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Ost und West · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 679 - 680

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Article
Adrianopel
Date
1912-07-01
Page
Seite 679 - 680 (sequence 2)
Language
German
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679 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Aus den Schulen der Alliance. 6S0 ungefähr 450 Franks. 28 800 Franks sind an sich gewiss eine sehr bedeutende Summe, aber wie gering im Vergleich zu den damit erzielten Erfolgen! M i t r a n i. * * * Cavalla. (Europäische Türkei.) Die Beziehungen zwischen unserer und der griechischen Gemeinde sind immer sehr herzliche gewesen; der griechische Erzbischof hat uns vor kurzem einen neuen Beweis davon gegeben, indem er bei der Beerdigung der Gattin eines Notabein unserer Gemeinde an der Seite des Grossrabbiners an dem Leichenzuge teilnahm. Die sehr fanatische griechische Bevölkerung schien sehr überrascht, dass ihr geistiges Oberhaupt der Leichenfeier einer Jüdin beiwohnte und der bei solchen Gelegenheiten' üblichen Liturgie folgte. Dies war nicht das erstemal, dass der Erzbischof den Israelisen sein Interesse bewies. Bei Gelegenheit meines Neujahrsbesuches sprach er mir seinen Wunsch aus, unsere Schulen zu besichtigen, von denen er, wie er sagte, sehr viel Gutes gehört hätte, und am 15. Januar stattete er uns in Begleitung unseres Oberrabbiners den versprochenen Besuch ab. Zwei Stunden lang hat unser vornehmer Besucher ohne die geringste Ermüdung unsere drei Klassen besichtigt, hat den verschiedensten Unterrichtsstunden beigewohnt und ganz besonders die griechischen Schüler unserer Anstalt selbst examiniert. Am längsten hielt er sich in der obersten Klasse auf, deren Schüler er in allen Gegenständen befragte. Die Schüler beantworteten alle an sie gestellten Fragen mit so grosser Genauigkeit, dass die Freude darüber deutlich auf dem Antlitz des verehrten Gastes zu lesen war. Vor seinem Fortgehen verzeichnete der Erzbischof in dem Goldenen Buch der Schule in griechischer Sprache die Eindrücke, die sein Besuch ihm gemacht hatte. Ich will versuchen, sie Ihnen in Uebersetzung wiederzugeben: ,,lch habe heute, am 2./15. Januar 1912 in Begleitung des religiösen Hauptes der Gemeinde die israelitische Schule dieser Stadt besucht. Mit grosser Befriedigung bin ich dem Unterricht in einigen Klassen gefolgt und habe auch die Haltung der Schüler in der Klasse und während der Pausen beobachtet. Die Eindrücke meines Besuches kann ich in dem vorliegenden Goldenen Buch ohne Umschweife in folgende Worten zusammenfassen: Ich bewundere die Lehrmethode, die allen Anforderungen der praktischen Erziehung entspricht. Das geht aus den Antworten der Schüler hervor, die, wie ich bezeugen kann, vorzüglich gewesen sind. Auch ihr Betragen ist sehr korrekt. Ich bestätige in zwei Worten, dass die Hauptbedingungen einer wahrhaften Erziehung in dieser Schule erfüllt werden; diese Bedingungen sind nach meiner Meinung die Entwickelung des Geistes und die Bildung des Herzens. Dazu beglückwünsche ich sowohl die Lehrer wie die Schüler/' gez. M i r e a n A t h a n a s s i o s . orthodoxer Erzbischof von Cavalla. Hamadan. Der Gouverneur von Hainadan, Exzellenz Mozaffer El-Molk, hatte zu dem Noruzfeste, dem mit dem Frühlingsbeginn zusammenfallenden grössten persischen Feiertag, die Schüler und das Personal unserer Schule in sein Residenzschloss eingeladen. Mit grossem Vergnügen sind wir in Begleitung der ersten fünf Klassen der Einladung des Gouverneurs gefolgt. Ein junger Schüler hat eine in persischer Sprache abgefasste Rede verlesen, die Seiner Excellenz den Dank für seine liebenswürdige Einladung und für das wohlwollende Interesse aussprach, das er unausgesetzt unseren Anstalten erwiesen hat. Der Gouverneur führte die Schüler in den Salon und Hess ihnen Erfrischungen reichen. Dann liess er einen Photographen kommen, der die Schüler photographieren und dem Gouverneur ein bleibendes Andenken an unseren Besuch liefern sollte. Er selbst hat mit einigen seiner Beamten unter unseren Schülern Platz genommen. — In dem so interessanten Buch des Herrn Leven „Fünfzig Jahre Geschichte" lese ich eben den Bericht über die Verfolgungen und vielfachen Bedrückungen, dieder berüchtigte Seyed Abdul Medjid, traurigen Angedenkens, unseren Glaubensgenossen zugefügt hat. Bei dieser Gelegenheit scheint mir die Mitteilung angebracht, dass der Sohndieses fanatischen Priesters, dessen Name noch alle Juden von Hamadan mit Schrecken erfüllt, schon seit mehreren Jahren unsere Schule besucht. Er ist gegenwärtig in der ersten Klasse und lebt in der schönsten Harmonie mit seinen jungen israelitischen Mitschülern. Habib. * * * Saloniki. Der vor kurzem ernannte Generalgouverneur des Vilajets Saloniki, Exzellenz Hussein Kiazim Bey hat am 15. März in Begleitung des Generalinspektors des öffentlichen Unterrichts, Kiazim Nami Bey, die Moses Allatini-Schule besucht. Die Herren sind um zehn Uhr morgens erschienen und haben drei volle Stunden in unseren Klassen zugebracht. Seine Exzellenz hat die Schüler unserer einundzwanzig Klassen in den verschiedensten Lehrgegenständen examinieren lassen und hat selbst verschiedene Fragen aus dem Gebiet der Naturwissenschaften und Landwirtschaft gestellt, die sein besonderes Fach bilden; Exzellenz Hussein Kiazim Bey ist nämlich ein ehemaliger Zögling der Landwirtschaftsschule zu Montpellier. Seine Einfachheit und grosse Liebenswürdigkeit haben den Schülern schnell alle Befangenheit genommen, so dass sie die ihnen gestellten Fragen prompt und genau beantworten konnten. Der General-Gouverneur war von der frischen Intelligenz und dem ausgebreiteten Wissen unserer Kinder sehr angenehm überrascht. Er hat uns seine lebhafte Befriedigung darüber ausgesprochen und uns ausdrücklich wiederholt, dass das Zusammensein mit unseren Schülern ihm einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er sprach auch mit grosser Begeisterung von der Alliance, die er genau kennt und deren Entwickelung er seit Jahren sehr aufmerksam verfolgt hat. Er bewundert das unvergleichliche Werk, das die Alliance zur Hebung unserer Brüder in der Türkei und Nordafrika unternommen und trotz grösster Schwierigkeiten in lobenswertester Weise mit Ausdauer und Geschick durchgeführt hat. Vor seinem Scheiden erbat der Gouverneur sich das Buch, in dem

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