Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Ereignisse in Fez
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 595 - 596 (sequence 8)
- Language
- German
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595 Mitteilungen der Alliance Israrlite Universelle: Die Ereignisse in Fez. 596 'Strassen verkehrten und sich allgemeinen Ansehens erfreut hatten. Ich will Sie nicht durch ausführliche Beschreibung dieser traurigen Heimkehr ermüden; das Herz!tat mir weh bei so grossem Unglück und so schwerem Leid. Worte sind nicht imstande, die Tiefe dieser Aufregung wiederzugeben. Fremde, die zufällig dem Schauspiel zusahen, hatten Tränen im Auge, und ich, der dieselben Leiden und schrecklichen Prüfungen mit durchgemacht hatte und in diesem traurigen Zug meine unglücklichen Glaubensbrüder sah, fühlte mich aufs tiefste bewegt. Unmittelbar nach ihrer Heimkehr wurden auf meine Anregung Lebensmittel — Brot, Linsen, Oel — an die gesamte jüdische Bevölkerung verteilt. Alle sind hilfsbedürftig, niemand hat mehr den geringsten Besitz. Nach der Verteilung haben wir die Israeliten mit der Reinigung ihrer Häuser und mit dem Fortschaffen der umherliegenden /Trümmer beauftragt. Wir werden vor allem darauf halten, dass die von uns vorgeschriebenen hygienischen Massregeln 'durchgeführt werden. Eine erhebliche Anzahl jüdischer Familien hat Fez verlassen und ist nach Meknes übergesiedelt. Das war vorauszusehen. Hoffentlich wird das keine definitive Uebersiedelung sein. Wir haben die Absicht, in dieser Woche eine Zählung der jüdischen Bevölkerung des Mellah vorzunehmen. Alle früheren Bewohner von Häusern, die jetzt ganz zerstört oder dem Einsturz nahe sind, haben teils in der Mdina, teils in Fez Djedid und teils bei Verwandten im Mellah Unterkunft gefunden. Mehrere Familien haben sich in den offenen Läden niedergelassen, die heute keine Waren mehr enthalten. Anbei sende ich ihnen die Uebersetzung des ..DocluV' des Sultans, das die Errichtung unserer Hilfskommission zum Gegenstand hat. „Gott allein sei gepriesen! Nur bei Gott dem Allerhöchsten, dem Erhabenen, ist Macht und Stärke! (Abdruck des kleinen Siegels S. M. Muley Abdelhafid, Sultan von Marokko.) Unser gegenwärtiges Schreiben tut kund, dass wir mit Gottes Hilfe die Bildung eines Komitees von 14 Mitgliedern anordnen, deren Namen am Rande angeführt sind, und zwar unter dem Vorsitz des zuerst genannten, unseres Dieners Tazi. Wir beauftragen dieses Komitee, die Mittel zu prüfen, wie der Lage der Juden im Mellah dieser Stadt Hilfe gebracht werden kann und alle zu diesem Zweck erforderlichen Massregeln zu ergreifen: so dass 1. das Komitee sich damit beschäftigen soll, zunächst für den Unterhalt der Juden zu sorgen; 2. soll es die Fortschaffung der zerstörten Teile des Mellah und die Reinigung dieses Stadtteils übernehmen: 3. soll es einen geeigneten Platz bezeichnen, wo die Juden für den Augenblick kampieren können; 4. soll es geeignete Vorkehrungen treffen, um die Juden und den Mellah schützen zu können. Das Komitee soll zur Erreichung der hier aufgeführten Aufgaben alle Sorgfalt aufwenden, damit das gewünschte Ziel mit den praktischen Mitteln gefördert werde. Freil! Dieses unser Dekret, das Gott gefallen möge, ist gegeben am 5. Dschuima daler des Jahres 1330 (20. April 11)12)." Liste des am Rande des Originals aufgeführten Komitees : 1. Der Taleb Mohammed Tazi. 2. der Taleb Mohammed ben El Mehdi Eemani, 3. der Vizekonsul Mercier, 4. der vom General dem Komitee beigeordnete Offizier, 5. Dr. Weissgerber, 0. Dr. Clunet, 7. Dr. Farhat, S. die Doktorin Eroido. 9. Dr. Many, 10. Baumeister Tranchant de Lunel. 11. der Sekretär des Komitees Elmaleh, 12. Rabbiner Vidal Serfaty. 13. Rabbiner Schlumu Danan. 14. der Scheikh El lliud. Fünfter Brief. Fez. den 2. Mai 1912. Verehrter Herr Präsident! Der Mellah ist jetzt so ziemlich von allen Schutt- und Trümmerhaufen befreit, die bis zur Höhe des ersten Stockwerks aufgetürmt gewesen waren, und der Verkehr in den Strassen ist wieder geordnet. Das Judenviertel bietet einen traurigen Anblick. Man sollte es nicht für möglich halten, dass eine Plünderung allein soviel Ruinen aufzuhäufen, so viele Häuser zu zertrümmern imstande gewesen ist. Man hat den Eindruck von Städten, die gleichzeitig von den ci^lrlmiiöm^oiar ^P*^^ ^^n*^1^»^^ ^^^^^^r- <v^£ * «i ■ m m %L6ä#$taateprcte ber Jnt r}u,gim3üia?k ^Dresden 191L N^^gjaaglffy töoldeneKUbaüie (Dftömtfc^e^Muna po?enl9U. Malern ^iUeikum Malern (Öolö (<£olämiOTibftuch.) C% garet teicv rpf, fca*$tur*.