Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 8 (August 1912)
- Article
- Arzt und Patient in der Medizin des Maimonides
- Date
- 1912-08-01
- Page
- Seite 749 - 750 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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749 Dr. Kroner: Arzt und Patient in der Medizin des Maimcmides. 750 zu Gebote stehenden den besten auswählen zu können, deiin proportional zur grösseren Auswahl von Aerzten steht die geringere Wahrscheinlichkeit eines medizinischen Irrtums (Regimen sanitatis II). Damit soll aber durchaus nicht ein blinder Glaube, ein Einschwören auf die Unfehlbarkeit des Arztes gepredigt werden. Weder der Arzt noch sein Medikament soll mit überirdischer Wunderkraft ausgestattet gedacht werden, seine Verordnung hat gewiss nicht die Zaubermacht eines Allheilmittels, sondern der Erfolg derselben soll von dem kontrollierenden Arzte und ebenso von dem Patienten genau überwacht und immer von neuem festgestellt werden. Diese Mahnung an die Vernunft und Intelligenz seines Publikums lässt Maimonides in seinen Werken regelmässig mit einer Dringlichkeit ergehen, die uns lesende Nächwelt immer wieder mit Sympathie, ja mit Bewunderung für diesen Mann erfüllt und ausserdem den grossen Wert hat, uns eine Bestätigung jener Selbstbescheidung und jener wahren Religiosität zu bieten, für die das herrliche Gebet einen so beredten Ausdruck gefunden hat. Ein gewisses Mass von festem Vertrauen soll jedoch jeder Patient seinemArzte entgegenbringen, ohne dieses kann der Patient für seine Heilung nicht die rechte Sorge tragen. Maimonides beklagt sich schwer über diejenigen Patienten in seiner ägyptischen Praxis, die von Arzt zu Arzt laufen und von jedem ein Rezept sich verschreiben lassen. Vierfache Schäden verursachen solche Aerzteläufer (Asthma XIII): 1. Es entsteht eine Verwirrung für den Patienten, der doch sicherlich nicht die Fähigkeit der Entsch eidung üb er die Nützlichkeit des Rezeptes hat und sich wahrscheinlich nach dem Arzte am liebsten richtet, der die wahre Sachlage nicht kundgibt. 2. Es entsteht eine Verwirrung für den Arzt. Schlägt sein Mittel an, so geht er seines Weges, ist es nicht der Fall, so kommt ein zweiter und dieser versucht dann die Mittel beider. 3. Es entsteht eine Verleumdung (Ausgestellt auf der Bayerischen Gewerbeschau, ARNOLD ZADIKOW. Sandalenbinderin. der Aerzte untereinander, der eine sucht den Wert des andern herabzusetzen und beschuldigt ihn des Irrtums. 4. Der Eifer des Arztes und seine Gewissenhaftigkeit lässt nach. Geht es dem Patienten gut, so wird er nicht allein gelobt, geht es ihm schlecht, so wird er nicht allein getadelt. Daher gibt sich der Arzt auch keine Mühe mehr, das zu tun, was er zweifellos für recht hält, denn jedes Selbstvertrauen ist ihm geschwunden. Im Zusammenhang damit bemerkt Maimonides zu dem Grundsatze des Arztes Arrazi (gest. 923): „Wer viele Aerzte benutzt, sammelt das Unrecht vieler." Dieser Satz hat seine Gültigkeit in dem Falle des getrennt erfolgenden Herbeiziehens der Aerzte. Ist aber ein gemeinsames Konzilium von Aerzten vorhanden, wie es bei Fürsten üblich ist, so besteht der Satz nicht zu Recht, denn im Gegenteil, durch die Aussprache der Aerzte klärt sich das Problem der Krankheit und die Frage der Behandlung, denn der eine regt den andern an und erinnert ihn, und die Summe des Wissens ist hier von Segen, „da sammelt man den Vorteil vieler Aerzte". Jedoch fügt Maimonides bedeutsam hinzu: „Siehst du aber, wie diese versammelten Aerzte sich gegenseitig an Wissen und Erfolg nur überbieten und sich Konkurrenz machen wollen, so dass keiner mit der wahren Absichtlich zu heilen, kommtr so rate ich dir, entziehe dich ihrem Rate, halte sie dir alle vom Halse und befolge die Heilkraft der Natur! Ich habe hier den Maimonides fast mit seinen eigenen Worten angeführt, um die Festigkeit und den hohen sittlichen Ernst der Sprache zu zeigen, die auch besonders zum Schluss es an ungeschminkter Offenheit und Drastik nicht fehlen lässt. Für uns ist das aber auch deshalb so wichtig, weil wir hier den Mann wiederzufinden glauben, der die Gedanken des Gebetes, dass der Arzt nach Vermehrung des Wissens strebe, gerne ', von Grösseren sich belehren lasse, aber durchaus nicht von Ehrgeiz oder anderen* unlauteren Beweggründen sich leiten lasse, in das MUENCHEN. Leben der wirk- — Silberstatuette. liehen Praxis um- Jlünchen.) (Siehe Text Seite 771/772.) gesetzt hat.