Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Die neueste Erfindung eines jüdischen Hofmusikers
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 473 - 474 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2584019-2584025-2601038--13081-2601122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
473 Landesrabbiner Dr. Silberstein-Schwerin: Die neueste Erfindung eines jüdischen Hofmusiker?. 474 zu bringen. Der Apparat übernimmt unmerklich die 'Funktion der Lunge, bis diese wieder mit Luft gefüllt ist. Die nötige Druckluft wird von einem kleinen Gebläse durch leichten Fussdruck geliefert, durch ein Schläuchlein und ein dünnes Mundrohr in die Mundhöhle geleitet. Diese Luft würde unbedingt zum Körper gehen, wenn sich der Erfinder nicht eine in diesem Sinne nie benutzte Einrichtung des menschlichen Körpers [dienstbar gemacht hätte. Wenn man nämlich mit geöffnetem Munde durch die Nase atmet, schmiegt sich der weiche Gaumen an die Zungenwurzel und schliesst so die Mundhöhle vollständig von der Luftröhre ab. Hierdurch muss die in diesem Augenblick in die Mundhöhle geleitete Luft, da sie den Weg zur Lunge gesperrt findet, den einzigen Ausweg benutzen, das heisst, den in das Instrument. Bisher wurde der Apparat in den verschiedensten Städten: Bayreuth, Dresden, Amsterdam, Magdeburg, [Brüssel, Köln, Schwerin, Berlin, auf der Flöte, Oboe, dem Horn und Engl. Horn vorgeführt. M Bei einer kürzlich im Choralionsaale in " Berlin vor einer geladenen. Hörerschaft erfolgten Vorführung [war [auch der Erste Armee-Musik-Inspizient Professor Grawert zugegen. Nach seiner Ansicht [berechtigt die Erfindung zu den kühnsten Hoffnungen für die Militär-Orchester- und Kammermusik. „Wenn es möglich gemacht würde," so äusserte er sich,, ,einem armen Tubabläser helfend j beispringen 'zu können, wenn er während des Blasens den Ton ruhig1 weiterklingen lassen könnte, dann würde ihm und vieler* anderen Leuten geholfen sein. Vor allem würde die Er- Hofmusiker Bernhard Samuels können/4 Wir sind nun in der Lage, mitteilen zu können, dass * es dem Erfinder gelungen ist, den Apparat auch fürTuba und Posaune herzustellen. Das ist von hervorragender- Bedeutung, weil speziell die Wagnerschen Werke dadurch in vollem Masse nach der Absicht desKomponisten werden gespielt werden können. Wenn z. B. Rheingold mit einem gehaltenen E S in der Tuba während 60 Takten einsetzt und bisher bei jedem zweiten oder dritten Takt unterbrochen werden muss, so werden durch den neuen Apparat ohne jede [körperliche Anstrengung sämtliche Takte miteinander verbunden. Aus dem Leben des Erfinders ist Folgendes zu berichten: Samuels wurde am 10. November 1872 in Paramaribo als holländischer Untertan geboren. 'Als zweijähriges Kind kam er mit den Eltern [nach Amsterdam. Nach absolviertem Schulunterricht wurde er zuerst zum Goldarbeiter [ausgebildet und lernte alsdann das [Diamantspalten; doch diese Berufe sagten ihm nicht zu. Als er nun bei seinem Vater, der Liebhaber auf der Flöte war, das Flötenspiel erlernte und in dieser Kunst grosses Talent zeigte, wurde er von grossen Meistern darin weiter gefördert. Nach kurzer Zeit kam er ins Amsterdamer Orchester, war sodann als 1. Flötist in Arnheim, Groningen, Utrecht tätig und wurde 1904 in Essen in derselben Eigenschaft engagiert. Im ersten Jahre seiner dortigen Tätigkeit zog er die Aufmerksamkeit |von [Felix Mottl, Schilling, Reger und anderer auf sich. Mottl veranlasste seine Berufung nach Bayreuth, wo er seit 1905 alljährlich im Sommer als erster Flötist mitwirkt. Seit ___________ 1909 ist er an der Schweriner Hofoper müdung der Lippen verringert und lange Der Ton^Binde^Apparat ebenfalls als [1. Flötist tätig. — Bei Perioden würden glatt ausführbar weiden „Aerophor" seiner Mitwirkung in Bayreuth im letzten