kapitels Der Dichter hätte besser ersten Vers des siebenten hätte. Der darf nur als Namen Sulamith im Auf- Und nun möge das Seh Wissel er Wucht des Textes, .des Schlüsse Vignette (Stark verkleinert). ist nicht ganz begreiflich getan, wenn er sich den Kapitels nicht verscherzt Anfangszeile — mit dem takt — verwendet werden, gedieht folgen, das wegen Nachdichters ganzes Geschick forderte. Original: „Drücke mich wie ein Siegel an dein Herz, Wie ein Siegel an deinen Arm Denn etark wie der Tod ist Liebe, Eifer schwer wie das Grab. Ihr Brand ist Feuerbrand, ist Gottesflamme. Alle Wasser vermöchten nicht die Liebe zu verlöschen, Und Ströme ertränken sie nicht. Wollte ein Mann alle Habe seine? Hauses hingeben, Man würcl' ihn verachten.'4 Dichtung: „Drücke fest mich ^vie ein Siegel, an dein heiles Herz, Dass ich ewig da verharre, wie geprägt in Erz! In die Arme wie ein Siegel drück' mich busenwärts, Dass ich ewig, dir verschmolzen, teile Lust und Schmerz! Mächtig ist der Liebe Walten, mächtig wie der Tod; Starr der Leidenschaft Gewalten, wie die tiefste Not: Eine Flamme, die vom Himmel feurig niederloht, Eine Glut, die Leben zündet und Vernichtung droht. Heissen Liebesbrand versenket keine Wasserflut; Keines Stromes Sturz ertränket seine heil'ge Glut: Wem der Liebe Himmelsgabe tief im Herzen ruht, — Nichtig ist ihm jede Habe, wertlos alles Gut" Und nun noch ein Wort für den sehr talentierten jungen Zeichner Menachem Birnbaum, der das prächtige Bändchen prächtig ausgestattet. Seine Tier-, Blumen- und Fruchtornamente, die er zu apart wirkenden Rändern verwendet hat, zeugen von hervorragendem Geschmack. Die grosse Scliltissvignette ist nicht genügend einleuchtend, das Blumengewinde, welches die Saiten der schönen Harfe zusammenzieht, liegt zu flach auf und stört die gute Wirkung des schwarzen Sternenhimmels. Formvollendet hingegen ist die grosse Titelzeichnung mit den Pfauen und von den gelungenen Leisten die feinhaarige mit. den Zedernzapfen. Man darf den neuen Künstler auf diesem eigentümlichen, vornehmen Gebiete mit vieler Hoffnung für die Zukunft froh begrüssen.

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