Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Abraham Berliner
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 553 - 554 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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553 554 ABRAHAM BERLINER Von S. Bernfeld. Am I.Mai dieses Jahres ist Professor A b r a Ii a m Berliner in voller geistiger Frische und noch immer unablässig tätig in das achtzigste Lebensjahr getreten. Dem ausgezeichneten verdienstvollen Gelehrten ist das beneidenswerte Schicksal zuteil geworden, dass er im hohen Alter, keine Ermüdung kennend, mit voller Befriedigung auf ein Leben reich an Erfolgen auf dem Gebiete der Wiss enschaft des Judentums zurückblicken kann. 'Das Gebiet, das Berliner in seinem Leben mit grossem Fleiss und mit gründlichem Wissen bearbeitet hat, ist nicht eng begrenzt. Es erstreckt sich auf die jüdische Geschichte, Kulturgeschichte, Literatur, hebräische Sprachkunde, Bibelforschung und die synagogale Poesie. In allen diesen. Forschungen, von denen schon jede einzelne ihren ganzen Mann fordert, ist Professor Berliner Meister. Seine Vielseitigkeit ist um so erstaunlicher, als sie die Gründ Jichkeit seiner Leistungen auch nicht im mindesten beeinträchtigt hat. Wollte man alle selbständigen Werke und die vielen gediegenen Abhandlungen Berliners, selbst nur die grösseren, die in verschiedenen Fachzeitschriften zerstreut sind, alle namentlich anführen, so könnte man damit ein stattliches Heft füllen. Wenn man alle seine Arbeiten übersieht, so kommt man zu derUeberzeugung, dass sich in der Person dieses Gelehrten seltene Begabung mit ebenso seltenem Fleiss glücklich vereinigt haben. Vor nahezu einem halben Jahrhundert (imJahre 1866) ist Berliner mit seinem ersten grösseren Werk hervorgetreten, es ist dies die textkritische Ausgabe des Raschikomrnentars zum Pentateuch. Dieser Kommentar zu den Fünf Büchern Moses ist bekanntlich eine der volkstümlichsten verbreitetsten Schriften auf dem Gebiete der Bibelexegese. Seit der Erfindung der Buchdruckerkunst war er der treue, fast unzertrennliche Begleiter der Thora, so dass man sich in früheren Jahrhunderten die Fünf Bücher Moses ohne diesen Kommentar kaum denken konnte. Auch noch vor der Erfindung der Buchdruckerkunst war dieses exegetisch-homiletische Werk handschriftlich in unzähligen Exemplaren verbreitet. Aber trotz, vielleicht gar gerade wegen dieser Verbreitung gab es bis vor wenigen Jahrzenten keine textkritisch sichere Ausgabe des Raschikomrnentars zum. Pentateuch. Eine solche verdanken wir zum ersten Mal der Gründlichkeit und dem unermüdlichen Fleiss Berliners, der auf Grund von selten gewordenen Drucken und von Handschriften mit wissenschaftlicher Akriehie einen zuverlässigen Text herstellte. Diese Arbeit hat dem damals noch jungen Gelehrten die volle Anerkennung seiner Fachgenossen, zu denen auch Männer wie Zunz, Geiger und Steinschneider gehörten, eingebracht. Eine ähnliche, ebenso verdienstvolle Arbeit war die 18 Jahre später erfolgte Ausgabe des Targum Onkelos zum Pentateuch (im Jahre 1884 erschienen). Die aramäische Uebersetzung zur Thora, die unter dem Namen Targum Onkelos bekannt ist, gehört zu den vorzüglichsten und gelungensten Uehersetzungen biblischer Schriften; man kann^sie vielleicht als die beste u nd mu stergült igste Ueb ersetzung bezeichnen. Sie ist bekanntlich von sehr hohem Alter und genoss in der Judenheit, in den letzten Jahrhunderten auch bei christlichen Gelehrten, grosses Ansehen. Auch vomTargu mOnkclos, das im Altertum und später dem hebräischen 0riginal der heil igen Bücher nahezu gleich gestellt wurde, hatten wir, trotz der vielen Drucke, keinen völlig gesicherten Text. Diesen gab uns Berliner in einem grossen zweihändigen Werke, das zu den besten auf diesem Gebiete gehört. Aber Berliner hat sich nicht bloss auf diesem einen Gebiete ausgezeichnet. Da er die Isynagogale Poesie im Mittelalter und das Kulturleben des jüdischen Volkes gründlich kennt, so sind einige seiner Forschungen dieser Seite des jüdischen Geistes¬ und Volkslebens gewidmet. Jn erster Reihe verdient die grosse kulturgeschichtliche Arbeit Er¬ Juden in Rom (2 Bände, die eine Fülle von ge- und literar - historischem ähnliche Arbeit ist die der deutschen Juden im die nicht nur an Material reichhaltig, sondern auch lebendig und anziehend geschrieben ist. Der Sprach- und Altertumsforschung gehören die Schriften: Beiträge zur hebräischen Grammatik in Talmud und Midrasch (Berlin 1870) zur Geographie und Ethnographie Talmud und Midrasch (Berlin 1881) interessantesten Schriften dieses Gelehrten, die uns in die geistige Werkstätte eines Forschers führt, betitelt sich: Aus meiner Bibliothek (Berlin 1898). Die vielen anderen Arbeiten Berliners anzuführen, namentlich die verdienstvollen Publikationen aus Handschriften, muss ich mir aus Prof. Abraham Berliner» wähnung: Geschichte der Frankfurt a. M. 1893), sc h ic h tl ic 11 e m, k u 11 u r- Material enthält. Eine Schrift: Aus dem Leben Mittelalter (Berlin 1900), und . Beiträge Babyloniens in an. Eine der