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Ost und West · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 745 - 746

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Article
Arzt und Patient in der Medizin des Maimonides
Date
1912-08-01
Page
Seite 745 - 746 (sequence 2)
Language
German
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745 7i6 ARZT UND PATIENT IN DER MEDIZIN DES MAIMONI DES Von Dr. Kroner, Oberdorf-Bopfingen. (Nach handschriftlichen Quellen.) Die Frage, ob das ergreifende Gebet des Maimonides vor seinem Gange in die Praxis, das uns auch das fleissige und orientierende Buch von Dr. J. Münz (Maim. als medizin. Autorität, Trier 1895) auszugsweise wiedergibt, wirklich Maimonides zum Verfasser hat, ist auch heute noch eine offene, und mit Professor Pagel (Maimuni als medizinischer Schriftsteller, S. 244) wünschen sicher alle Freunde der Wissenschaft, dass das Original dazu endlich einmal entdeckt werde. Dem Geiste nach, der das Gebet durchweht, gehört es ganz und gar der Denkart und der Gefühlswelt des Maimonides an. Die Hoheit der Gesinnung, die erhabene Auffassung, die den dem Menschen zu leistenden Dienst des Arztes als eine Art Gottesdienst betrachtet, der dem menschlichen Künstler bei aller seiner Bedeutung immer wieder seine menschliche Ohnmacht und Unzulänglichkeit in Erinnerung bringt und so den Arzt zur Selbstbescheidung zwingt, andrerseits aber seine geistigen Kräfte anspornen lehrt, um immer weiter in der menschenliebenden Kunst fortzuschreiten, entspricht ganz dem Seeleaadel jenes Geistesheroen. Die Innigkeit des Gefühles, mit der in dem Kranken nur stets der Mensch und seine Hilfsbedürftigkeit erkannt werde, für die der Arzt sein warmes Herz, seine ganze Gewissenhaftigkeit, sein ernstes wissenschaftliches Können mitbringen soll, das frei von aller Afterkunst, frei von allen Neben- und Sonderinteressen nur dem Berufe dienen soll, dem Kranken zu helfen und ihm Vertrauen zum Arzte einzuflössen, stimmt ganz zu der Art maimonidischen JUR[J PAEX- W1TEB3K. Der Heiratsvermittler. JÜRIJ PAEN. WITEBSK. Alter Jude beim Korb mit Kringeln eingeschlafen. Empfindens und Urteilens über Pflichtbewusstsein und Gewissen. Endlich kann die bescheidene Auffassung von dem eigenen Werte, die neidlose Anerkennung grösserer und erfahrener Meister, die Bitte um Milde und Sanftmut beim Hohne und Spotte der Kollegen gut als ein Spiegelbild des Charakters des Maimonides erscheinen, dessen weitgehende Selbstlosigkeit in wissenschaftlichen Dingen sein eigener Sohn Abraham Maimonides in dein soeben von Dr. Eppenstein herausgegebenem Werke Genüge der Gottesdiener" in bewundernden Worten anerkennt. Mehr als dieser Schluss aus der Kenntnis der Persönlichkeit des Maimonides selbst kann uns aber ein Einblick in seine medizinischen Schriften darüber belehren, wieweit die Gedanken des Gebetes Eigentum des Maimonides genannt werden können. Maimonides hat in seinen medizinischen Abhandlungen so oft Anlass genommen, über den Beruf des Arztes und seine Pflichten, zugleich über das Verhalten des Patienten zu sprechen, so dass es von grösstem Interesse sein dürfte, einmal aus seinen eigenen Werken seine diesbezügliche Auffassung des Nähern kennen zu lernen. Sollte sich dabei ergeben, dass der Geist des Gebetes in ihnen sich kundgibt, so soll das für uns eine freudige Erkenntnis sein, die uns das Recht gibt, an die Wahrheit der Autorschaft des Maimonides um so überzeugungsvoller zu glauben. Zuerst der Beruf des Arztes! Die Erkenntnis von der. Mangelhaftigkeit menschlichen Wissens und der Vollkommenheit göttlicher Weisheit ist nach Maimonides für den Arzt die Grundbedingung für die Bewertung seiner Kunst. Diese wichtige Lehre weiss schon der äussere Rahmen jeder medizinischen Ab-

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