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Ost und West · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 741 - 742

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Article
Der Ersatz
Date
1912-08-01
Page
Seite 741 - 742 (sequence 2)
Language
German
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741 Dr. Max Steif: Der Ersatz. 742 JÜRIJ PAEX. Ehescheidung. WITEBSK. selbst ein Niehtfachmann einsehen, konnte doch unmöglich jene Harmonie von Tönen erzielt werden, die hervorzubringen nun einmal jeder halbwegs gewissenhafte Schofarbläser den Ehrgeiz besitzt. — Nun, für Zähne lässt sich ja glücklicherweise leicht ein Ersatz finden. Die Sache erfuhr nur in diesem speziellen Falle dadurch eine gewisse Komplikation, dass jetzt die sicherlich nicht so ohne weiteres zu lösende Frage eintrat, wer eigentlich die Kosten für ihre Neuanschaffung zu tragen habe. Denn, was Jacob Eisinger betrifft, so liess er keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er für seine Person sich auch mit einem lückenhaften Gebiss zu behelfen wissen werde, und dass es darum nur im ausschliesslichen Interesse der Gemeinde gelegen sei, behufs einwandfreier Vornahme der heiligen Funktion des Schofarblasens für eine sofortige Behebung besagten Uebelstandes Vorsorge zu treffen. Aber gerade dieses geflissentliche Ausschalten eigener Vorteile liess bei manchen den leisen Argwohn nicht zurückdrängen, dass Eisinger, die günstige Gelegenheit erfassend, es mehr oder minder absichtlich an der nötigen Energie zur Ueberwindung jenes „störenden Fehlers" mangeln lasse, um solchermassen auf die billigste Weise der Welt in den Besitz neuer Zähne zu gelangen. — Genug, es ist leicht begreiflich, dass ein solches nicht alltägliches Geschehnis alle Gemüter in immer steigendere Erregung versetzen musste und einen hinlänglichen Grund dafür bildete, dass selbst die übliche Tarokpartie im Kaffeehause David lmbers einen vorzeitigen Abbruch erfuhr. Wie konnte auch jemand ganz bei der Sache sein, wo die Gedanken immer nach einer ganz anderen ^Richtung Jim abgezogen wurden! Moriz Ellinger, Besitzer eines wohlassortierten Lagers diverser Leinenzeuge und Kattune, der in allem gleich ein Attentat auf die eigene Tasche witterte, fand es einfach empörend, die Gemeinde zu solch unerhörten Auslagen heranziehen zu wollen. Man leiste ja das menschenmöglichste an Opfern, aber alles habe seine Grenze! — Moriz Ellinger dachte dabei an jenen nicht seltenen Konflikt, der sich regelmässig in seinem Innern abzuspielen pflegte, wenn er an den Feiertagen mit einer „Alia" (Aufruf zur Thora) beehrt wurde, welche Ehre ihm durch den Gedanken an die damit immerhin verbundenen Auslagen vergällt wurde. Und da es nicht gut anging, kurzweg abzulehnen, so wurden aus den fünf Kronen, die zu spenden er sich bei Erhalt der „Alia" schweren Herzens endlich abgerungen (man sollte wissen, wer Moriz Ellinger sei!) während des Hinaufgehens zur Thora nur drei, um schliesslich, wenn der Kantor beim „baacour sch'nodar (bei der Spendenangabe) sein horchendes Ohr ihm zuneigte, glücklich bei einer Matono (beliebige kleine Spende) anzulangen. „Wir werden mit Eisinger nicht so bald fertig werden," rief er, sich in Eifer hineinredend, aus. „Heute verlangt er von uns neue Zähne, wer bürgt uns dafür, dass er nicht morgen von der Gemeinde ein neues Kleid für seine Frau verlangt, weil sie ihn sonst nicht in den Tempel gehen lässt?" „Das allereinfachste wäre es," liess sich jetzt der ein wenig als Spötterverschrieene Lederhändler Elkan Fischl vernehmen, „man verschreibt sich aus Wien eine Grammophonplatte mit einer Aufnahme vom besten Schofarbläser. Das würde gewiss auch nicht viel mehr als die neuen Zähne kosten. Was

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