Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1912)
- Article
- Max Levi
- Date
- 1912-07-01
- Page
- Seite 643 - 644 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2584019-2584027-2601344--13278-2601421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
643 Karl Schwarz: Max Levi. 644 1865 in Stuttgart geboren, aus kleinen Verhältnissen stammend — das alte Künstlerlied —- hat sich das Genie Levis unter widrigen Umständen mit Sorgen und Mühen emporgerungen. Statt einer Biographie, deren nähere Angaben der Leser im X. Jahrgang dieser Zeitschrift findet, möchte ich hier zur Charakterisierung seiner Persönlichkeit das setzen, was mir ein Freund des Verstorbenen über ihn schrieb und was seine ganze Lebens- und Schaffensweise erklärt. Es j\var zu der Zeit, da sich Levi als Träger des Michael Beer-Preises in Rom aufhielt — so schreibt sein Freund — als ein Mann mit auffallend scharfen und vergeistigten Zügen in ein Cafe auf der Piazza Colonna^uf mich zuschritt und sich mir als deutscher Bildhauer vorstellte. Er habe mich als deutschen Künstler erkannt. In seltener Liebenswürdigkeit und mit glühendem Temperament sprach er mit mir über Kunst und Leben, sein treffliches Urteil und sein sicheres Auftreten, seine schlagenden Bemerkungen nahmen mioh gefangen und wir schieden an diesem Abend gleich als Freunde und sahen uns MAX LEVI. dann täglich, Levi arbeitete damals an seiner Ringergruppe mit einer so verzehrenden Leidenschaft, dass ich mir vornahmv ihn so oft als möglich von der Arbeit abzulenken und ihn zu einem Bummel in die Campagna zu verführen. Denn schon damals hegten wir alle, die mit ihm verkehrten, grosse Besorgnisse um seine Gesundheit. Und es war in der Tat erschütternd, ihn arbeiten zu sehen: mit Gewalt versuchte er die Kunst aus der Natur herauszureissen, mit Anstrengung aller Nervenfasern suchte er sich in das Modell zu vertiefen, jedes Zucken beobachtete sein scharfes Auge, denn das Momentane war ihm so wichtig, dass er bei dem geringsten Nachlassen des Modells aus dem Konzept kommen konnte und die Arbeit in höchster Erregung liegen Hess. In glücklichen Augenblicken jedoch erfasste sein scharfer Geist die ganze Energie der Erscheinung in der momentanen Bewegung. "Was Wunder, wenn er nach so intensiver Arbeit des Abends fast zusammenbrach. — Was der Freund hier von der Arbeitsweise Max Leviserzählt, beweisen am besten seine Werke selbst. AVer die brandende Seele eines Strindberg so überzeugend wiedergeben konnte, wer in die jugendliche Gestalt des David dieses Jauchzen über den Sieg legen und in der angespannten Figur des Kugelspielers das Spiel der Nerven und Muskeln zu diesem Höhepunkte steigern konnte, des Auge musste imstande sein, den feinsten Regungen des menschlichen Organismus nachzugehen und wie ein zuckender Blitz in die Tiefen der geheimsten Erscheinungen hineinzuleuchten. So äussert sich au clr Levis Talent^ vor allem in seinen Porträtbüsten, in tiefgründigen Männerköpfen wie bei dem geistigen Kämpfer Strindberg, dem \ nervös zuckenden Geheimrat Schmidt (s. die Abb. im X. Jahrg. Seite 434 und 442) und in den scharf geschnittenen Zügen eines Abraham Geiger. Eine freundlichverbindliche Pose wie in der Büste der Agnes Sorma liegt ihm lange nicht so, da sein Blick mehr dem Inneren des Menschen zugewandt ist, sei es nun, dass gewaltige Leidenschaft oder verhaltenes Lei. den — wie in der alten Bettlerin — das Thema bildet oder die Regungen anderer Seiten des Gemütes den Grundakkord des Werkes angeben. Unter den weiblichen Bild- KINTDERPORTRAITS. nissen verdient entschieden